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Vor den Pilgern in Medjugorje hielt Kardinal Schönborn eine Katechese über die Barmherzigkeit Gottes.

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Was bewegt die Pilger, die nach Medjugorje kommen? "Die Pilger tun vor allem eines, sie beten", so Kardinal Schönborn.

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Kardinal Schönborn traf mit Schwester Elvira Petrozzi, Gründerin von "Cenacolo", zum gemeinsamen Gebet zusammen.

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"In Medjugorje geht es um den christlichen Alltag"
(04.01.2010) Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, hielt sich zu Jahreswechsel zu einem privaten Besuch in dem herzegowinischen Pilgerort Medjugorje auf. "Man muss sich die Frage stellen, wie der Baum aussieht, der so viele gute Früchte trägt", so der Kardinal zum "Phänomen Medjugorje".

Für eine Integration des "Phänomens Medjugorje" in die normale Pastoral hat Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag, 3. Jänner 2009, im Gespräch mit dem "Pressedienst der Erzdiözese Wien" plädiert. Der Wiener Erzbischof hatte sich über zum Jahreswechsel zu einem privaten Besuch und einer Begegnung mit der Gemeinschaft "Cenacolo" in dem herzegowinischen Ort Medjugorje aufgehalten.

"Schule des normalen christlichen Lebens"

Kardinal Schönborn wollte den Ort sehen, von dem "viele positive Früchte" ausgegangen sind.  Es sei notwendig, das Phänomen Medjugorje zu "entdramatisieren", betonte der Wiener Erzbischof. Zweifellos sei der Anfangsimpuls von den "Seherinnen und Sehern" ausgegangen, die 1981 - als es zu den ersten "Erscheinungen" kam - noch Kinder waren. Inzwischen spielten diese außergewöhnlichen Vorgänge nur mehr eine untergeordnete Rolle. Faszinierend habe er gefunden, dass Medjugorje etwas wie eine "Schule des normalen christlichen Lebens" sei: "Es geht dort um den Glauben an Christus, um das Gebet, um die Eucharistie, um gelebte Nächstenliebe, um das Wesentliche im Christentum, um die Stärkung im christlichen Alltagsleben."  Der Wiener Erzbischof ist im Übrigen dafür, das "Phänomen Medjugorje" im Lichte des Zweiten Vatikanischen Konzils zu studieren. Der "sensus fidelium", der Glaubenssinn der Getauften, spiele in den Vorgängen um Medjugorje eine wichtige Rolle.

Orientierung an den "Leitlinien" von 1991

Er wolle der Entscheidung der Weltkirche aber nicht vorgreifen, sondern sich lieber an den von der damaligen Jugoslawischen Bischofskonferenz 1991 formulierten "Leitlinien" in Sachen Medjugorje orientieren, so Kardinal Schönborn. Diese - von der vatikanischen Glaubenskongregation zweimal bestätigten - "Leitlinien" seien "weise und richtungweisend".  In den "Leitlinien" werde betont, dass nicht feststeht, ob die Vorgänge in Medjugorje "übernatürlich" sind. Die Frage der Übernatürlichkeit werde offen gelassen. Daraus ergebe sich, dass keine offiziellen Wallfahrten nach Medjugorje erlaubt sind. Zugleich werde in den "Leitlinien" aber auch die Notwendigkeit der seelsorglichen Betreuung der Pilger unterstrichen.  Den Bischöfen sei es darum gegangen, einerseits die Früchte nicht zu hindern und andererseits Irrwege abzuwehren. Ihn persönlich habe es sehr sympathisch berührt, dass die "Seherinnen" sich als "normale und humorvolle junge Menschen" herausgestellt hätten, sagte der Wiener Erzbischof.

Was bewegt die Pilger, die nach Medjugorje kommen? "Die Pilger tun vor allem eines, sie beten. Jeden Tag wird von tausenden Menschen der ganze Psalter gebetet, es gibt eucharistische Anbetung, die Leute steigen auf den Kreuzberg mit dem 1933 errichteten Kreuz und beten den Kreuzweg oder auf den Berg Crnica im Ortsteil Bijakovici und beten den Rosenkranz", so Kardinal Schönborn.

Große Zahl sozialer Werke

Besonders hob der Wiener Erzbischof die große Zahl sozialer Werke hervor, die in Medjugorje entstanden sind: Die von Schwester Elvira Petrozzi begründete Gemeinschaft "Cenacolo" für drogenabhängige Jugendliche erhielt in Medjugorje den Impuls zur weltweiten Ausbreitung, das "Mütterdorf" ("Majcino selo") bietet seit den Balkankriegen Waisenkindern und vergewaltigten Frauen Zuflucht. Aus der Begegnung einer Pilgerin aus dem afrikanischen Malawi mit einer schottischen Pilgergruppe unter Leitung von Magnus MacFarlane-Barrow entstand die Initiative "Mary's Meals", die hungernden Kindern in aller Welt tägliche Mahlzeiten sichert.

"Grammatik der Marienerscheinungen"

Daher müsse man die Frage stellen, wie der Baum aussieht, der solche Früchte trägt, so Kardinal Schönborn. Auf Medjugorje träfen viele Aspekte zu, die der "Grammatik der Marienerscheinungen" entsprechen: Es handelt sich um eine arme Gegend, deren Bewohner aber sehr religiös sind, die Visionen wurden - wie in Lourdes oder Fatima - Kindern zuteil, es handelt sich um ganz einfache Botschaften, die aber den Kern des Evangeliums betreffen. Bemerkenswert sei auch, dass Maria in  Medjugorje von Anfang an vor allem  als "Königin des Friedens" verehrt wurde - zehn Jahre vor dem Ausbruch der Balkan-Kriege. In Medjugorje werde klar, dass die Versöhnung mit Gott die Vorbedingung für die Versöhnung unter den Menschen ist. In den Botschaften seien wenige moralische Appelle enthalten, es gehe vielmehr um die Bekehrung der Herzen, weil sich dann viele Dinge mit "innerer Evidenz" ordnen. "Vielleicht sollten wir uns in der Kirche mehr von diesem Pastoralkonzept Mariens inspirieren lassen", sagte Kardinal Schönborn.

Radiotipp:

Kardinal Christoph Schönborn berichtet auf Radio Stephansdom in Kirche Aktuell am Montag, 4. Jänner 2010, um 18.30 Uhr von seinen Eindrücken aus dem Pilgerort Medjugorje.

(red/PEW)



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