Bei sexuellem Missbrauch könne es nur den Weg der Wahrheit geben und es sei absolut notwendig, die Opfer an erste Stelle zu stellen. Das unterstreicht Kardinal Christoph Schönborn in der aktuellen Ausgabe von "thema kirche", dem Mitarbeitermagazin der Erzdiözese Wien. Zugleich äußert der Wiener Erzbischof Verständnis dafür, dass viele Kirchenmitarbeiter frustriert über die zuletzt gehäuften Anlassfälle sind, für die sie nichts könnten. Und Kardinal Schönborn tritt auch dafür ein, nach den Ursachen sexuellen Missbrauchs zu fragen.
Über mögliche Ursachen schreibt der Kardinal: "Dazu gehört die Frage der Priestererziehung genauso wie die Frage nach dem, was in der 68er-Generation mit der 'sexuellen Revolution' geschehen ist. Dazu gehört das Thema Zölibat genauso wie das Thema Persönlichkeitsentwicklung. Und dazu gehört eine große Portion Ehrlichkeit, in der Kirche, aber auch in der Gesellschaft."
Eindringlich ruft der Wiener Erzbischof zur "Umkehr" auf: "Bei jedem neuen Missbrauchsfall, ob in der Kirche oder bei anderen geschehen, stelle ich mir daher die Frage: Und du, hast du schon wirklich Schritte der Umkehr getan?" Der Kardinal streicht in seinem Schreiben hevor: "Die Opfer wurden und werden oft übersehen, ja womöglich noch irgendwie der Mitschuld verdächtigt. Nein, es ist notwendig, hier wirklich die Opfer vor die Täter zu stellen, Schuld beim Namen zu nennen."
"Viele sagen: Es reicht!"
Kardinal Schönborn richtet sein Schreiben unmittelbar vor dem Beginn der zweiten großen Wiener Diözesanversammlung im Rahmen der Missionsinitiative "Apostelgeschichte 2010" (11. bis 13. März) an seine Mitarbeiter in den Pfarren und kirchlichen Organisationen. Er räumt darin ein, dass er großes Verständnis für Frustration bei vielen Mitarbeitern habe: "Es reicht! So sagen viele. So denken viele. In vieler Hinsicht. Genug der Skandale! Wie kommen wir dazu, immer als Mitglieder der Kirche quasi haftbar gemacht zu werden für Vergehen, die wir nicht begangen haben? Nur weil es immer gleich heißt: 'die Kirche'!"Zugleich betont und zitiert der Erzbischof erneut das Jesus-Wort "Die Wahrheit wird euch frei machen" aus dem Johannesevangelium. Er sei wie auch Papst Benedikt XVI. überzeugt, "dass volle Offenheit, Transparenz, Sorge um die Opfer und die große Entschuldigungs- und Versöhnungsbitte an sie, aber auch viel Anstrengung in Richtung Vorbeugung notwendig sind, um wenigstens ansatzweise die Schande des Missbrauchs in der Kirche zu tilgen".
Diözesanversammlung "Wendepunkt der Hoffnung"
Mit der zweiten großen Diözesanversammlung von Donnerstag bis Samstag im Stephansdom setzt die Erzdiözese Wien ihre große Dialog-und Missionsinitiative "Apostelgeschichte 2010" fort. Drei Tage lang werden erneut 1.500 Delegierte darüber beraten, was Christen dazu motiviert oder daran hindert, missionarisch zu wirken. "Es geht darum, den suchenden Menschen von heute die Liebe Gottes, seine Güte und Menschenfreundlichkeit nahe zu bringen", erklärt Kardinal Schönborn.
Die erste Diözesanversammlung im vergangenen Oktober sei für die Kirche in Wien ein "Wendepunkt der Hoffnung" gewesen, so der Kardinal. Es gelte nun, den mit der "Apostelgeschichte 2010" eingeschlagenen Weg "hoffnungsvoll, zuversichtlich und konsequent" weiterzugehen, auch wenn der Kirche derzeit ein scharfer Gegenwind zu verspüren sei.
Weitere Artikel:
Vatikanlob für Krisenmanagement in ÖsterreichSalzburg: Erzabt tritt wegen Missbrauch zurück
"Die Wahrheit wird euch frei machen - auch wenn sie weh tut"
Presseerklärungen der Österreichischen Bischofskonferenz
(red/KAP)
Twittern
Impressum - Wegweiser - Erzbischof - Informationen - Leute - Glaube - Termine - Sitemap - Gottesdienstsuche - - - designed für IE 7+ and Firefox



