Monday 25. July 2016
Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab.
Joh. 3,16
Stellungnahmen von Kardinal Christoph Schönborn

Es braucht die Freundschaft mit Christus, um gemäß Gottes Schöpfungsplan leben zu können

(2. 4. 2012) Der Wiener Erzbischof sprach am Montagabend zu Priestern der Erzdiözese über den Umgang mit Lebenssituationen, die nicht den Idealen der Kirche entsprechen und die Seelsorger „oft hilf- und ratlos“ machen.

Die Norm in Erinnerung zu rufen, sei nicht genug – der einzige Weg zur Annahme der kirchlichen Lehre im Herzen sei, in die Freundschaft mit Jesus hineinzuwachsen. Das sei ein Weg, den der Seelsorger liebevoll und geduldig mitgehen müsse.

 

Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn hat am Montagabend in der Predigt bei der Chrisammesse zu St.Stephan die Priester an die Aufgabe erinnert, den „zerbrochenen Herzen“ Heil zu bringen. Oft fehle aber den Menschen das Bewusstsein der Heilsbedürftigkeit. Der Kardinal nannte drei Lebenssituationen, die nach der Lehre der Kirche nicht „heil“ seien, und die die Seelsorger „oft hilf- und ratlos“ machten: wenn man unverheiratet zusammenlebt, als Geschiedener wieder verheiratet ist oder in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft lebt.

 

In diesen drei Bereichen gehe es nicht zunächst um Kirchenrecht. Die kirchliche Lehre verteidige nicht „konfessionelles Sondergut der Katholiken“, sondern den „Masterplan des Schöpfers“, aus dem die Kirche ableite, dass „die Sexualität ihren echten Platz im geborgenen und verbindlichen Raum der unauflöslichen Ehe hat“, die von Gott als Band zwischen Mann und Frau angelegt sei.

 

Zunächst einmal müsse der Seelsorger selbst davon überzeugt sein, „dass diese biblische Sicht die wahre Sicht“ sei, „nicht ein fernes abstraktes Ideal, sondern etwas Großes, Lebensbejahendes, Lebensspendendes“ und eine „lebbare und vielfach gelebte Wirklichkeit“.

Viele Gläubige würden nicht nach diesem Masterplan leben, „weil es ihnen nie als echte Möglichkeit gezeigt, gelehrt und vorgelebt wurde“. Oft würden „wir Seelsorger resignieren vor der sehr realen Schwierigkeit eines völligen Unverständnisses für das, was die Kirche über Ehe und Enthaltsamkeit, Fruchtbarkeit und Unauflöslichkeit lehrt“ .  

 

Um den Masterplan verstehen und leben zu können, genüge es daher nicht, die Norm immer wieder in Erinnerung zu rufen. Zum notwendigen „inneren Herzensverständnis für den Masterplan“ gebe es für die Menschen nur einen Weg: „Jesus selber kennen zu lernen, in Seine Freundschaft hineinzuwachsen.“ Ein „guter Hirte“ halte daher an beidem fest: an der „Überzeugung, das Gottes Masterplan für den Menschen gut und beglückend ist“, und am liebvollen, geduldigen Weg, „auf dem Jesus uns in seine Freundschaft führt“. Denn dieser Weg in die Freundschaft Christi könne – das zeigten viele Beispiele – „zu einer tiefgreifenden Wandlung des Lebens führen“. Zeichen der wachsenden Freundschaft könnten „oft kleine Zeichen gelebter Liebe, geduldigen gegenseitigen Sicht-Tragens auch in irregulären Situationen sein“. Die Seelsorger sollten auch diese Zeichen „achten, sie fördern und ermutigen“.

 

Kardinal Schönborn schloss mit einem Wort des sel. Johannes Paul II., das wie sein Testament gewesen sei: „Im Erbarmen Gottes wird die Welt Frieden und der Mensch Glückseligkeit finden! Euch, liebe Brüder und Schwestern, vertraue ich diese Aufgabe an: Seid Zeugen der Barmherzigkeit!“

 

Bei der Chrisammesse weiht der Bischof einmal im Jahr die in der Diözese für Salbungen und Weihen (bei Taufe, Firmung, Priesterweihe, Krankensalbung, Altarweihe u.ä.) zu verwendenden Öle. Diese Messe feiert er mit seinem Priesterkollegium, die Priester erneuern dabei ihre bei ihrer Weihe gegebenen Versprechen. Daher richtet sich die Predigt bei der Chrisammesse in besonderer Weise an die Priester.

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