Wednesday 28. September 2016
Stellungnahmen von Kardinal Christoph Schönborn

Schönborn im Stephansdom: In die Lebensschule Jesu gehen

(10.10.2011) "Wir brauchen Reformen, das ist sicher" und zwar einen „persönliche Weg der Umkehr“, so Kardinal Schönborn.

"Wir brauchen Reformen, das ist sicher" und zwar einen „persönliche Weg der Umkehr“, so Kardinal Schönborn im Stephansdom bei seiner Auftaktkatechese zum Thema Jüngerschaftsschulung mit der der großangelegte Reformprozess der Erzdiözese in eine neue Phase tritt.

 

Mit einem harten Wort Jesu an seinen Jünger Petrus begann Kardinal Christoph Schönborn am Sonntagabend, 9. Oktober 2011, seine erste Katechese zum Thema Jüngerschaftschulung: "Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen." Dabei erinnerte der Kardinal an seinen letzten Hirtenbrief, in dem er einen Masterplan für den Erneuerungsprozess in der Erzdiözese Wien angekündigt hatte. Dieser, so betonte Kardinal Schönborn, müsse "der Plan sein, den der Meister mit uns hat, wenn wir nicht seinen Plan verwirklichen, mühen wir uns umsonst".  Der Masterplan könne kein fertiges Rezept sein, vielmehr ginge es darum, "dass wir gemeinsam neu dem Herr die Frage stellen: 'Was willst du? Was sagst du uns durch die vielen Suchenden? Willst du uns nicht zu einem Umdenken, einer Umkehr führen, uns neu hinter dich zu stellen und dir nachzufolgen?'"

 

Nachdem der bei der letzten Wiener Diözesanversammlung vor einem Jahr von Kardinal Christoph Schönborn skizzierte Reform-"Masterplan" zuletzt in einem Hirtenbrief und einem Schreiben an die Mitarbeiter konkretisiert wurde, lädt der Wiener Erzbischof die Gläubigen nun also zu einem gemeinsamen Nachdenken über "Jüngerschaft, Jüngerschaftsschule, Lebensschule Jesu" ein. So stelle auch der diözesane "Masterplan" kein "fertiges Rezept" oder gar einen "Rasterplan" dar, wie man kurzschlüssig vielleicht meinen könnte: Vielmehr bedeute er die Einsicht, dass es einer tieferen geistlichen Vergewisserung bedarf, was es heißt, "vom Herrn zu lernen". Denn "Masterplan" bedeute schließlich immer auch, sich der Frage zu stellen, "was der Meister will, dass wir tun", so Kardinal Schönborn. Für den Christ gelte der Generalauftrag, in die "Lebensschule Jesu" zu gehen und sich stets neu anfragen zu lassen, "ob wir Christen schon Christen sind" - ob man sich als Christ wirklich in die Nachfolge Jesu zu stellen bereit ist.

 

Allzu menschliche Kategorien

Demgegenüber sei man oft verleitet, in allzu menschlichen Kategorien zu denken:  "Ich frage mich selbstkritisch, träume ich nicht insgeheim von der Gestalt der Kirche, die ich in meinen jungen Jahren erlebt habe? Hoffe ich nicht, dass es irgendwie gelingen muss, der Kirche wieder Ansehen zu verschaffen. Im Fokus dürfe nicht die Frage nach Strukturen stehen, sondern die Frage, "ob wir bereit sind, zur heutigen Situation wirklich 'Ja' zu sagen" und anstelle von "Abbrüchen" darin auch die Chance zu "neuen Aufbrüchen" zu erkennen, so Kardinal Schönborn. Die Bibel bezeichne dies mit dem Wort "Selbstverleugnung": dies bedeute, dass nicht das menschliche Wollen im Fokus stehen dürfe, sondern der Wille Jesu.

 

Gott will unser Glück

Christwerden bedeute, Jünger Jesu werden und die Frage zu stellen, was der Herr will. Zunächst sei klar, so Kardinal Schönborn: "Er will unser Glück, unser Leben und unsere Freude und zeigt uns den Weg - Ich bin der Weg die Wahrheit und das Leben - deshalb seine Einladung: Werdet meine Jünger." Dafür müsse man in seine Lebensschule gehen: "In dieser Lebensschule bleiben wir lebenslang."

 

Wir sind ratlos

Die gegenwärtige Situation verglich der Wiener Erzbischof mit den weltweiten Krisen: "Wir stehen vor ganz großen Umbrüchen", das zeige ein nüchterner Blick auf die Finanzkrise, die demographische Krise und die Umweltkrise: "Überall herrscht große Ratlosigkeit. Auch die Umbrüche in der Kirche, die wir nicht isoliert von den Umbrüchen in der Gesellschaft sehen dürfen, lassen uns in vieler Hinsicht ratlos." Kardinal Schönborn ist aber "skeptisch gegenüber allen, die Patentrezepte haben", sagte er. "Eines ist sicher, wir brauchen Reformen und neue Zugänge. Und wie es für die Finanzkrise nur den Weg gibt, das eigene Verhalten zu verändern, so gilt auch für den kirchlichen Reformweg: Es ist zuerst eine Weg der persönlichen Umkehr."

 

Kirche dient dem Reich Gottes

Zuerst sei der "persönliche Weg der Umkehr"- möglichst vieler – wichtig. Dabei gehe es um das Reich Gottes, betonte der Kardinal: "Wir reden viel zu viel über die Kirche." Aber die Kirche diene dem Reich Gottes, damit das Königtum Gottes in der Kirche zur Geltung komme. "Alle Fragen, wie die Kirche wieder mehr Ansehen gewinnen kann, gehen am Wesentlichen vorbei", so der Kardinal. Es gehe vielmehr darum, dass Gott ansichtig werde und dazu müsse man beim Jesus in die Schule gehen.

 

Neue Lernlust am Christentum

Ziel der neuen Katechesenreihe sei eine "neue Lernlust", wünschte sich Kardinal Schönborn. Das Christentum könne neu entdeckt werden. Es störe ihn nicht, "dass manche sagen, hier werde spiritualisiert und die konkreten Fragen zu wenig angegangen, die konkreten Reformen werden nicht angenommen". Denn so betonte er: "Was ist denn konkreter, was verändert die Realität mehr, als die Metanoia, die Umkehr?" Drei Aspekte werden in neue Katechesenreihe bestimmen: der Blick in die Bibel, der Zusammenhang mit dem diözesanen Entwicklungsprozess und das "Hinschauen auf Zeichen der Zeit".

 

Glaube und Jüngersein

Der Glaube und die Selbstverleugnung  - "diese erreichen wir nur, wenn uns eine stärkere Liebe zieht als die Liebe zu uns selbst"– so erläuterte der Kardinal abschließend an einem biblischen Beispiel – seien aber die Voraussetzung für das Jüngersein.

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