Saturday 25. June 2016

Geschenk für die Kirche

„Tag des Geweihten Lebens“: „Ordens“-BV P. Michael Zacherl SJ über Aufgabe und Charisma der Orden.


Papst Franziskus gehört als Jesuit selbst einem Orden an. Wie schlägt sich das „Jesuitische“ bei ihm durch?

Zacherl: Seit mehr als 170 Jahren ist mit Franziskus wieder ein Ordensmann zum Papst gewählt worden. Der letzte Ordensmann auf dem Stuhl Petri davor war Gregor XVI. (geboren 1765, gestorben 1846), der aus dem Kamaldulenser-Orden stammte. Als Jesuiten wollen wir eher nicht Bischöfe und Kardinäle werden,  sondern zu Diensten des Papstes sein. Franziskus sagte bei einer Gelegenheit, er fühle sich jetzt fast noch mehr als Jesuit als zuvor. Er lebt die jesuitische Bemühung um Glaube und Gerechtigkeit, das An-die-Grenzen-Gehen, um nicht innerhalb einer festen Burg die Kirche zu verteidigen, die Offenheit, die Gemeinschaft mit den Menschen. Das, meint Franziskus, kommt jetzt fast noch mehr zur Geltung.

Welche Bedeutung haben die Orden für das Leben der Kirche?

Zacherl: Ich verweise hier auf das nachsynodale Apostolische Schreiben „Vita consecrata“ von Papst Johannes Paul II. (1996). Da hat der Papst sehr deutlich gesagt, dass die Orden als ein Geschenk an die Kirche zu betrachten sind. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Ordensgemeinschaften – wie etwa die Franziskaner – als ein Geschenk Gottes zu einer Zeit gegründet worden sind, als  in Europa das Streben nach Geld und Reichtum sehr stark war. Da stellten sich die Bettelorden bewusst gegen solche Einstellungen, die dem Christentum nicht entsprechen. So war es auch mit  fast allen Ordensgemeinschaften, ganz besonders mit jenen, die im 19. Jahrhundert gegründet worden sind: Nöte der Zeit haben im Raum der Kirche Gegenbewegungen wachgerufen.

Warum sind die Orden mehr als bloße Helfer des Bischofs?

Zacherl: Die Orden, vor allem jene päpstlichen Rechts, sind ja weitgehend autonom, mit Ausnahme der pastoralen Aufgaben. In dieser Beziehung sind sie der Leitung der Diözese unterstellt. Sie sollen in besonderer Weise die Möglichkeit haben, ihre Charismen gut einzubringen. In unserer Erzdiözese sind sehr viele Ordensgemeinschaften mit vielen Charismen tätig. Die Ordensgemeinschaften können einerseits mit einer größeren Freiheit und Unabhängigkeit agieren, sie sind auf der anderen Seite zugleich mit großen prophetischen Gaben ausgestattet, die immer wieder auf Schwächen und Mängel hinweisen und Inhalte unterstützen sollen, die ins Abseits geraten sind.

Fast die Hälfte aller Pfarren wird in der Erzdiözese Wien von Ordensmännern betreut. Was zeichnet eine Ordens-Pfarre aus?

Zacherl: Es gibt Ordensgemeinschaften, die sich ganz speziell der Pfarrseelsorge widmen. Bei anderen Gemeinschaften ist es eher eine Notlösung, dass Ordenspriester auch in der Pfarrseelsorge tätig sind. Die Augustiner Chorherren etwa können dort richtungweisend sein, wo es in der Erneuerungsphase der Erzdiözese Wien darum geht,  Priester mehr in Gemeinschaft miteinander wirken zu lassen. Das ist die ursprüngliche Idee bei den Augustiner Chorherren: Auf dem Fundament der Gemeinschaft des Stiftes für die Pfarren da zu sein. Das ist eine gute Zielvorgabe, und ich wünsche mir, dass die Chorherren dieses Charisma gerade in der gegenwärtigen Phase des Erneuerungsprozesses einbringen. Andere Ordensgemeinschaften sollten sich eher von der Pfarrseelsorge befreit ganz für ihr Charisma einbringen können. Der Diözese sollte das ein wichtiges Anliegen sein.

2015 soll laut Papst Franziskus ein „Jahr der Orden“ werden. Was heißt das für die Erzdiözese Wien?

Zacherl: Sowohl Papst Gregor XVI. als auch Papst Franziskus haben sehr stark auf die Orden hingewiesen und schätzten bzw. schätzen sie offensichtlich. Es wird darauf ankommen, dass die Ordensgemeinschaften, die sich einem Leben nach den evangelischen Räten (Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam) verschrieben haben, dieses Charisma der engeren Nachfolge auch verstärkt einbringen. Ein Leben gemäß dem Evangelium zu führen, ist eine Aufgabe aller Christen. Die Ordensleute sollen hierin vorangehen und eine Zugkraft entwickeln, die die ganze Kirche mehr und mehr in diese Richtung führt: Mehr auf das Evangelium zu schauen, um in Jesus Christus den Weg zu finden, der zum Leben führt.

 Interview: Stefan Kronthaler

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