Sunday 24. July 2016

Vordergründig „gescheitert“

Eigentlich wollte sie heiraten, fünf Kinder bekommen und als Tierärztin in Tirol arbeiten. Aber es kam ganz anders:  Univ.-Prof. Monika Egerbacher, eine geweihte Jungfrau, im „Sonntag“-Gespräch.


Ich habe vier Geschwister – einen Bruder und drei Schwestern. Wir haben uns als Jugendliche ausgemacht: Wir heiraten alle und bekommen jeweils fünf Kinder.

 

Das war für uns cool“, erzählt die in Jenbach aufgewachsene Tirolerin Monika Egerbacher, eine geweihte Jungfrau, im Gespräch mit dem „Sonntag“: „Ich habe in Wien Veterinärmedizin studiert. Und damals habe ich geschworen: Ich bleibe nach dem Studium keinen Tag länger in Wien als notwendig und werde dann als Tierärztin in Tirol arbeiten.“

 

„In da Friah und auf‘d Nocht“

„Ich bin also mit meinen Plänen vordergründig kläglich gescheitert“, sagt die Universitätsprofessorin auf der Veterinärmedizinischen Universität im Rückblick schmunzelnd: „Nichts von diesen drei Dingen habe ich umgesetzt.“

 

Egerbacher ist ausgebildete Tierärztin, sie forscht an der Vet-Med und bildet Studierende in einem „frühen Fach“ aus, nämlich „Anatomie, Histologie und Embryologie“. Die Studierenden lernen etwa, wie Organe und Gewebe bei Tieren ausschauen.

 

 

Sie sei „mit dem Plan Gottes allerdings glücklich und zufrieden“. „Das ist für mich ein Zeichen, wie Gott im Leben eines Menschen wirken kann und wirkt“, sagt sie. „Dass er uns auf Wege führt, wo wir gar nicht hin wollten. Aber es passt.“ Sie sei „immer noch in Wien, nicht in der Praxis und ich habe nicht geheiratet“.


1998, nach ihrer Jungfrauenweihe, war ein Artikel in der Zeitschrift des Canisiuswerkes, „Miteinander“.  Letztes Jahr rief im Advent ein Tiroler bei Pfarrer Honer in St. Claret (Dekanat Wien 22) an und erkundigte sich, ob „diese Tirolerin noch immer dabei ist“.

 

Egerbacher hat den Mann, er ist jetzt 98 Jahre alt, kürzlich besucht. Er betet, seit er damals den Beitrag gelesen hat, „jeden Tag für mich“, erzählt sie. Tirolerisch gesagt: „In da Friah und auf‘d Nocht.“ Egerbacher: „Wer weiß schon, wer für einen betet. Ich habe das jetzt erfahren und schöpfe daraus viel Ermutigung und Kraft.“

 

Egerbacher ist auf einem Bauernhof „katholisch aufgewachsen“, sie hat den „katholischen Jahresrhythmus eingehalten, auch die Gebetszeiten zu den Mahlzeiten“. Aber Gott war ihr „doch fern“. Sie hat „nicht gebetet, außer in Notfällen, schon gar nicht zu einem persönlichen Gott“.


„Das Feuer brennt noch“

Gegen Ende des Studiums besuchte sie ein Seminar, bei dem es um die Entscheidung ging, „mit Jesus zu leben“, erzählt sie.  Verbunden mit einer „Lebensübergabe“ ergab sich auch die Frage der „Standes-Entscheidung“: „Darüber hat Gott dann ganz klar gesprochen, ein richtiges Berufungserlebnis sozusagen.“

 

Kurz nach Beendigung des Studiums, 1992, entschied sie sich für ein Leben in Ehelosigkeit, später kristallisierte sich der Weg als geweihte Jungfrau als der richtige heraus.


Das Feuer, das sie bei der Berufung verspürte, „das brennt noch“, sagt sie: „Man muss es natürlich nähren. Manchmal lodert es ganz hoch, manchmal brennt es ruhig dahin. Manchmal gibt es eine ruhige Glut, und man muss aufpassen, dass es nicht ausgeht.“

 

Über die Jahre musste sie „herausfinden, was dieses Feuer am Brennen hält“. Egerbacher: „Wie etwa die Gebetszeiten gestaltet sind, wie Exerzitien, wie die Gespräche mit geistlichen Begleitern. Mal mehr Anbetung, mal mehr Lobpreis.“

 

Das Charisma ihrer Berufung prägt das persönliche Leben. „Indem ich, in mein Berufsleben integriert, ein strukturiertes Gebetsleben habe und Prioritäten setzen muss“, sagt sie.

 

Außerdem fragen die Leute, etwa nach dem optischen Zeichen des Eherings. „Da sage ich: Ich bin schon vergeben und vermählt, ich bin sozusagen mit Jesus verheiratet, ich lebe ein zölibatäres Leben.“

 

Manche seien „geschockt“ und „können gar nichts damit anfangen“, andere sind „positiv überrascht, dass man so etwas auf der Vet-Med antrifft“. Egerbacher: „Heute wird ja die Entscheidung zur Ehe hinterfragt und in logischer Konsequenz auch jene zur Ehelosigkeit.“

„Allein sein können“

Was Jüngere und auch Ältere erwartet, wenn sie sich für diesen Berufungsweg entscheiden? Egerbacher: „Man muss definitiv allein sein können, aber auf der anderen Seite sollte man kein Sonderling werden und sich abschotten von den Menschen.“

 

Das sei eine der großen Herausforderungen für geweihte Jungfrauen, die in der Welt leben: „Eingespannt zu sein in einem Beruf, bei dem ich viel mit Menschen zu tun habe, und auch Zeugnis zu geben und zugleich zu schauen, dass ich genug Zeiten der Stille, Zeiten mit dem Herrn habe.“                                                        

erstellt von: Der Sonntag / Stefan Kronthaler

Die brennende Lampe mit „genug“ Öl: Das Symbol für die geweihten Jungfrauen.

Weitere Informationen
 

Geweihte Jungfrau:

Univ.-Prof. Dr. Monika Egerbacher.




Ordo virginum - geweihten Jungfrauen

 

Empfehlungen der Österreichischen Bischofskonferenz für die Spendung der Jungfrauenweihe

 

 

Vesper zum„Weltgebetstag für geistliche Berufe“:

25. April 2015

um17 Uhr im Stephansdom,

anschl. Agape im  „Quo vadis“.

 


 

Zum Thema Berufung:

www.canisius.at und

www.berufungen.at

 

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" Die Berufung aller"
Etwas tun, wozu kein anderer berufen ist
"Berufungen - bunt wie die Kirche"

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DIE WIENER KIRCHENZEITUNG "DER SONNTAG"

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