Tuesday 21. October 2014

Diözesanreform: "Wir gehen den Weg beherzt, ohne Hast"

Im Weihnachtsinterview spricht Kardinal Christoph Schönborn über Papst, Bundesregierung und Diözesanreform.


Seit ein paar Tagen gibt es eine neue Regierung. Stehen die Vorzeichen für Österreich gut oder schlecht?
Kardinal Schönborn: Wir beten eigentlich jedesmal in den Fürbitten auch für die, die uns regieren. Sie tragen eine große Verantwortung - und wir tragen eine große Mitverantwortung. Auf die Regierung zu schimpfen, ist das Einfachste, aber auch das Unfruchtbarste. Jede neue Regierung verdient es, dass man ihr zuerst einmal den Segen Gottes und eine gute Arbeit wünscht. Die Frage gilt nicht nur der Regierung, die wir daumendrehend in der ersten Reihe fußfrei kommentieren, sondern auch uns selber: Glauben wir an dieses Land? Tun wir das Unsere, dass dieses Land ein gutes, lebendiges und liebenswertes Land bleibt?

 

 

Der neue Papst hat in diesem Jahr die Berichterstattung beherrscht. Welche Punkte aus seinem Lehrschreiben "Evangelii Gaudium" erscheinen Ihnen besonders wichtig?
Das Dokument ist als Ganzes gesehen ein ganz erstaunliches Dokument – in seiner Einfachheit, Direktheit, Entschiedenheit. Für mich nehme ich mit: Erstens die ganz starke Betonung der Freude, speziell der Freude am Evangelium, das wir zu verkündigen haben – und was der Papst dabei sagt: die ganz große Freude aus der Begegnung mit den Armen. Zweitens das, was der Papst über die Predigt schreibt. Warum sind unsere Predigten oft so lebensfern, so langweilig, so unattraktiv? Dieses Kapitel sollten alle, die mit Verkündigung zu tun haben, lesen, meditieren und bedenken. Drittens: die Worte des Papstes zur sozialen Dimension des Evangeliums. Seine energischen, ja harschen Worte über manche Wirtschaftsformen mögen uns, die wir die österreichische soziale Marktwirtschaft gewöhnt sind, übertrieben vorkommen. Aber wenn man aus Lateinamerika kommt und Afrika und Asien im Blick hat, dann sind diese Worte aus einem anderen Zusammenhang gesagt und zu verstehen. Wir dürfen uns davon schon auch in Frage stellen lassen.

Wieweit hat das, was der Papst sagt, Einfluss auf die begonnene Diözesanreform?
Wir wissen, dass wir einen Weg der diözesanen Reform gehen müssen. Wir werden dabei sicher Fehler machen - aber wir würden noch mehr falsch machen, wenn wir nichts machen. Wir haben eine klare Leitlinie für die Strukturen mit der "Pfarre neu", aber wir haben aber vor allem die Grundausrichtung von "Mission first" und Jüngerschaft. Hier ist "Evangelii Gaudium" eine große Bestärkung. Sie betont den Grundauftrag der Verkündigung der Frohbotschaft und der Jüngerschaft - wir sind eingeladen, unser Christsein zu erneuern, in der Nachfolge Christi. Wir gehen unseren Weg beherzt, aber ohne Hast - und gehen dabei sehr bewusst von den Erfahrungen und den Möglichkeiten vor Ort aus.

 

Wird es dabei auch zu weiteren Übergaben von Kirchen an andere christliche Kirchen kommen?
Ja. Wir haben schon vor Jahren zwei Kirchen den Koptisch- und eine Kirche den Syrisch-Orthodoxen übergeben. Wir sind gerade dabei, eine weitere Kirche den Syrern zu geben, eine den Rumänisch- und eine den Serbisch-Orthodoxen. Wir zeigen damit auch, dass es uns wichtig ist, dass die Christen, die in der Stadt Wien insgesamt zunehmen, genügend Gottesdienststätten und eine Beheimatung haben, die es ihnen erlaubt, ihr eigenes Leben gestalten zu können. Das Verhältnis zu den anderen christlichen Konfessionen ist in unserer Stadt ausgezeichnet.

Die Diözesanwallfahrt 2014 hat ein fernes Ziel, die Wirkungsstätten des Apostels Paulus in der heutigen Türkei. Manchen erscheint das zu weit weg ...
Ich kann nur sehr herzlich dazu einladen. Ich weiß, eine solche Reise kostet natürlich etwas. Aber ich kann erinnern an die Diözesanwallfahrt im Jahr 1999 ins Heilige Land, wo wir über 500 Menschen waren. Noch heute erzählen mir Teilnehmer, wie sehr sie das geprägt hat und wie wichtig diese Reise für ihr eigenes Glaubensleben war. Ich kann also nur herzlich alle, denen es irgendwie möglich ist, noch einmal einladen, an dieser Reise teilzunehmen.

Zuletzt zum bevorstehenden Fest selbst: Gerade zu Weihnachten wird vielen Leuten das Fehlen geliebter Menschen besonders bewusst. Was sagen Sie ihnen?
Weihnachten ist eine Zeit, in der das Fehlen von Menschen, die in letzter Zeit gestorben sind, besonders schmerzlich spürbar ist. Das weiß ich auch aus eigener Erfahrung. Aber Weihnachten hat ja auch eine tröstliche Dimension – das Wissen, dass ein Mensch wirklich heimgegangen ist. Unser irdisches Weihnachtsfeiern ist nur eine Station auf einem Weg, der ein Pilgerweg ist. Es tröstet, wenn man glauben darf, dass wir gemeinsam auf das eine Ziel hin unterwegs sind – dass wir nach Hause gehen.

 

Das Interview führten die kirchlichen Medien www.erzdiozese-wien.at, Radio Stephansdom und die Kirchenzeitung "Der Sonntag".

18.12.2013

"Wir wissen, dass wir einen Weg der diözesanen Reform gehen müssen", so Kardinal Schönborn. Dabei sei Papst Franziskus ist mit seinem Schreiben "Evangelii Gaudium" eine große Bestärkung, es "betont den Grundauftrag der Verkündigung der Frohbotschaft und der Jüngerschaft".

Fotos
Karl Füsselberger - Wiener Fotoschule
Karl Füsselberger - Wiener Fotoschule
Karl Füsselberger - Wiener Fotoschule
Karl Füsselberger - Wiener Fotoschule

Fotos vom Weihnachtsinterview der kirchlichen Medien mit Kardinal Christoph Schönborn.

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