Sunday 28. August 2016

Wozu die Taufe?

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 12. Jänner 2014


Die große Mehrheit der Österreicher ist getauft. Gute zwei Drittel der Menschen in unserem Land haben, meist als kleine Kinder, die Taufe empfangen. Es ist eine nach wie vor in weiten Kreisen unserer Bevölkerung verankerte Tradition, die eigenen Kinder taufen zu lassen. Heute feiern wir den Ursprung dieses Ritus: die Taufe Jesu!

 

Weil Jesus Christus die Taufe empfangen hat, ist es zum Kennzeichen der Christen geworden, getauft zu sein, wie es das Kennzeichen der (männlichen) Juden bleibt, als Kind beschnitten worden zu sein.

 

Was bedeutet die Taufe? Wozu ist sie gut? Warum lassen viele ihre Kinder taufen, auch wenn sie selber nur eine lockere Bindung an die Kirche haben? Die grundlegende Antwort gibt die Taufe Jesu. Warum hat er selber sich diesem Ritus unterzogen? Und warum hat er seinen engsten Mitarbeitern, den Aposteln, den Auftrag gegeben, in alle Welt zu gehen und alle Menschen einzuladen, an ihn zu glauben und sich taufen zu lassen? Das Thema Taufe ist also eine ganz zentrale Frage: Wozu die Taufe?

 

Eine erste Antwort gibt Johannes der Täufer. Er hat damit begonnen, die Leute scharenweise im Jordan zu taufen. Für ihn war das Untertauchen im Wasser des Jordanflusses  ein Zeichen der Reinigung, der Bereitschaft, sein Leben zu ändern und wie neugeboren aus dem Wasser aufzutauchen. Der Taufe ging seine Predigt voraus. Johannes hat die Menschen mit seinen Worten erschüttert, aufgerüttelt, er hat ihnen ins Gewissen geredet. Und viele ließen sich von seinen Worten berühren und waren bereit, ihr Leben zu ändern. Die Taufe war dafür das Zeichen.

 

Warum aber hat Jesus sich taufen lassen? Johannes will es nicht zulassen: "Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?" Jesus – wie ein Sünder unter Sündern? "Lass es nur zu!" sagt er dem Täufer, so muss es sein. Dazu ist Jesus gekommen, um sich wie einer von uns mitten unter die Menschen zu begeben. Deshalb steigt er ins Flusswasser hinunter, lässt sich untertauchen und von Johannes taufen. Später wird er selber sagen, das sei ein Bild des Sterbens, eine Vorahnung von seinem Tod am Kreuz.

 

Warum wollte Jesus, dass alle seine Anhänger, die Christen, wie er die Taufe empfangen? Er hat es selber klar gesagt: Es geht um die "Wiedergeburt". Es geht darum, dass alle Menschen nicht nur die natürliche Geburt aus ihrer Mutter brauchen, um zu leben, sondern auch so etwas wie eine zweite Geburt, durch die wir zu reifen Menschen werden. Jesus nennt das "von oben geboren werden". Es ist im Grunde ein lebenslanger Prozess, ein immer neues Reifen, Heranwachsen, oft auch ein schmerzlicher Prozess der Reinigung und Läuterung. In diesem Sinn ist die Taufe ein Weg durchs ganze Leben, bis schließlich, wie der Schmetterling aus der Raupe, wir zum ewigen Leben geboren werden.

 

Warum aber Taufe schon als kleines Kind? Ist das nicht viel zu früh? Jesus war dreißig Jahre alt, als er sich taufen ließ. Manche meinen, man solle mit der Taufe warten bis es zu einer eigenen bewussten Entscheidung kommen kann. Sonst haben wir zu viele Taufscheinchristen.

 

Ich bin da anderer Ansicht. Als Jesus aus dem Jordanwasser wieder auftauchte, von Johannes getauft, "öffnete sich der Himmel" und es war die Stimme Gottes zu hören: "Das ist mein geliebter Sohn". Für mich ist das Schöne an der Taufe der Kinder, dass da Gott zu diesem kleinen Menschen für immer gültig sagt: Du bist mein geliebtes Kind! Das kann man doch nicht früh genug gesagt bekommen!

12.01.2014

In der Taufe sagt Gott: "Du bist mein geliebtes Kind!"

Matthäusevangelium 3, 13-17

In jener Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir? Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz erfüllen. Da gab Johannes nach. Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.

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