Saturday 27. August 2016

Kurt-Schubert-Gedächtnispreis zum 4. Mal verliehen

Irmgard Aschauer und Ruth Steiner für Engagement im christlich-jüdischen Dialog ausgezeichnet.


Zum vierten Mal wurde am 3. März 2016 der Kurt-Schubert-Gedächtnispreis für interreligiöse Verständigung verliehen. Die Oberösterreicherin Irmgard Aschbauer und die Wienerin Ruth Steiner, zwei Vorkämpferinnen des christlich-jüdischen Dialogs, nahmen den Preis am Donnerstag im Festsaal des Linzer Priesterseminars im Beisein von u.a. Diözesanbischof Manfred Scheuer, Altbischof Maximilian Aichern, Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg und Landeshauptmann Josef Pühringer entgegen.

 

„Brücken schlagen“

Ruth Steiner und Irmgard Aschauer hätten jene "wunderbaren Gedanken, die in Rom in der Theorie so einfach ausgesprochen wurden" in Wort und Tat erklärt, betonte Oberrabbinger Eisenberg in seiner Laudatio, wobei er sich hier auf das Konzilsdokument "Nostra Aetate" berief. Es brauche Menschen, die das tun, "denn eine solche Gesinnungsänderung unter Christen passiert nicht von alleine". Steiner habe versucht, so gut wie möglich Brücken zwischen ihrer jüdischen Herkunft und ihrem christlichen Bekenntnis zu schlagen und ihr ganzes Leben beispielhaft diesem Anliegen gewidmet.

 

Altbischof Maximilian Aichern hob die von Aschauer "bestens vorbereiteten" ökumenischen Wortgottesfeiern für die jährlichen Gedenkfeiern in Mauthausen hervor. Aschauer habe immer versucht, Kirche und Synagoge wieder in ein Vertrauensverhältnis zu führen. Den Ehrenschutz für den Preis hatte Landeshauptmann Josef Pühringer übernommen. Die Preisträgerinnen würdigte er als Menschen, "die den praktischen Dialog des Lebens und des Handelns üben".

 

Bertrand Perz vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien führte in seinem Vortrag über "Einzugsgebiet, Verzweigungen und Auswirkungen eines Vernichtungsplans" in die Gefährdung menschlicher Gesinnungen hinein. Er ging dabei u.a. auf die Frage ein, warum im Nationalsozialismus Täter zu Tätern geworden seien. Ein Drittel der Lagerinsassen in Mauthausen und dessen Außenlagern sei durch aktive Gewalthandlungen des Aufsichtspersonals umgekommen.

 

Die Recherchen der Täterforschung hätten ergeben, dass nur ein geringer Teil dieser Wächter aus Überzeugungstätern bestanden habe. Der Großteil des SS-Personals sei aber aus allen Teilen der Gesellschaft gekommen und habe "normale" Biografien. Es könne also de facto keine bestimmte Sozialisation ausgemacht werden, die auf "Täterkarrieren" hinweise, so Perz. Die SS-Wachmannschaft sei gut in die Bevölkerung integriert gewesen; dieser Umstand habe es diesen Tätern leicht gemacht, in der Nachkriegszeit problemlos zu verschwinden. Man müsse sich weiterhin die Frage stellen, was Menschen bewogen habe, solche Gewalttaten auszuüben. Die Verleugnung vergangener Verbrechen sei selbst ein Verbrechung und die Saat für neue Gewalt, so Perz.

 

Dank und Hoffnung der Preisträgerinnen

Irmgard Aschbauer blickte in ihren Dankesworten auf prägende Wegbegleiter ihres Lebens zurück. Besonders hob sie Prälat Josef Wiener hervor, den sie während seiner Kaplanszeit in Gmunden kennenlernt hatte und dem sie bei ihrem Dienst in der Diözese in seinen leitenden Funktionen wieder begegnet war.

 

Ruth Steiner äußerte als Wunsch für eine gute Zukunft, "dass Sicherheitsmaßnahmen vor der Synagoge einmal nicht mehr notwendig sind, dass die Nachfahren des Holocaust in Österreich willkommen sind und dass die Humanität mit Minderheiten und Fremden auf der Flucht zum Prinzip der Demokratie in Österreich wird".

 

Der Namensgeber des Preises, Kurt Schubert (1923-2007), war Begründer der akademischen Judaistik in Mitteleuropa und Wegbereiter für den jüdisch-christlichen Dialog in Österreich. Die Auszeichnung wird vom Forum für Weltreligionen gemeinsam mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich, dem Forum Zeit und Glaube des Katholischer Akademikerverbandes, dem Stift Klosterneuburg und der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit alle zwei Jahre vergeben.

 

 

erstellt von: red/kap
04.03.2016

Die Oberösterreicherin Irmgard Aschbauer und die Wienerin Ruth Steiner, zwei Vorkämpferinnen des christlich-jüdischen Dialogs, erhielten den Kurt Schubert-Gedächtnispreis.

Weitere Informationen:

Forum für Weltreligionen:

www.weltreligionen.at

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