Tuesday 1. December 2020

Quarantäne - muss das sein?!?

Von einem Italienaufenthalt kommend direkt in die 14tägige Quarantäne – sicherheitshalber! Das hat mich einigermaßen aus der Bahn geworfen! Ohne die Möglichkeit, noch irgendetwas zu besorgen, zu erledigen, zu organisieren: Direkt vom Railjet in die eigenen 4 Wände  und „eingesperrt“ von einem virtuellen Schloss! – Und was jetzt?

 

Ja, was jetzt? Zwei Wochen, einfach so! Soll ich mich freuen? Oder doch ärgern über solche Vorschriften? Oder endlich Ordnung machen, natürlich Frühjahrsputz, aufräumen, Unerledigtes endlich in Angriff nehmen, lesen? Auf jeden Fall: lange schlafen, ausschlafen, …. Keinen Wecker stellen, am besten gar keine Uhr beachten. So ungefähr schwirren die Gedanken durch den Kopf!

 

Nach anfänglichem emotionalem Durcheinander klären sich allmählich die Gedanken. Was ist ganz wichtig: natürlich Lebensmittel organisieren und die weiteren Grundbedürfnisse abdecken. Glücklicher­weise habe ich ein Umfeld, das mir alles Notwendige in großer Selbstverständlichkeit und Aufmerksamkeit zukommen lässt, und immer wieder auch einen blühenden Frühlingsgruß, eine süße Abwechslung, Fastenzeit ist kurzzeitig ausgesetzt! und mutmachende Worte!

 

Als leidenschaftliche ehrenamtliche Telefonseelsorgerin besinne ich mich auf Wesentliches: Was würde ich Anrufer*Innen in dieser Situation sagen? Ja, natürlich, die eigenen Ressourcen aufspüren und nützen! Und das sollte eine Priorität behalten während meiner „einsamen“ Tage, die sich in der Folge gar nicht so einsam anfühlten! Schon sehr bald zeigte sich, dass die sozialen Kontakte auf allen möglichen Kanälen ein wahrer Schatz waren und sind! Als besonders wertvoll, bereichernd und unterstützend erlebe ich die regelmäßigen Telefonate außerhalb der Dienstzeiten mit mehreren Telefonseelsorge Kolleg*Innen! Ja, wir sind ein starkes, verlässliches und kompetentes Team! Jetzt, wo die Rollen vertauscht sind, kann ich mich einmal mehr davon überzeugen! Das macht mich dankbar!

 

Dieser Reichtum trägt wesentlich dazu bei, dass ich wirklich SEHR ZUFRIEDEN in meiner Quarantäne lebe und dass es auch an Leichtigkeit, Heiterkeit und Humor nicht fehlt!

 

Natürlich, als Frau die versucht über den Tellerrand zu schauen und für die die spirituelle Ausrichtung ein fundamentaler Bestandteil eines sinnerfüllten Lebens ist, nehme ich mir Zeit und nütze sie, um all die vielen Anliegen, die augenblicklich die ganze Menschheit bewegen, stellvertretend in mein vertrauensvolles Gebet einzuschließen!

 

Und was ist mit Aufräumen, Ordnung machen, lange schlafen? Ersteres will nur zögerlich gelingen, es zieht sich!


Und schlafen? Es ist verrückt: Jetzt wo ich jede Menge Zeit hätte: Prompt bin ich morgens zeitig wach, hellwach! Keine Müdigkeit! Es ist wie es ist!

 

Das Leben geht weiter! Ich bin um eine Erfahrung reicher und stelle fest: Was anfangs nach verlorener Zeit aussah, entwickelt sich durchaus als Bereicherung und gibt mir einen völlig neuen Blick auf eine Situation, auf die ich anfangs gerne verzichtet hätte!

 

L.G. (73 Jahre)

Telefonseelsorge
Stephansplatz 6
1010 Wien
T 142

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