Thursday 9. February 2023
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Ankommen in Kenia

Gilian und Günter Woltron traten im Juni einen für zwei Jahre geplanten Einsatz in der Partnerdiözese Lodwar im Nordwesten Kenias an. Ihre ersten Eindrücke ...

Weisheiten aus Kenia: Keine Koffer ziehen

„Relax. Entspann dich!“, meinte Franz, der Regionaldirektor für Ostafrika im Rahmen unseres Einsatzes für Entwicklungszusammenarbeit und zugleich weltlicher Ordensbruder der Franziskaner. Wahrscheinlich hat er von dort seine Entspanntheit, vermutete ich. Unser Flug von Nairobi, der Hauptstadt Kenias, zu einem Regionalflughafen im Bundesland Turkana war laut mündlicher Auskunft um eine Stunde verspätet. Das kann man locker in einem netten Kaffeehaus im Flughafen wegstecken. Was mich irritierte, war, dass der Flug auf keiner Infotafel angezeigt wurde, so als gäbe es ihn nicht.

„Nervös werden ist sinnlos, wenn die Situation außerhalb deiner Kontrolle liegt.“ Franz ließ wieder seine langjährigen Aufenthalt in Afrika durchblitzen und legte sogleich eine weitere Prise Weisheit nach: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn du daran ziehst.“ „Aha“, dachte ich, „eine der legendären Massai-Weisheiten“. Ich übersetzte: Der Flieger kommt nicht eher, wenn ich an den Koffern ziehe.

Zwei, drei Stunden nicht am Koffer zu ziehen kann ganz schön anstrengend sein. Hier hilft auch ein vollmundiger Massai-Kaffee nicht weiter. Dieser regt jedoch zum Philosophieren an. Zeit scheint ein dehnbarer Begriff zu sein. Wir bestimmen Zeit nach dem Ziffernblatt von Uhren oder einer digitalen Anzeige auf Handys. Es gibt jedoch Kulturen und Länder, wo der Zeitbegriff sich nach passenden Umständen definiert. Die „rite taim“ in Papua-Neuguinea oder die „auspicious time“ oder gottgefällige Zeit in Indien orientieren sich nach dem idealen Moment. So kann dieser Zeitpunkt für eine Busfahrt oder ein Geschäftstreffen nicht die Zeit nach Fahrplan sein, sondern der Zeitpunkt, wenn alle unsichtbaren Puzzlestücke passen. Die Personen, die dabei involviert sind, scheinen genau zu wissen, wann dieser richtige Zeitpunkt stattfindet.

Während wir über Verspätungen lästern, sehen andere Perspektiven dies als „Verfrühung“ an. Der Islam wiederum kann Verspätungen eine göttliche Intervention deuten. „Al Mu'akhkhir“, ein Name Gottes, ist der Verzögerer, derjenige, der etwas zurückhält, um es an seinen richtigen zeitlichen Platz zu bringen.

Ob wir Zeuge einer Verfrühung oder einer Verspätung geworden sind, ist schwer zu beurteilen. Lange nach dem planmäßigen Abflugtermin erschien unser Flug auf dem Schirm und wir konnten unseren Flieger besteigen – ohne an unseren Koffern zu ziehen.

Text: Günter Woltron

Gilian und Günter Woltron traten im Juni einen für zwei Jahre geplanten Einsatz im Rahmen der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (EZA) in der Diözese Lodwar im Nordwesten Kenias an. Gilian Woltron soll die Diözese dabei unterstützen, das Personalmanagement der über 600 Mitarbeiter/innen zu verbessern, eine Abteilung für Human Resources aufzubauen und grundlegende Kenntnisse in diesem Bereich an die lokalen Mitarbeiter/innen vermitteln, während ihr Ehemann Günter den Auftrag hat, die bestehenden Wirtschaftsbetriebe der Diözese weiterzuentwickeln und Kenntnisse im Bereich der Unternehmensführung an die lokalen Mitarbeiter/innen zu vermitteln.

Pastoralamt der ED. Wien Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit
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