Thursday 4. June 2020
Evangelium von heute Mk 12,28b-34 Ein Schriftgelehrter hatte ihrem Streit zugehört; und da...
Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab.
Joh. 3,16
Namenstage Hl. Christa, Hl. Filippo Smaldone, Hl. Quirinus, Hl. Werner von Ellerbach
Gott sagt »Du« zu uns. Wir finden ihn nur, wenn auch wir zu ihm »Du« sagen.
(Hl. Johannes Paul II.)

Sambia: Leben mit der Krise

Von einer uns bekannte Katechistin, die seit vielen Jahren in der Evangelisation tätig ist und die namentlich nicht genannt werden möchte, erreichte uns dieser Tage ein ergreifender und gleichzeitig ermunternder Bericht über die Covid-19-Situation in Sambia.

Sie schreibt:

 

Vorweg: Es geht uns gut mit den Opfern,  die Gott uns in dieser Zeit abverlangt, sind doch seine Gnaden, die er schenkt, um vieles  größer. Für meine Begriffe hat Gott das Heft in die Hand genommen: Ihr bleibt jetzt mal in Ruhe, ausrasten, nicht hetzen, nachdenken, meditieren, jetzt evangelisiere ich, es geht auch ohne euch, still sein und kapieren: „Ich bin Gott!“.

Ich denke, in Sambia - und wohl auch in anderen Teile Afrikas - sind wir in einer besonderen Situation: einen totalen Shutdown kann es nicht geben. Die Regierung hat zu wenig Geld, um die Armen mit Lebensmitteln zu versorgen, oder gar Barmittel zur Verfügung zu stellen, so  wie die meisten europäischen Länder das tun. Geht eine Frau nicht auf den Markt, um ihre fünf Tomaten zu verkaufen, wird sie abends kein Geld haben, um ihre Kinder mit Mais zu sättigen. Jugendliche werden weiter ihre Wurst zentimeterweise auf der Straße verkaufen, weil sie sonst hungern. Sie müssen raus! Außerdem kann man nicht eine ganze Familie in ein kleines Haus stopfen, ohne Wasser, ohne Strom. Es käme in Kürze zu Aufständen, wie es in einigen Ländern in Afrika bereits passiert.

Die Grenzen können und werden hoffentlich auch nicht geschlossen. Sambia ist ein Binnenland. Geschlossenen Grenzen hätten fatale Folgen: Es gäbe bald keinen Treibstoff im Land (kommt auf der Straße aus Tansania); somit könnten keine Güter (Kupfer, Holz, Lebensmittel) mehr zu und von den Häfen transportiert werden. Die Wirtschaft würde sehr rasch kollabieren.
Dabei gibt es schon so viele hausgemachte Probleme, wie z. B. 10-12 Stunden pro Tag keine Elektrizität. Angeblich wegen zu wenig Regen (was ich nicht glauben kann). Die Wahrheit dürfte viel mehr bei den minderwertigen Maschinen zur Stromerzeugung liegen, die China dem Land „geschenkt“ hat. Sie überhitzen rasch und müssen abgeschaltet werden.

Glencore*) (beschäftigt 11.000 Minenarbeiter) will eine der großen Kupfermine zusperren. Was das heißt, weiß man in Sambia nur zu genau. Es ist derzeit einfach nicht rentabel Kupfer abzubauen. Der Preis ist im Keller, und der Transport wird immer schwieriger. Jeder LKW-Fahrer muss, sobald er in ein anderes Land einfährt, zwei Wochen in Quarantäne; bei der Rückreise dasselbe.

Es wird viel Öffentlichkeitsarbeit geleistet, viel an Information weiter gegeben. Tests werden für meine Begriffe aber viel zu wenige durchgeführt: bis jetzt 60 bis 70 pro Tag, heute zum erste Mal 600. Wie soll "social distancing" möglich sein, bei den Wohnverhältnissen die hier herrschen, wie soll "personal hygiene" - sprich: Hände waschen - möglich sein, wenn es kein Wasser gibt? Positiv Getestete werden in Spitäler gebracht, Kontakte eruiert, isoliert, am einzig offenen Flughafen wird gescannt. Sonst: Masken, Distanz halten, daheim bleiben. Ich meine, dass es die Regierung nicht leicht hat und in der schwierigen Situation umsichtig handelt, so weit möglich.
Gott gibt es ja auch noch und alles betet, dass der Sturm vorüber geht (derzeit über 60 positiv, 3 Tote).

Wir haben das Bildungshaus geschlossen, sind aber mit vielen in Kontakt via SMS. Um zu Hause Ostern mit der Familie feiern zu können, haben wir für jeden der drei heiligen Tage ein Programm für eine Hausliturgie gemacht und mehr als 4000 Kopien davon auf schwierigste Weise verteilt. Die Mühe hat sich gelohnt, die Leute waren begeistert. Jetzt schicken wir jede Woche Bibelstellen aus, sodass die Brüder einmal pro Woche Daheim eine Bibelarbeit machen können (alle zur selben Zeit, damit Gemeinschaft ein bisschen bestehen bleibt). Samstag schicken wir die Lesungen vom Sonntag per SMS aus und laden zu einer Hausliturgie mit den Kindern ein. Auch das wird sehr, sehr gerne angenommen. Wir evangelisieren einfach, weil wir da sind. Ob ich je nach Österreich fahren kann bis zum Sommer, bezweifle ich. Obwohl es vom Außenministerium großartige Möglichkeiten dazu gegeben hätte. Ich will die Menschen hier aber nicht allein lassen.

 

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Kirche lebt vor allem in den Familien. Gotteshäuser sind geschlossen. Dreimal täglich wird eine Messe im Radio (für die, die Radio haben) gesendet. Interessanterweise gibt es keinerlei Kritik an den kirchlichen Maßnahmen. „Wir wollen zur Kommunion“, „die Bischöfe können die Kirche nicht zusperren, wenn Geschäfte offen sind“ - nichts dergleichen. Kirche ist für die Menschen hier wie eine Mutter, die sich sorgt. Wenn es auch schmerzt, alle akzeptieren die Entscheidungen und tragen sie mit.

Ich grüße Euch ganz herzlich und wünsche Euch und mir, dass der Auferstandene sich zeigt, und wir ihn auch erkennen!

 

Redigiert und erstellt von: R. Reisenauer, Referat Weltkirche und EZA, Mai 2020

 

 


*) Die Glencore plc ist die weltweit größte im Rohstoffhandel tätige Unternehmensgruppe. Ihr operativer Hauptsitz befindet sich in Baar in der Schweiz. Der Konzern befand sich bis Mai 2011 vollständig im Privatbesitz des Managements und von Mitarbeitern in Schlüsselpositionen. Seit dem Börsengang an der London Stock Exchange 2011 werden Glencore-Aktien öffentlich gehandelt.

 

Glencore ist umsatzmässig vor Vitol das größte Unternehmen der Schweiz. Direkt oder indirekt werden rund 62.000 Mitarbeiter beschäftigt, von denen 60.000 an über 19 Standorten in 12 Ländern die industriellen Aktivitäten ausführen; für das Marketing sind etwa 2.000 Mitarbeiter in über 40 Ländern zuständig.

 

Mit einem Umsatz von 205,4 Milliarden US-Dollar, bei einem Gewinn von 5,8 Mrd. USD, steht Glencore laut den Forbes Global 2000 auf Platz 64 der weltgrößten Unternehmen (Stand: Jahr 2017). Quelle: Wikipedia

Pastoralamt der ED. Wien Referat für Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit
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