Monday 21. September 2020
Evangelium von heute Mt 9,9-13 In jener Zeit sah Jesus einen Mann namens Matthäus am...
Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.
Mk. 1,11
Namenstage Hl. Matthäus, Debora, Hl. Wulftrud, Jona, Hl. Landelin von Ettenheimmünster
"Der Mensch ist von Gott nie weiter entfernt als ein Gebet."
Mutter Teresa

Tabea Strich: Mein 2. Bericht aus Indien

Vijayawada, August 2019.  Es sind nun schon sechs Monate her, seit ich mein trautes Heim in Österreich verlassen habe und mit Volontariat bewegt nach Indien gekommen bin. Ja, es kommt mir vor wie sechs Monate und nein, die Zeit ist nicht verflogen, aber mittlerweile will ich davon keinen Moment missen.

Was ist inzwischen passiert.

Sehr viel. Ich war zwei Mal auf Urlaub in den Bundesstaaten Tamil Nadu und Goa. Wir haben alle alten VolontärInnen (neun an der Anzahl) verabschiedet und haben bereits vier neue willkommen geheißen. Wir hatten Geburtstagsfeiern, Wochenendausflüge, Hochzeiten und andere Festlichkeiten (Ganeshs Geburtstag zum Beispiel war erst am 02.09.2019). Außerdem hatten wir einen Wechsel in der Projektleitung und auch ich hatte einen Projektwechsel.

 

Und von diesem Projektwechsel würde ich hier gerne berichten, denn so kann ich ein Fazit unter mein erstes Halbjahr ziehen und Euch einen Teil meines Indiens näherbringen.

 

Mein Projekt.

Mein Projekt Vimukthi ist ein De-Addiction (zu deutsch: Entzug) Center für Straßenkinder, Waisen und jugendliche Burschen. Durch einen geregelten Tagesablauf, eine schulische Ausbildung und tägliches Arbeiten wie Gärtnern, Kochen und Tiere hüten wird versucht, den Jungen wieder den richtigen Fokus im Leben zu geben. Ich war für den Unterricht, die kreativen Bastelstunde und die Studytime zuständig. Aber ich habe versucht den ganzen Tag mit den Jungs zu verbringen, denn so konnte ich sie auf eine ganz individuelle und besondere Art kennen lernen.

 

Was hat sich verändert über die sechs Monate.

Die Jungen sind mir wahnsinnig ans Herz gewachsen. Über die Monate hinweg haben sich mir die Burschen einerseits geöffnet, andererseits haben sie mir aber auch ihre Macken und Eigenheiten gezeigt. Zum Beispiel hatte ein Junge damit ein Problem, dass ich bei einigen Arbeiten, wie den Acker bestellen oder Kuhdung auf den Anhänger heben, mitgeholfen habe. Aber nicht, weil er fand, dass ich das nicht gut oder richtig gemacht habe, sondern weil er der Meinung war, dass eine Frau niemals schwerer arbeiten sollte als ein Mann und das hatte ich anscheinend in der Situation gemacht. Von solchen Gegebenheiten habe ich viel gelernt. Oder als mir zwei Jugendliche die indische Jugend versucht haben zu erklären und dass der lange Nagel am kleinen Finger und/oder Daumen „total im Style ist“. ????

 

So sehen Schnitzeljagd-Sieger aus
Bei der Arbeit
Auf dem Weg zum Kino

© Tabea Strich

 

Ich habe erlebt, wie meine Jungs sind, wenn sie wütend oder traurig sind. Ich habe erlebt, wie sie sind, wenn sie Angst haben oder ihnen etwas voll gegen den Strich geht. Sie sind Teil meiner indischen Familie geworden. Wir sind fünf Tage die Woche zusammen aufgestanden. Wir haben dreimal pro Tag gemeinsam gegessen. Wir hatten gemeinsamen Unterricht, gemeinsame kreative Momente und gemeinsame spielerische Einheiten. Wir hatten Tanzabende, wo alle verrückt geworden sind. Wir hatten einen Geist bei uns im Projekt und wir haben Stromausfälle gemeinsam durchgestanden. Wir haben uns 24 Stunden lang gesehen und wussten immer, was der andere macht. Wir waren stets zusammen. Und sich dann von ihnen zu verabschieden, fällt einem einfach schwer. Zu wissen, dass man sein Leben nicht mehr mit ihnen teilen kann und dass jetzt eine Veränderung vor der Tür steht und es nicht mehr so sein wird wie früher, bricht mir doch das Herz.

 

Ein Abschied. Mit guter Hoffnung und Aussicht.

An meinem letzten Tag im Projekt habe ich einen Ausflug für meine Vimukthi Jungs gesponsort. „iSmart Shankar“ lief im Kino und nach den Jubelrufen der Kinobesucher nach zu urteilen, ist dies ein Held, der laut und gern gefeiert wird. Auch habe ich den Jungs Plätze in den letzten Reihen gegönnt, denn normalerweise sitzen sie immer ganz vorne (weil da die Plätze am billigsten sind und das Geld für bessere Plätze nicht im Projekt vorhanden ist). Zweieinhalb Stunden später, der Bauch gefüllt mit Snacks und strapazierten Lachmuskeln, musste ich dann „Auf Wiedersehen“ sagen.

 

Aber nicht für immer!

 

Denn alle, bis auf zwei meiner Jungs, gehen ins RVTC (die Ausbildungsstätte für Jugendliche, wo sie Mechaniker, Elektriker oder Klempner erlernen können). Und da ich da die zweite Hälfte meines Einsatzjahres arbeiten werde, werde ich alle meine Burschen wiedersehen. Und die zwei Jüngsten, die noch im Vimukthi sind, gehe ich einfach besuchen - und das ist schon zwei Mal seit meinem Wechsel passiert.

 

Das Neue steht vor der Tür.

Nun arbeite ich in drei anderen Teilen des Großprojekt Navajeevan Bala Bhavan. Ich arbeite im Shelter (die Auffangstation für Straßen- und entlaufene Kinder), im BVK (das Ausbildungszentrum für Frauen) und im RVTC. Aber dazu werde ich gerne mehr im nächsten Newsletter berichten.

 

Wenn Ihr mich in meiner Arbeit im Projekt unterstützen wollt, dann könnt Ihr dies gerne tun und eine Spende an mich überweisen [Mein Spendenkonto bei JEW DB Aktion Österreich Volontariat*: RLP Tirol 600.024.000, BLZ 36.000; IBAN: AT39 3600 0006 0002 4000; BIC: RZTIAT22; Spendenzweck: 6132 Volontariatsprogramm Tabea Strich; *steuerlich absetzbar].

 

Und wenn Ihr mehr Interesse an mir und meinem Volontariatsjahr habt, dann könnt Ihr Euch weiter unter meinem Blog https://rike-in-indien.webnode.at/ belesen. Hier versuche ich meine Leser über die aktuellen Geschehnisse auf dem Laufenden zu halten.

Pastoralamt der ED. Wien Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit
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