Tuesday 28. January 2020
Evangelium von heute Mk 3,31-35 In jener Zeit kamen die Mutter Jesu und seine Brüder; sie...
Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.
Joh 4,19
Namenstage Hl. Thomas von Aquin, Hl. Irmund, Hl. Josef Freinademetz, Karoline Barbara...
"Maria, meine liebste Mutter, gib mir Dein Herz, so schön, so rein, so unbefleckt, so voll Liebe und Demut."
Mutter Teresa
Papua-Neuguinea

Papua-Neuguinea – Einsatz und Erlebnis

Papua-Neuguinea („PNG“) ist ein fantastisches Land: von palmengesäumten Stränden bis in 4.000 Meter hohe Bergmassive, mit herzlichen Menschen, die von Weitem „Moning“ oder „Apiniun“ rufen und die Begrüßung mit einem Händedruck, wenn nicht einer Umarmung bekräftigen wollen. Eine solche Vielfalt in der Pflanzen- und Tierwelt gibt es auf so engem Raum kaum irgendwo sonst auf der Welt: allein über 30 Varianten des Paradiesvogels, die größten Salzwasser-Krokodile, farbenprächtigste Schmetterlinge – aber auch Vielfalt der Menschen und Kulturen: Mehr als 800 Völker mit ebenso vielen eigenständigen Sprachen sollen bisher identifiziert worden sein, unter 7,5 Millionen Einwohnern, die zu 85 % in dünner Besiedelung (14 Einwohner pro km2) auf dem Land, d.h. im Tropenwald des Tief- und Hochlands, sowie auf den vielen Inseln  wohnen – meist immer noch in den typischen spitzgiebeligen, einstöckigen Häusern aus Buschmaterial.

 

PNG ist ein unglaublich fruchtbares Land; fast alles wächst in den Gemeinschaftsgärten der Familien bzw. Clans auf dunklen vulkanischen Böden, und zwar das ganze Jahr über. PNG hat zudem viele Rohstoffe, die exportiert werden, von Erdöl, Erdgas bis zu Kupfer, Nickel und Gold, von Tropenholz über Kopra (aus Kokosnuss) und Palmöl bis zu Kaffee und Kakao. Und dennoch, in unseren Begriffen und Messungen ist PNG – direkt neben einem der reichsten Länder der Welt: Australien – ein sehr armes Land. Das Bruttonationaleinkommen pro Kopf beträgt 2.020 US-$ im Unterschied zu 50.390 US-$ in Österreich.

 

 

Viel Land wird von den Kirchen genützt, die Missionsstationen erhielten es bei ihrer Gründung in Langzeitpacht vom Staat, doch fehlt es diesen oft an Personal und Fachwissen – gleichzeitig aber auch zunehmend an Verständnis bei Förderstellen, weshalb soviel Spendengelder in ein von der Natur so privilegiertes Land fließen müssen. Die Situation der Erzdiözese Mount Hagen spiegelt die Problemlage im Land: Große Teile der landwirtschaftlichen Flächen liegen brach, werden teilweise von Nachbarn besetzt und illegal bewirtschaftet. Gleichzeitig reicht das Geld für die Erhaltung der Kirchen, Pfarrhäuser, Schulen und Krankenstationen hinten und vorne nicht. Wegen jeder kleinen Anschaffung oder Reparatur kommen die Priester zum Bischof um Geld.

 

Die klare Zielsetzung von Erzbischof Douglas Young S.V.D. ist „Self-reliance“, d.h. die finanzielle Unabhängigkeit der Pfarrgemeinden durch die effektive Bewirtschaftung der Flächen, aber auch erhöhte Einkommen in den Dörfern, die zu mehr als den derzeit meist nur 5 – 10 Euro Opfergeld in der Sonntagsmesse führen. Benötigt werden dafür landwirtschaftliches Fachwissen und Absatzkanäle, d.h. konkret Transportwege und -mittel zum Verkauf der Produkte außerhalb der – oft sehr abgelegenen – Ortschaften.

 

Mein Freiwilligen-Projekt, das von Voluntaris organisiert und von der Österreichischen Botschaft in Canberra mit € 2.500 unterstützt wurde (für meine persönlichen Auslagen kam mir die Erzdiözese Wien dankenswerter Weise zu Hilfe), hatte zum Ziel, eine Plattform zu schaffen, auf der sich die Pfarrer in landwirtschaftlichen Fragen austauschen können – neben den bestehenden Gremien für Bildung, Gesundheit und Pastorales. In einer ersten Erhebung, die mich in alle Pfarren – auch jene, die nur zu Fuß über steile Bergpfade zu erreichen sind – führte, stellte ich große Unterschiede in der Art und Intensität der Bewirtschaftung des Landes fest. Drei gut besuchte Workshops – für Kaffeeanbau, Viehhaltung und Gartenwirtschaft – boten allen Pfarrvertretern Gelegenheit, von den Besten zu lernen, Fachleute zu treffen und neue Ideen für die Landnutzung zu hören – etwa wie Dürre- und Frost-resistente, lagerfähige Feldfrüchte, konkret: Kartoffeln, Reis, Weizen oder Cassava angebaut und verarbeitet werden.

 

Aufgrund des breiten Echos beschlossen wir, einen Verein eintragen zu lassen, der zu Geschäftstätigkeit berechtigt ist; Obmann wurde der dynamische Verwalter der großen Kaffeeplantage der Pfarre Fatima und ehemaliger Provinzgouverneur Philip Kapal, Geschäftsführer Samuel Yerem, Lehrer an einer landwirtschaftlichen Berufsschule der Diözese in Fatima. In ersten Gesprächen mit Obst- und Gemüsegroßhändlern zeigten diese Interesse an den Lieferungen aus den katholischen Pfarren: Sie suchen Qualitätsware aus dem Hochland für die Versorgung der Märkte in den Küstenstädten. Unsere Besuche in den Dörfern stießen auf überwältigenden Widerhall: Bis zu 300 Bäuerinnen und Bauern versammelten sich jeweils auf den Wiesen vor der Kirche, um die „frohe Botschaft“ zu hören, dass sich die Kirche nicht nur um ihr seelisches, sondern auch um ihr leibliches Wohl kümmern werde. Immer brandete spontaner Beifall auf, wenn Philip Kapal verkündete, „und ein LKW wird kommen, um euer Gemüse,  eure Bananen und Ananas abzuholen“. Mangels Fahrzeugen können diese oft nicht verkauft werden oder höchsten kleinweis auf stundenlangen Fahrten in vollgepferchten Bussen zu den Märkten in der Stadt transportiert werden, um dann dafür auch nicht mehr als ein paar Euro zu lösen.

 

Nach meiner Abreise fand bereits ein Training für Koordinatorinnen der am Programm teilnehmenden Pfarrgemeinden statt. Sie haben dafür zu sorgen, dass die Ware pünktlich gemäß Vereinbarung und in der verlangten Qualität an den Sammelpunkten angeliefert wird. Sie sollen die Kleinbauern ihrerseits schulen in zeitgemäßen Erntemethoden, Sortierung, Reinigung und Verpackung bzw. Zwischenlagerung der Ware.

 

Und sie sollen den Pfarrern eine Hilfe sein, indem sie Gemeindemitglieder ermuntern, jeweils 1/10 des Erlöses dem Pfarrer als Opfergeld zu geben – und zwar in Kina, der Landeswährung, statt wie bisher oft in Form von Krautköpfen oder lebenden Hühnern in der Sonntagsmesse –, damit der Pfarrer dann sein Benzin für die Besuche in den oft weit entfernten 10 – 20 Nebenstellen bezahlen kann, oder das neue Dach für die Kirche, ein neues Klassengebäude für die Kinder des Dorfs.

 

Vielleicht kommt es ja tatsächlich so weit, wie Philip Kapal in seinen Reden forderte, dass eines Tages die Pfarrmitglieder ihren Priester unterstützen, dass dieser seinen Bischof und letzterer „Rom“ unterstützen kann – und nicht umgekehrt wie derzeit –, dass Papua-Neuguinea nicht mehr von Missionsgeldern abhängig ist und dass es ein nicht nur fruchtbares, sondern auch reiches Land mit glücklichen Menschen ist...

 

Hermann Hagspiel

Pastoralamt der ED. Wien Referat für Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit
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1010 Wien

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