Freitag 19. Oktober 2018
Evangelium von heute Lk 12,1-7 In jener Zeit strömten Tausende von Menschen zusammen, so...
Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.
Mk. 1,15
Namenstage Hl. Jean de Brébeuf, Ordensmann, Priester, Missionar, Märtyrer, Hl. Paul vom...
„Leisten wir dem Heiligen Geist keinen Widerstand, sondern nehmen wir bereitwillig sein Wirken an, das uns, die Kirche und die Welt erneuert.“
Papst Franziskus
Uganda

Patrick Niklos - Volontär in Kankobe

Patrick Niklos, Geburtsjahrgang 1985, war vom Juli bis Oktober 2017 auf einem von der Caritas Österreich organisierten Freiwilligeneinsatz in der Einsatzstelle CWAS (Child Welfare & Adoption Society) Children Home in Kankobe/Uganda. Hier sein Erfahrungsbericht:

Kankobe liegt im Südwesten von Uganda und wird nahezu vom Äquator durchschnitten. Deshalb fließt die Zeit hier an der Country Side auch ein wenig wie das Wasser – entgegen den Uhrzeigersinn. Das Leben in diesen Dörfern geht langsam vor sich. Zeit, so hört man hier oft, ist nichts, das einem davonläuft oder das gar Geld wäre, sondern schlichtweg etwas, das immer vorhanden ist. Auf den verschlungenen Wegen zum Lake Victoria begegnet man gastfreundlichen Menschen, die oft zum Scherzen aufgelegt sind oder einfach nur neugierig sind, wer man ist und was man als vermeintlicher Europäer in der afrikanischen Provinz tut. Macht man einen Spaziergang auf eben jenen Wegen, so erhält man auch einen guten Eindruck darüber, wie die natürlichen Ressourcen der Umgebung, wie Holz, Lehm oder Gestein, dazu verwendet werden, um Häuser und Straßen zu bauen oder Alltagsgegenstände herzustellen. So wird etwa das hochgewachsene Gras von den Kindern zusammengesammelt um daraus kleine Besen zu basteln, mit denen die herabgefallenen Blätter der Mango- und Avocadobäume von den Wegen gekehrt werden, bis sie der nächste Wind wieder von den Zweigen weht. Die Gegensätze von Natur und Kultur werden hier als fließend verstanden – Natur und Kultur gehen ineinander über. Der Großteil der lokalen Bevölkerung besteht aus Klein- und Kleinstbauern. Kochbananen, Mais, Bohnen etc. werden hauptsächlich für die Subsistenzwirtschaft angebaut und nur die Überschüsse am Markt verkauft oder mit den Nachbarn getauscht.

 

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© Fotos: Patrick Niklos/Caritas Austria

 

Das Childrens Home, in dem ich 3 Monate leben und mithelfen durfte, liegt inmitten dieser dörflichen Savanne und ist defacto eine Mischung aus einem katholisch geleiteten Waisenhaus und einem Internat. Um die hundert Kinder wohnen, spielen, lernen und schlafen im Areal des Children’s Home. Man wird sehr schnell von den Kids angenommen und schließt sie umgekehrt auch sofort ins Herz. Leider haben viele der Kleinen aufgrund von HIV/Aids oder aus anderen Gründen ihre Eltern und/oder nahen Verwandten verloren. Das Children’s Home versucht das Fehlen der familiären Liebe durch die Geborgenheit der Gemeinschaft auszugleichen, bietet ihnen ein Dach über dem Kopf, einen Teller voll Essen sowie die Chance die Primärschulbildung in der angeschlossenen Grundschule zu absolvieren. Lesen, Schreiben und Rechnen zu können ist die Voraussetzung dafür, die eigene – leider oft etwas ungewisse – Zukunft zu gestalten.

 

Zu meinen Aufgaben zählte es am Vormittag in der Grundschule ein bis zwei Stunden den Mathematikunterricht zu unterstützen, sowie am Abend Nachhilfe zu geben. Nach der Schule stand dann vor allem Spielen, Basteln und Kreatives Lernen mit den Kleinsten am Programm. Ansonsten spielte ich viel Fußball und Netball (eine Variation aus Hand- und Basketball) und machte mich darüber hinaus im Hühner- und Kuhstall nützlich. An den Wochenenden wurde zumeist am Feld oder im Garten gearbeitet und Süßkartoffeln, Mais, Bananen etc. angebaut oder geerntet. Je nachdem ob gerade Regen- oder Trockenzeit herrschte. Auch in Kankobe macht sich der Klimawandel allmählich bemerkbar. So wurde mir von den lokalen Bauern erzählt, dass sich die kleine Regenzeit (zwischen Oktober und Dezember) bereits um ein paar Wochen nach hinten verschoben hat.

 

Nun bin ich seit knapp zwei Wochen wieder in Wien und muss sagen, dass mir bereits einige Dinge fehlen bzw. ich sie auf eine schöne Art und Weise vermissen werde.

 

Da wären zum Beispiel die Essensglocken, die genau jetzt um 13:00 läuten würden, woraufhin die Kids von der Schule ins Children‘s Home gestürmt kämen um Mittag zu essen, herumzualbern und mir von ihrem Vormittag zu erzählen.

Und natürlich fehlt mir auch das stabile sonnige Klima, gerade jetzt wo in Wien wieder die Novembertristesse einsetzt. Das Gefühl willkommen zu sein, die Heiterkeit der Menschen und natürlich die Kinder. Aber vielleicht besuche ich sie ja in einigen Jahren wieder, um zu sehen, was aus ihnen geworden ist. Mein Auslandseinsatz hat auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht und war eine äußerst spannende und lehrreiche Erfahrung, die ich keine Sekunde bereut habe. In diesem Sinne:

 

Webale Kankobe, Patrick, November 2017

Pastoralamt der ED. Wien Referat Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit
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