Sonntag 18. November 2018
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Augustinus
Uganda

Lisa Karer - Vier unvergessliche Monate in Uganda

Lisa Karer, 22 Jahre jung, aus Ried im Innkreis, absolvierte von April bis August 2018 im Rahmen der Organisation "Caritas Österreich" einen Volantatriatseinsatz in Kampala/Uganda. Lesen Sie hier ihren Einsatzbericht.

Ich habe vier Monate im Nsambya Babies Home in Kampala verbracht und möchte nun einige meiner Erfahrungen mit euch teilen. Mein Start in Uganda war ganz besonders aufregend, weil ich gleich am ersten Tag auf eine Hochzeit mitgehen durfte. Leute in Uganda heiraten immer zweimal zuerst ist die „introduction“, das ist die klassische Stammeshochzeit, wie es der Brauch ist und ein paar Monate später ist dann die richtige Hochzeit, die sehr westlich angehaucht ist. Die Hochzeit, auf der ich an meinem ersten Tag war, war die westlich angehauchte, aber trotzdem ist es doch sehr anders als bei uns. Zuerst war die kirchliche Hochzeit, die dreieinhalb Stunden gedauert hat. Danach sind wir auf eine Lichtung mitten im Wald gefahren, wo die Feier dann stattgefunden hat. Es wurde viel getanzt und viele Reden gehalten, in einer wurde ich sogar persönlich in Uganda willkommen geheißen, was mich ganz besonders gefreut hat. In Uganda sind Hochzeiten immer viel größer als bei uns, weil eine Hochzeit, auf der wenig Leute sind, heißt das Brautpaar ist unbeliebt, deshalb waren auch auf der circa vierhundert Personen. Dieser Tag war um einiges aufregender als ich mir meinen Start in Uganda vorgestellt habe

 

Am nächsten Tag ging es dann ins Babies Home. Es waren gerade Ferien, wodurch es ganz besonders aufregend war, da alle 25 Kinder den ganzen Tag da waren und sich freuten mich kennenzulernen und gemeinsam zu spielen. Im Laufe der Wochen und Monate wurde mein Umgang mit den Kindern immer vertrauter, ich fand meinen Platz im Babies Home und versuchte den Frauen, die dort arbeiten bestmöglich zu helfen. Zu meinen Aufgaben zählten vor allem das Spielen mit den Kindern. Sie zeichnen gern, hören Musik, schauen ab und zu einen Zeichentrickfilm oder spielen im Hof mit den Spielsachen, die sie haben. Am begehrtesten sind immer die „Biggies“, das sind kleine Motorräder, ähnlich wie Bobby Cars. Mit den Kleineren mache ich die ersten Schritte, die sich jedes Mal aufs Neue freuen, wenn sie einen Moment länger auf ihren Beinen stehen, als beim Mal davor. Hin und wieder habe ich mir etwas Spezielles überlegt und ihnen Dinge wie Straßenmalkreiden oder Seifenblasen mitgebracht. Vor allem anfangs ist mir die Kommunikation mit ihnen oft etwas schwer gefallen, da sie hauptsächlich Luganda, die Sprache des Baganda Stammes, sprechen und nicht Englisch. Aber auch diese Hürde habe ich mit der Zeit überbrückt und die wichtigsten Wörter und Phrasen gelernt.

 

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© Lisa Karer/Caritas Österreich

 

Außerdem habe ich jeden Tag die Zähne mit ihnen gepuzt, die Kleinsten gefüttert, sie nach dem Baden eingecremt und ihnen frische Sachen angezogen. Ich habe bei der Wäsche und beim Abwasch geholfen oder die Krankenschwester vom Waisenhaus in das Krankenhaus begleitet, wo die Babies Impfungen bekommen oder untersucht werden.

 

Das Leben in Kampala war für mich anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig, die Straßen sind oft nicht asphaltiert und viele Tiere, wie Ziegen, Truthähne, Kühe und Hühner, sind unterwegs. Aber ich habe mich schnell eingelebt, was vor allem der Herzlichkeit der Menschen in Uganda zu danken ist. Jeden Tag wurde ich von den Kindern und auch manchen Erwachsenen der Nachbarschaft herzlich begrüßt, gefragt wie es mir geht und wie es mir in Uganda gefällt. Mit der Zeit konnte ich auch wirklich gute Freundschaften schließen, von denen ich überzeugt bin sie werden noch lange halten. Die Menschen lieben es dich in ihr Leben einzubinden, so habe ich im Laufe meiner Zeit in Kampala das Leben der Einheimischen recht gut kennengelernt.

 

Außerdem habe ich auch zwei Wochen in Kankobe verbracht. Dort wohnen circa 130 Kinder, während ihrer Volksschulzeit, die in Uganda sieben Jahre dauert. Das Leben am Land ist ganz anders als in der Stadt, zum einen ist es viel ruhiger, zum anderen ist die Natur viel unberührter. So wird zum Beispiel der Busch als „garden“ bezeichnet, der auch ihre wichtigste Nahrungsquelle darstellt. Ich bin mit den Kindern jeden Tag, nachdem sie zwischen 17 und 18 Uhr von der Schule kamen, noch in den „garden“ gegangen, um Elefantengras für die Kühe zu holen, Bohnen und Mangos zu ernten oder einfach nur um ein bisschen herumzustreifen. Die Erst- und Zweitklässler sind immer schon früher von der Schule gekommen und durften nach dem Mittagessen im Heim bleiben. Dort übte ich am Nachmittag mit ihnen Englisch und Mathematik. Besonders gefreut haben sie sich, wenn ich mir mit ihnen Bilderbücher angeschaut hab und ihnen auf Englisch die Bilder erklärt habe.

 

Ganz besonders hat es mich gefreut, dass ich auch im Unterricht einer vierten Klasse dabei sein durfte. Ich war bei zwei Mathematikstunden und einer Stunde Religion dabei. Der Unterricht läuft ganz anders ab wie bei uns zuhause, da die Kinder keine eigenen Bücher haben und die Lehrerin alle Aufgaben an die Tafel schreibt, die die Kinder dann lösen müssen. Außerdem sind die Klassen viel größer, es sind zwischen 65 und 85 Kindern in einer Klasse.

 

Die Kinder haben sich sehr gefreut, dass ich sie besuchen gekommen bin und obwohl es nur zwei Wochen waren, war der Abschied nicht ganz einfach.

 

Als Abschluss möchte ich noch über meine Reisen sprechen, die ich am Wochenende unternommen habe. Uganda ist ein relativ sicheres Land, so war es auch kein Problem die eine oder andere Reise übers Wochenende allein zu unternehmen. Deshalb war es mir möglich jede Woche einen anderen Kurztrip zu machen und mir das ganze Land anzuschauen. Ich war im Osten bei den Kaffeebauern, dem trockenen Norden, wo die Menschen nach wie vor in Grashütten leben, dem bergigen Westen und am Ursprung vom Nil. Ich habe mir sogar einen riesen Kindheitstraum erfüllt und bin mit meiner Familie auf Safari gefahren und wir hatten das riesen Glück einen Löwen zu sehen!

 

Alles in allem habe ich in den vier Monaten extrem viel gelernt, über eine andere Kultur, über mich selbst und natürlich ganz viel über den Umgang mit Kindern, die sich doch überall auf der Welt ähnlich sind. Ich kann jedem, der sich einen Einsatz überlegt, Uganda aus tiefstem Herzen weiterempfehlen und wünsche euch eine so schöne Zeit im Ausland, wie ich sie gehabt habe!

Pastoralamt der ED. Wien Referat Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit
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