Samstag 15. Dezember 2018

Die Samen des Evangeliums in die Herzen der Menschen säen

Beim 3. internationalen Treffen der Chöre im Vatikan hielt Mag. Konstantin Reymaier am 22. November 2018, dem Gedenktag der Hl. Caeclia einen viel beachteten Vortrag  über das Verhältnis von Pastoral und Musik. 

EIN NEUES PASTORALKONZEPT MIT MUSIK

 

 

Herzlichen Dank für die Einladung. Es ist mir eine große Freude und eine große Ehre, hier zu Ihnen über Musik und Pastoral zu sprechen. Gestatten Sie, dass ich mich kurz vorstelle:

Ich heiße Konstantin Reymaier, bin Musiker und seit neun Jahren Priester. Vor meiner Weihe war ich als Musiker tätig. Ich war Organist und Chorleiter an verschiedenen Pfarrkirchen, habe viele Konzerte gespielt und an einigen Universitäten unterrichtet. Immer wieder machte ich die Erfahrung, wie Menschen durch die Berührung mit Musik ein Interesse am christlichen Glauben bekommen. Das hat mich fasziniert und ich habe begonnen, über den Zusammenhang von Musik und christlichen Glauben nachzudenken. Aus meinen Erfahrungen habe ich einige Schlüsse gezogen, über die ich Ihnen heute erzählen möchte.

 

 

 

I. AUS DER ERFAHRUNG

 

 

Zunächst möchte ich Ihnen einer grundlegenden Erfahrung berichten, die mich bis heute prägt: vier Jahre habe ich in Oxford gelebt. Am Mansfield College der Universität Oxford war ich als Musikdirektor tätig. Dort habe ich musiziert und gelehrt. Dann sprach mich ein anglikanischer Pfarrer an, ob ich nicht auch an seiner Kirche regelmäßig die Musik leiten könnte. Es war eine bekannte Kirche, weil C. S. Lewis immer dorthin gegangen ist. Aber seit den Tagen dieses großen Schriftstellers ist der Gottesdienstbesuch immer geringer geworden. Ein neuer Pfarrer kam und der meinte, die Musik sei in der Liturgie ein ganz zentrales Element. Deshalb wollte er einen Musiker. Ein Freund empfahl mich und so kam ich dorthin. Meine Mittel waren begrenzt: ich hatte einen Chor mit neun Leuten: vier Senioren und fünf kleine Mädchen zwischen acht und zehn Jahren. Sie können sich vermutlich vorstellen, dass diese Mischung nicht optimal war. Die Senioren aber waren sehr klug und haben angeboten, künftig im Abendgottesdienst zu singen. Im Hauptgottesdienst sollten die Kinder singen. Das fand ich großartig und bis heute habe ich großen Respekt vor diesen vier Menschen. Um anderen den Vortritt zu lassen, braucht es menschliche Größe und viel geistliche Kraft!

Wir haben einige Sonntage in dieser Formation musiziert. In der anglikanischen Tradition besteht die Hauptaufgabe des Chores darin, den Gesang der Gemeinde zu leiten. Zusätzlich haben wir ein oder zwei Stücke solistisch gesungen: mal ein Werk aus dem 17. Jahrhundert, mal Musik aus Taizé oder auch etwas Modernes. Nach einiger Zeit kam ein kleiner Bub auf mich zu und fragte, ob er auch im Chor mitsingen könne. Zuerst hatte ich etwas Sorge, wie das wohl gehen wird: fünf ältere Mädchen und ein wirklich kleiner Bursche. Aber die Mädchen waren so nett zu ihm, dass er einen Freund mitbrachte. Nach und nach kamen mehr Kinder. Mit den Kindern kamen auch die Eltern. Einige von den Eltern begannen im Chor zu singen und brachten wieder Freunde mit. Die Kirche füllte sich zunehmend und nach zwei Jahren waren statt 60 Personen 250 Personen im Gottesdienst. Das war nicht die Bekehrung Oxfords, aber bei einigen Menschen ist das Interesse an Christus gewachsen und darauf kommt es doch an!

Kann man nun sagen, wie das funktioniert? Es funktioniert nicht, wie in der Technik. Es geht nicht automatisch, weil letztlich Christus und nicht wir Menschen das Wachstum ermöglichen. Aber ich denke, es gibt einige Faktoren, wie wir das Wachstum begünstigen. Meine Erfahrung in Oxford hat mich einiges gelehrt und darüber will ich nun sprechen.

 

 

II. DAS GEBET

 

An erster Stelle nenne ich hier das persönliche Gebet. Das scheint mir der wichtigste Faktor zu sein. Schon damals habe ich mich um ein regelmäßiges Gebetsleben bemüht. Nicht nur im Gottesdienst habe ich gebetet, sondern auch privat. In meinem persönlichen Gebet habe ich auch für den Chor und für die Gemeinde gebetet. Auch der Pfarrer war ein sehr geistlicher Mensch und führte ein regelmäßiges Gebetsleben. Ich glaube, dass hier eine ganz wichtige Wurzel für die Entwicklung dieser Gemeinde gelegen hat. Menschen spüren, ob jemand betet oder nicht. Davon bin ich ganz überzeugt. Man spürt, ob jemand sich um seinen Glauben bemüht, oder nicht. Das habe ich übrigens aus der Musik gelernt: wenn ich ein schlechtes Konzert spiele, dann spüren das alle im Publikum – wirklich alle! Manche mögen nicht wissen, warum es schlecht war. Um das zu sagen, braucht es eine Fachkenntnis. Aber spüren tut es alle im Publikum. Ich denke, dass es im geistlichen Bereich ganz genauso ist: wenn ich nur fromm rede, merken das die Leute. Und sie nehmen mich nicht ernst. Sie nehmen es auch dann nicht ernst, wenn ich Dinge sage, die theologisch richtig sind.

Deshalb glaube ich, dass ein sachlich richtiges Konzept zu wenig ist. Im deutschsprachigen Raum werden alle paar Jahre neue pastorale Konzepte entwickelt. Sie kommen und gehen. Wirklich viel geändert hat sich meiner Beobachtung nach nicht. Deshalb glaube ich, dass jedes pastorale Konzept vor allem an einer Stelle ansetzen muss: bei dem Bemühen um das eigen geistliche Leben.

Es fasziniert mich, wie viele der Wüstenväter oder auch der Heilige Benedikt sich zurückgezogen haben, um mit Gott alleine zu sein. Sie haben sich versteckt um alleine Gott zu suchen und trotzdem wurden sie von den Menschen gefunden. Deshalb bin ich davon überzeugt: Wenn wir uns nicht um ein geistliches Leben bemühen, werden uns die Leute nicht glauben. Mein eigener Glaube wird nicht in die Tiefe wachsen und die Menschen werden das merken.

 

 

 

III. DIE VIELFALT

 

 

Ein zweiter wichtiger Faktor war die Vielfalt der Musikrichtungen. In meiner Oxforder Kirche haben wir eine große Vielfalt von Musik verwendet. Vielfalt ist sehr wichtig. Häufig erlebe ich große Diskussionen darüber, welche Musik die „richtige“ ist oder welche Musik die Menschen in die Kirche bringt. Man vergisst in diesen Diskussionen schnell, dass Musik nicht automatisch wirkt. Leider sind Diskussionen um Musik oft sehr emotionell und das ist keine gute Voraussetzung, um klar zu denken. Im Gegenteil: ich bin in meiner eigenen Emotion gefangen und glaube, was mich begeistert muss auch alle anderen begeistern. Das aber ist Ideologie. Sie führt zu Uniformität und damit zu einem totalitären Denken. Wenn wir dem nachgeben, werden wir viele Chancen verpassen. Weil wir dem oft nachgeben, verpassen wir tatsächlich viele Chancen.

Oft höre ich das Argument: Freikirchliche Worships-Songs, Lautsprecher und viel Technik würde die Jungend begeistern. Das scheint richtig zu sein: Wir haben im Stephansdom ein Gebets-Event mit dreitausend Menschen gehabt. Das war beeindruckend! Aber man müsste auch ehrlich sein und sagen: die Bekehrung Wiens ist es nicht. Dreitausend Menschen kommen jeden Sonntag in den Dom. Etwa zweitausend Menschen gehen in Wien jeden Sonntag in eine Kirche, in der eine klassische Wiener Messe mit Chor und Orchester aufgeführt wird. Dort wird Musik von Haydn, Mozart oder Schubert gespielt. Nun sagen viele, diese Menschen wären bloß an einem gratis Konzert interessiert. Das ist möglich – aber ich halte diese Behauptung trotzdem für absurd oder eigentlich für vermessen. Wir jammern, dass die Kirchen immer leerer werden und suchen nach Wegen zur Mission. Hier kommen Leute in die Kirche und es ist uns schon wieder nicht recht, weil wir diese Menschen nicht für fromm halten. Das ist wirklich absurd! Wer kann die Gedanken anderer Menschen lesen? Besteht hier nicht eine große Chance zur Verkündigung? Man müsst sich doch darüber freuen, dass so viele Menschen da sind! Diese Chance müsste man doch nutzen!

Ich glaube, Chancen zu sehen und zu nutzen ist leichter, wenn man sich daran erinnert:  Was mich begeistert, muss nicht gleich alle anderen begeistern. Deswegen ist Vielfalt ganz wichtig; nicht allen Menschen gefällt das gleiche, nicht alle brauchen das Gleiche. In der katholischen Kirche gibt es ganz unterschiedliche geistliche Traditionen und Wege: Es gibt den Hl. Benedikt, den Hl. Franziskus, den Hl. Ignatius von Loyola, den Hl. Charles von Foucault und viele andere. Unterschiedliche Menschen brauchen eben unterschiedliches. Die Vielfalt ist notwendig; sie macht unsere Welt, unser Leben schön und bereichert es.

Die Musik zeigt übrigens, dass Vielfalt und Einheit keine Gegensätze sind: jedes Musikstück besteht aus vielen Tönen und unterschiedlichen Stimmen. Jeder Ton, jede Stimme ist wichtig. Musik entsteht erst, wenn unterschiedliche Töne und unterschiedliche Stimmen zusammen kommen.

 

IV. ZWEI KRITERIEN GEISTLICHER MUSIK

 

 

Vielfalt ist wichtig. Vielfalt ist aber nicht Beliebigkeit. Nicht alles ist gleich gut. Manche Musik ist besser geeignet, um den Samen des Evangeliums in die Herzen der Menschen zu säen. Also stellen wir die Frage: Gibt es Kriterien dafür? Gibt es Kriterien für gute geistliche Musik?

Ich glaube, man zumindest zwei Kriterien nennen. Das erste Kriterium sehe ich in der Frage, ob Christus meditiert wird und nicht bloß ein religiöses Gefühl. Das zweite Kriterium besteht für mich darin, ob Musik ins Gebet führt oder nicht. Diese beiden Kriterien treffen, wie ich meine, auf alle musikalischen Stilrichtungen zu.

 

 

(1) WIRD CHRISTUS MEDITIERT?

 

 

Geistliche Musik muss die Botschaft des christlichen Glaubens verkünden. Geistliche Musik ist Verkündigung. Das halte ich für ein ganz zentrales Kriterium. Man sollte dieses Kriterium nicht auf die leichte Schulter nehmen. Geistliche Musik muss einen Inhalt haben, und dieser muss sich auf Christus beziehen; das Wort Gottes soll meditiert und gedeutet werden. Hier sollten wir aufpassen und fragen: wird wirklich das Wort Gottes zum Klingen gebracht, oder besinge ich vielleicht nur mein eigenes Gefühl? Auch wenn dieses Gefühl fromm ist, so ist es nur mein eigenes Gefühl und das ist kein Kriterium für eine echte Hinwendung zu Christus.

Wenn ich nur singe „Jesus I love you…“ dann ist das sicherlich schön; aber es sagt wenig darüber aus, wer Jesus ist oder worin meine Liebe zu ihm besteht. Vielleicht ist es am Ende nur ein Verliebt-Sein. Verliebt zu sein ist wunderschön. Aber es ist ein Gefühl, das mehr über mich selbst sagt, über meine eigenen Wünsche und Sehnsüchte als über die Person, die ich lieben will. Wenn sich eine Beziehung entwickeln soll, dann muss aus dem Verliebt-sein Liebe werden: das bedeutet, ich muss die andere Person um ihrer selbst willen lieben; ich muss sie kennen lernen; ich muss lernen sie so zu akzeptieren, wie sie ist. Erst dann kann echte Liebe wachsen – eine Liebe die in die Tiefe geht; eine Liebe, die auch in Zeiten der Krise tragfähig ist.

In der Frage nach dem Verhältnis von Musik und Pastoral, von Musik und christlichem Glauben stehen wir meines Erachtens genau vor diesem Problem: es gibt viele Menschen, die suchen, die an Christus interessiert sind und die sich durch Musik öffnen. Die Musik hat ein großes Potential, weil sie uns emotional öffnet. Sie öffnet uns, weil sie unser ganzes Wesen in Anspruch nimmt: um zu Singen, brauche ich meine Lunge und meine Stimmbänder; ich brauche meinen Verstand und auch meine Emotion. Musik aktiviert meinen ganzen Körper, sie durchdringt meinen ganzen Leib. Deshalb ist das Singen für uns Christen auch so wichtig: Christus will nicht nur einen Teil unseres Lebens; ein paar fromme Gedanken genügen ihm nicht. Er ist an unserem gesamten Leben interessiert; er sucht unsere Hinwendung – dass aus unserem anfänglichen Interesse und Verliebt-sein echte Liebe wird. Das wird nicht möglich sein, wenn ich bei meiner Emotion stehen bleibe.

Weil Musik uns mit unserem ganzen Wesen in Anspruch nimmt, macht es auch einen Unterschied, ob wir unser eigenes Gefühl besingen oder ob wir Christus besingen: Kreisen wir bloß um uns selbst und um unsere eigenen Gefühle, oder wende ich mich wirklich Christus und seinem Wort zu? Hier sehe ich ein ganz wichtiges Kriterium dafür, ob unsere Musik geistliches Potential hat oder nicht.

Wir können dieses Kriterium auch noch biblisch begründen: die Bibel kreist nie um allgemeine Emotionen. Sie ist immer konkret. Deshalb enthält sie so viel historische Geschichte. In den Taten der Menschen zeigt sich, ob sie Gott suchen oder nicht. In dem was Jesus Christus tut, zeigt sich die Liebe Gottes und damit Gott selbst: und diese ist immer konkret – so konkret, dass Gott selbst Mensch wird. Was Jesus tut ist für unseren Glauben das Kriterium. Die Tat ist übrigens das einzig objektive Kriterium. Alle Gefühle, alle Worte, können wahr sein – oder auch nicht. In der Tat zeigt sich, ob unsere Worte wahr sind oder nicht. Deshalb gilt: das Tun Jesu, seine Liebe bis zum Tod ans Kreuz sind unser konkreter Maßstab. Diese Konkretheit muss sich in geistlicher Musik wiederspiegeln.

 

 

(2) FÜHRT MUSIK INS GEBET?

 

 

Musik hat mit Emotion zu tun. Deshalb hat Musik ein großes Potential, Menschen zu öffnen. Wofür soll sie uns öffnen? Für Christus – deshalb muss sie Christus besingen. Das haben wir im ersten Kriterium gesehen. Fragen wir also weiter, wie geistliche Musik öffnet. Inhalte zu besingen alleine, genügt nicht. Dazu braucht man keine Musik. Christliche Inhalte kann man sich auch über das Internet besorgen, oder – noch besser – indem man die Bibel liest. Geistliche Musik muss etwas anderes können: sie muss nicht bloß einen Inhalt in den Kopf transportieren, sondern sie muss den Samen des Evangeliums ins Herz transportieren. Deshalb nenne ich als zweites Kriterium für geistliche Musik: geistliche Musik muss ins Beten führen. Gibt es dafür ein Kriterium? Beten ist doch eine sehr persönliche Angelegenheit; und zuvor habe ich gesagt: es gibt keinen Automatismus. Das stimmt – aber ich glaube, ein Kriterium gibt es doch: öffnet Musik unsere Ohren? Führt sie uns in die Stille oder hindert sie uns am Hören? Jetzt fragen Sie vielleicht: wieso sollte ich Musik nicht unsere Ohren öffnen? Musik muss ich doch mit meinen Ohren hören! Hören ist nicht gleich hören. Genau das ist der Punkt

Wir leben in einer Zeit mit unglaublich viel Lärm. Überall ist Musik – oder sagen wir besser: Beschallung. In jedem Supermarkt, in jedem Café, in jeder Bar ist Musik. In vielen Wohnungen läuft der Fernseher oder das Radio – und zwar ständig. Ich habe den Eindruck, das Ziel dieser Musik ist, dass wir gerade nicht mehr hören. Wenn wir nicht mehr hören, denken wir viel weniger nach. Dann werden wir viel leichter lenkbar. Die Werbe-Industrie hat das ganz klar erkannt. Deshalb hat auch die Werbe-Industrie ein großes Interesse an Musik und sucht nach Konzepten, wie man Musik strategisch einsetzen kann.

Ich denke, dass sich viele Menschen, nach etwas anderem sehnen: nach dem, was wir Sinn nennen. Um das zu finden, muss unsere Seele zur Ruhe kommen. Hier sehe ich ein großes Hindernis unserer Zeit. Wo sind heute die Orte, an denen unsere Seele zur Ruhe kommen kann? Wo können wir den Staub auf unsere Seelen loswerden? Unsere Kirchengebäude bieten uns eine unglaubliche Chance: sie gehören zu den wenigen Orten, die Ruhe und Stille ausstrahlen. Es gibt Kirchen, die durch ihrer Ruhe regelrecht zum Beten motivieren. Immer wieder höre ich von Moslems, die beim Besuch einer bestimmten Kirche in Wien völlig irritiert wurden; manche empfanden ein starkes Gefühl, das sie Beten sollten. Als säkulare Moslems wussten sie nicht, wie das geht und versuchten es zuerst zu Hause. Manche sind dann in diese Kirche zurückgekehrt und haben den Weg zu Christus und zur Taufe gefunden.

Was unsere Kirchengebäude anbieten, sollten unsere Gottesdienste aufnehmen. Unsere Gottesdienste sollten ins Beten führen und die Musik ist dabei eine ganz wichtige Hilfe – wenn sie ins Gebet, also in die Stille führt. Auch das habe ich in Oxford gelernt. Der Pfarrer in Oxford  hat die Gottesdienste so gefeiert, dass sie ins Gebet geführt haben. Wie hat er das gemacht? Er hat selbst gebetet. Vielleicht fiel es ihm deshalb leicht, zwischen den einzelnen Teilen der Liturgie etwas Raum für Stille zu lassen. Gebet ist doch eine Zwiesprache mit Gott. Eine Zwiesprache wird nur möglich, wenn ich bereit bin, zu hören. Dafür muss ich meine Ohren öffnen. Das ist nicht so leicht, denn wir leben in einer Zeit mit viel Lärm.

Wenn ich die Ohren öffne, stellt sich oft noch eine weitere Schwierigkeit ein: manchmal sagt Gott etwas, was ich nicht hören will. Lange wollte ich nicht hören, dass er mich zu einem geistlichen Beruf führen will. Schließlich wollte ich mit ihm einen Deal machen: so musst du mir den Weg ebnen und dann willige ich ein... Das hat natürlich nicht funktioniert. Heute bin ich dankbar, dass es nicht funktioniert hat und dass ich zuerst noch lernen musste, besser auf Gott zu hören. Ein wichtiger Schritt dazu war meine Erfahrung in England. Dort habe ich gelernt, dass der Gottesdienst und seine Musik ins Beten und ins Hören führen müssen.

 

 

V. FAZIT

 

Oxford hat mich also geprägt. Die Erfahrung in dieser anglikanischen Kirche hat mich vieles gelehrt: über Gott, über das Evangelium. Ich habe kein Konzept angewendet, sindern ich habe versucht, die konkreten Chancen zu nutzen. Dass etwas von der Saat aufgegangen ist, schreibe ich allerdings nicht mir zu, sondern dem Wirken Gottes. Mein Beitrag bestand darin, mitzuhelfen. Mehr, so glaube ich, können wir als Menschen nicht tun. Es gibt meiner Meinung nach kein Konzept, das automatisch wirkt oder das automatisch Erfolg verspricht. Es gibt aber Kriterien für die Weise, wie wir an der Verkündigung des Evangeliums mithelfen können. Darüber wollte ich Ihnen heute berichten.

An erster Stelle steht das Bemühen um das eigene geistliche Leben: das regelmäßige persönliche Gebet, das regelmäßige Lesen der Bibel, die regelmäßige Teilnahme am Gottesdienst und an den Sakramenten.

An zweiter Stelle gebe ich den Rat, gut auf den Inhalt zu achten. Es ist wichtig, genügend Musik einzusetzen, die wirklich das Evangelium und nicht das eigene fromme Wohlbefinden zum Inhalt haben. Wir leben leider in einer Zeit, in der uns in Europa die geistlichen Wegweiser abhandenkommen: also Menschen, die es verstehen, die Zeichen der Zeit geistlich zu deuten und die anderen Menschen auf ihrem Weg zu Christus weiterhelfen. Musik kann hier manches ersetzen, wenn auch nicht alles. Wenn Musik auf diesem Weg helfen soll, dann muss sie Christus verkünden und die Kraft haben, ins Gebet zu leiten. Sie muss die Kraft haben, in ein Beten zu führen, das nicht mit dem Gottesdienst aufhört, sondern sich im privaten und persönlichen Bereich fortsetzt.

Welche Musik dazu besondere Kraft hat, werden Sie – wie ich meine – erkennen, wenn Sie selbst sich um ihr eigenes geistliches Leben mühen. Deshalb halte ich diesen Punkt für den ersten und wichtigsten (und vielleicht sogar den einzigen). Mit Ihrem eigenen Beten, mit Ihrer eigenen Gottesbeziehung steht und fällt im Grunde alles, was Sie tun. Mögen Sie hier wachsen und seien Sie versichert: Christus wird Ihnen nicht nur Chancen, sondern auch reiche Frucht schenken.

 

Dowload des Vortrags

Referat Kirchenmusik
Stock im Eisen-Platz 3/IV
1010 Wien

E-Mail schreiben
Datenschutzerklärung
Darstellung: Standard - Mobil