Dienstag 19. Februar 2019

Was ist Bibliodrama?

Bibliodrama lässt sich schwer definieren, am ehesten lässt es sich beschreiben.
Beim Bibliodrama beschäftigt sich eine Gruppe sehr intensiv mit einem biblischen Text, einem Bibelwort, einem biblischen Bild, oder einer biblischen Gestalt.
Nach einer „Aufwärmphase“ versucht die Gruppe, das gewählte biblische Thema in eine Szene umzusetzen. Dies kann nach verschiedenen bewährten Mustern und Spielformen geschehen. Dabei geht es nicht so sehr darum, die Szene irgendwelchen Zuschauern vorzuführen, sondern die Gruppe spielt in erster Linie für sich selbst. „Wie ergeht es mir, was erlebe ich, was empfinde ich, wenn ich in eine biblische Rolle schlüpfe?“ - ist das eigentliche Leitmotiv des bibliodramatischen Spiels. In einer weiteres Phase erzählen sich die Gruppenmitglieder, was sie beim Spiel erfahren, was sie wahrgenommen haben und was ihnen im Spiel aufgegangen ist...

 

Was bewirkt Bibliodrama?

Das bibliodramatische Spiel führt einerseits zu einer Begegnung mit biblischen Gestalten: Bibel wird anschaulich, greifbar und spürbar.
Andererseits führt es zu einer Begegnung mit der eigenen Lebensgeschichte und der eigenen Lebens- und Glaubenserfahrung. Es ist normalerweise kein Zufall, dass jemand eine bestimmte Rolle wählt oder zugeteilt bekommt. Vor dem Hintergrund der Spielerfahrung kann nun die eigene Lebens- und Glaubenserfahrung reflektiert werden.
Schließlich führt Bibliodrama auch zur Begegnung mit den Lebens- und Glaubenserfahrungen der anderen Mitgliedern der Gruppe.

 

Für wen ist Bibliodrama geeignet?

An einem Bibliodrama kann jeder teilnehmen, der bereit ist, sich auf andere Menschen und neue Erfahrungen einzulassen. Es bedarf keiner besonderen Voraussetzungen, weder an Bibelkenntnis noch an schauspielerischer Begabung. Bibliodrama ist für Jung und Alt offen.
Wer an einem Bibliodrama teilnehmen möchte, sollte darauf achten, dass die/der LeiterIn eine angemessene Ausbildung für diese Form der Bibelarbeit erhalten hat. Manches, was als Bibliodrama angeboten wird, ist abwechslungsreiches Rollenspiel, erreicht jedoch nicht die Tiefe eines Bibliodrama.
Es gibt verschiedene „Schulen“ und Ansätze des Bibliodrama; einen psychodramatischen, einen spielpädagogischen, S. Laeuchlis Mimesis, Bibel-Theater und andere.

Was ist Bibliolog?

Bibliolog ist die gemeinschaftliche Erkundung eines biblischen Textes. Es handelt sich dabei um eine Form der Verkündigung, die die Bibel neu lebendig werden lässt. Der Bibliolog öffnet einen Raum dafür, dass viele Menschen zu Wort kommen und miteinander eine Erzählung entdecken können.

Der methodische Zugang basiert auf dem Dialog zwischen biblischer Geschichte und Lebensgeschichte. Indem die Anwesenden sich mit einer Figur identifizieren und sich aus einer bestimmten Rolle heraus äußern, kommt es zu einem vielstimmigen Gemeinschaftserlebnis. Die Kraft biblischer Texte, uns zu wesentlichen Grundfragen des Lebens zu führen, wird dabei erfahrbar.

Im antiken Judentum wurde davon gesprochen, dass die biblischen Texte im sogenannten „schwarzen und weißen Feuer“ geschrieben sind. Das „schwarze Feuer“ steht für die niedergeschriebenen Buchstaben des Textes. Das „weiße Feuer“ bezieht sich auf alles, was der Text offen und ungesagt lässt; etwa die Beweggründe der verschiedenen Charaktere, ihre Motivationen oder Gefühle, die nicht erzählt werden.

Im Bibliolog wird das sogenannte „weiße Feuer“ eines Textes zum Lodern gebracht. Erhält es durch die Stimmen der Teilnehmenden Raum, ergeben sich erfahrungsgemäß auf diese Weise überraschend neue Zugänge zum „schwarzen Feuer“.

 

Was entsteht im Bibliolog?

Bibliolog ist eine Art „Bibliodrama im Kopf“. Durch die gedankliche Identifizierung der Teilnehmenden mit bestimmten Figuren im Text und das Sprechen aus diesen Rollen, wird die Geschichte lebendig und gegenwärtig. Bibliolog lebt vom Vertrauen, dass das unverfügbare göttliche Geheimnis sich in der Interaktion von Person, Text und Gruppe offenbart. Den Teilnehmenden wird die Auslegungskompetenz der Heiligen Schrift zugetraut und bewusst in die Hände gelegt. Bibliologische Prozesse beinhalten nicht nur individuelle spirituelle Prozesse für die Einzelnen. Im Bibliolog werden Gemeinschaften zu „Erinnerungsgemeinschaften“. Der Bibliolog hält die in der Bibel erzählten Begegnungsgeschichten zwischen Gott und Mensch lebendig. Durch den gemeinsamen spielerisch-kreativen Zugang werden die Sehnsucht der Menschen und die Verheißung wachgehalten, dass Gott seine Heilsgeschichte weiter schreiben wird.

 

Für wen ist Bibliolog geeignet?

An einem Bibliolog kann jeder und jede teilnehmen. Es braucht keinerlei Voraussetzungen – weder biblische noch theologische Kenntnisse. Aufgrund seiner klaren Struktur, seiner Wertschätzung individueller Positionen und seiner belebenden Grundstimmung lässt sich Bibliolog vielfältig im Kontext von Gemeinde, Schule und Bildung – vor allem aber auch mit Blick auf kirchenferne Gruppierungen einsetzen. Da dieser Zugang vor allem auf die Textauslegung zielt und sich dabei zwar der Biografien der einzelnen Beteiligten bedient, sie zugleich aber sehr verantwortlich schützt, lässt sich Bibliolog auch mit sehr vielen Menschen und im öffentlichen Raum (beispielsweise im Gottesdienst) praktizieren.

BibliologleiterInnen sollten auf alle Fälle einen viertägigen Grundkurs absolviert haben, der sie dazu befähigt, Bibliologe verantwortungsvoll zu leiten. Kurse werden regelmäßig über das Europäische Bibliolognetzwerk (www.bibliolog.de) angeboten.

Maria Elisabeth Aigner

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