Tuesday 27. October 2020
Evangelium von heute Lk 13,18-21 In jener Zeit sprach Jesus: Wem ist das Reich Gottes...
Bibelpastoral

Straft uns Gott für unsere Sünden?

ein Beitrag von Roland Schwarz

 

Auf diese Frage gibt es in der Bibel unterschiedliche Antworten. Die eindrucksvollste ist durch das Schicksal des Jesus aus Nazaret gegeben.

Die Schriften der Bibel bezeugen alle, dass es einen persönlichen Gott gibt, der den Kosmos ins Leben gerufen hat. Einen Gott, der für das Volk Israel, aber letztlich für alle Menschen da ist. Einen Gott, der uns liebt, der uns zuhört, wenn wir zu ihm beten. Unterschiedlich sind jedoch die Vorstellungen davon, wie Gott ganz konkret handelt.

 

Es gibt zahlreiche Texte, in denen Gott barmherzig ist, in denen er den Menschen ihre Fehler verzeiht. Aber es gibt auch solche, in denen fast automatisch auf Verfehlungen die Strafe Gottes folgt. - Wie kommt es dazu? Das Volk Israel hat Gott als Retter aus der Sklaverei in Ägypten erfahren und auch den Besitz des Landes Kanaan als Geschenk seines Gottes gedeutet. Als Großmächte (vor allem Assyrer und Babylonier) jedoch siegreich triumphierten und ein Teil des Volkes Israel sogar in die Verbannung nach Babylon musste, regten sich Zweifel an der Nähe Gottes.

 

Da es undenkbar war, dass Gott untreu wurde, haben die Menschen sich die Schuld an allem Unglück gegeben. Es gab die Vorstellung, dass der Mensch selbst an allem Leid schuld sei. Wer die Gebote Gottes erfüllte, dem müsse es gut gehen. Wem es nicht gut geht, der müsse die Gebote Gottes gebrochen haben und werde dafür bestraft. So haben die Menschen jede Not als Strafe Gottes für ihre Verfehlungen gesehen.

Gegen diese Sicht gibt es jedoch schon innerhalb der Bibel - etwa im Buch Ijob - heftigen Protest: Auch den, der tadellos lebt, können Krankheit, Verlust des Besitzes und vieles mehr treffen.

Christen glauben, dass in Jesus von Nazaret Gott mit uns solidarisch wurde. Mit ihm starb ein völlig Unschuldiger am Kreuz. An ihm zeigt sich, dass das Leid nicht als Strafe Gottes verstanden werden muss.

 

Jesus hat einen Gott gepredigt, der nach dem Vorbild mancher jüdischer Bibeltexte nicht gleich straft, sondern der seine Sonne sowohl über Gute als auch über Böse aufgehen lässt. Gott hat Geduld mit uns, der Mensch schadet sich allerdings selbst, wenn er den Weisungen Gottes zuwiderhandelt, vor allem dem Liebesgebot. Das Halten der 10 Gebote beispielsweise ist etwas, das letztlich für alle das Beste ist.

 

In den Texten des Neuen Testamentes gibt es die Aussage, dass Jesus nicht gekommen ist, um uns zu richten. Jesus ist gekommen um zu retten. Dort heißt es auch, dass es nicht Gott ist, der bestraft, sondern der Mensch sich durch sein Fehlverhalten selbst richtet. Wenn Jesus vom Gericht Gottes spricht, möchte er den Menschen nicht Angst machen, sondern er hat vielmehr Angst um uns, weil wir uns durch ein oberflächliches Leben schaden und unser eigentliches Glück versäumen könnten.

 

Einige Bibeltexte legen nahe, dass Gott nicht nur dem Menschen einen freien Willen, sondern auch der Natur eine gewisse Eigenständigkeit gelassen hat. Aus dieser Sicht ist es nicht Gott, der uns Unheil schickt, sondern es liegt daran, dass die Natur uns einerseits viel Gutes und zum Überleben Notwendiges schenkt, aber andererseits auch bedrohliche Seiten hat (Naturkatastrophen, Krankheiten usw.). Unsere Aufgabe ist es, gemeinsam diese Nöte zu meistern. Gott ist nicht der, der sie uns schickt, sondern ist uns auch in diesen Situationen nahe, wie er dem sterbenden Jesus nahe gewesen ist, dem er nach seinem Tod ein neues ewiges Leben in seiner himmlischen Herrlichkeit geschenkt hat. Wir dürfen daran glauben, dass auch wir dieses Ziel bei Gott erreichen können, wenn wir versuchen, wie Jesus selbstlos zu lieben.

 

Roland Schwarz

Das Team vom Thema Bibel:

Wer wir sind und wofür wir stehen.

Pastoralamt der ED. Wien Bibel
Stephansplatz 6/1/5/559
1010 Wien

E-Mail schreiben
Datenschutzerklärung
Display: Standard - Mobile