Saturday 11. July 2020

Pastoralkonzept

 

Einfach in der Erstellung und wirksam in der Umsetzung. Mit erweiterten Bausteinen und konkreten Beispielen aus der Praxis.

Pfarre mit Teilgemeinden

Mehrwert einer Pfarre mit Teilgemeinden

 

Da die Bildung einer Pfarre mit Teilgemeinden vorwiegend eine strukturelle Veränderung ist (aus mehreren Rechtspersonen wird eine Rechtsperson), ist auch der Effekt vorwiegend strukturell. Die strukturellen Veränderungen für Personal, Finanzen und Gremien sind ein neuer Rahmen für eine verbesserte Umsetzung der Mission der Kirche. Aber auch pastorale Effekte sind zu erwarten:

 

1. Team und Leitung

 

Mit dem größeren Pastoralteam, dem durchschnittlich rund fünf Personen angehören, ergibt sich ein neues Miteinander im Dienst an den Teilgemeinden. Die Priester, die nicht Pfarrer sind, werden von Verwaltungsarbeiten entlastet und die Aufteilung der Aufgaben kann sich stärker an den Fähigkeiten und Charismen als bisher orientieren. In diesem Team können sich Stärken und Schwächen besser ergänzen. Innerhalb des Teams können die Aufgaben flexibler aufgeteilt werden und es kommt zu treffsichereren Personaleinsätzen, die die Zufriedenheiten von Mitarbeitenden und Gemeinden steigern. Als Teil eines Teams geben die Mitglieder einander Feedback, erhalten Ermutigung, Austausch und Entlastung. Ein gestärktes Pastoralteam kommt den Gemeinden zugute. Das gemeinsame Pastoralteam schafft einen solidarischen Ausgleich zwischen den einzelnen Teilgemeinden und alle profitieren von dem größeren Personalpool.


Ein „Pfarrbetrieb“ mit seinen Gebäuden, vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, seinen „Kundenkontakten“ und Veranstaltungen stellt hohe Anforderungen an einen Pfarrer in seiner Leitungsaufgabe. Daher soll diese Aufgabe kompetenten Priestern überantwortet werden. In einem größeren Team von Priestern ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass (mindestens) einer unter ihnen diese Kompetenzen und Fähigkeiten hat. Andere Priester im Team, deren Stärken in anderen Bereichen liegen, sind damit von der Leitung und Verwaltungsaufgaben entlastet.

 

Vorteile im Bereich Pfarrbüro:

 

Weil nicht mehr jede Sekretärin/jeder Sekretär alle Bereiche eines Pfarrbüros abdecken muss, können sich beispielsweise drei Pfarrsekretärinnen einer gemeinsamen Pfarre vorwiegend einem spezifischen Arbeitsbereich (z.B. Matriken) widmen und diesen mit größerer Qualität abwickeln. Durch geschickte Ordnung der Dienstzeiten können die Öffnungszeiten des gemeinsamen Pfarrbüros ausgeweitet und die Erreichbarkeit für die Menschen per Mail und am Telefon erhöht werden. Aber auch Pfarren, die sich bislang keine/n Pfarrsekretär/in, technische Hilfskraft, Kirchenmusiker/in... leisten konnten, können bei Bedarf punktuell auf das gemeinsame Personal zugreifen. Diese gemeindeübergreifende Arbeit wird möglich, weil das pfarrliche Personal bei der gemeinsamen Pfarre mit mehreren Standorten angestellt ist.

 

2. Finanzen

  • Die bisherigen Pfarren sind, abgesehen von dem durch eigenes Engagement erwirtschafteten Geld, finanziell unterschiedlich gut ausgestattet. Das Vermögen einer gemeinsamen Pfarre ist eine Chance, das Geld solidarisch und effektiv für ein zentrales pastorales Projekt der gemeinsamen Pfarre einzusetzen. Die gesammelten Spenden gelten auch in einer Pfarre mit Teilgemeinden weiterhin für den speziellen Spendenzweck, für den sie gesammelt wurden. Zweckwidmungen sind auch für Erspartes aus früheren Sammlungen (oder Schenkungen, Erbschaften...) beizubehalten.
  • Ein Mehrwert ist die Ressourcenschonung durch den gemeinsamen und effektiven Einsatz der vorhandenen Mittel. Einsparungspotentiale ergeben sich, indem nicht mehrere Pfarren unterschiedliche Verträge zur für Schneeräumung, Kopierer, Heizung... haben, sondern eine gemeinsame Pfarre für alle ihre Standorte.
  • Sorgen um die Steuerfreiheit von Veranstaltungen (Pfarrfeste/-bälle, Kirtage, Flohmärkte... – „Gesellige Veranstaltungen“ im Sinne des KStG) sind nicht nötig: Die Veranstaltungen sind pro Katastralgemeinde limitiert, nicht pro Rechtsperson, sodass für eine größere Pfarre mehrere steuerbefreite Veranstaltungen möglich sind.
  • Langfristig hat es eine gemeinsame Pfarre leichter, zu entscheiden, welche Immobilie (Pfarrhäuser, Kirchen, pastorale Räume, etc…) finanziell nicht mehr tragbar ist und geschlossen werden muss. Für die davon betroffene Teilgemeinde gibt es aber das Netz der Pfarre, in der nach alternativen Lösungen gesucht werden können.
  • Die Verringerung der pfarrlichen Buchhaltungen schlägt sich natürlich auch in der Verwaltung der Diözese nieder. Denn nicht die Anzahl der Buchungen ist ausschlaggebend, sondern die Anzahl der Buchhaltungen, die um 80% zurückgehen.

 

3. Gremien

 

Eine Pfarre mit Teilgemeinden ermöglicht eine schlanke und effiziente Gremienstruktur für die lokale und regionale Ebene. Während in einem Pfarrverband die rechtsverbindlichen Entscheidungen von mehreren Pfarrgemeinderäten bzw. Vermögensverwaltungsräten getroffen werden (was auch die Anzahl der Sitzungen erhöht), bietet die gemeinsame Pfarre eine schlanke Struktur mit zwar mehreren Gemeindeausschüssen, aber einem gemeinsamen Pfarrgemeinderat bzw. Vermögensverwaltungsrat.

 

4. Pastoral.

 

 

Pfarrliche Aktivitäten können in der gemeinsamen Pfarre – wenn es gewünscht wird – so geordnet werden, dass Synergien entstehen. Die Verpflichtung jeder bisherigen Pfarre z.B. zur Vorbereitung auf die Sakramente wird breiter geschultert. (z.B. gemeinsames Firmkonzept - dezentrale Firmstunden, zentrale Treffen der Eltern und Paten, gemeinsame Firmung...). Dadurch entsteht Freiraum für Neues. Veranstaltungen und Projekte können in einer Pfarre mit Teilgemeinden durch die größere Anzahl an Teilnehmenden an Qualität gewinnen. (z.B. Jugendveranstaltungen, Familienveranstaltungen, Wallfahrten, Reisen, Bildungsveranstaltungen…). Neue, innovative Initiativen finden in einer größeren Pfarre eine größere Anzahl an Interessierten, die diese Projekte vorantreiben.

 

5. Vision

 

 

Die Bildung einer Pfarre mit Teilgemeinden soll die Entwicklung zu einem zukünftigen Bild von Kirche ermöglichen, vielleicht sogar beschleunigen. Strukturelle Freiräume für die Kirche von Morgen entstehen. Diese Schritte werden nicht automatisch durch eine gemeinsame Pfarre erreicht werden, können aber auf ihr aufbauen.

 

  • Eine Pfarre ist nicht mehr gleich eine Gemeinde, sondern eine Gemeinschaft von Gemeinden. Die Teilgemeinden einer gemeinsamen Pfarre können stärker ihr eigenes Profil entwickeln, und so können sich mehr Menschen am Leben der Gemeinde beteiligen. Unter dem Dach einer Pfarre können leichter neue Gemeinden und Gemeinschaften entstehen – auch für Menschen, die den katholischen Glauben in anderer Weise zum Ausdruck bringen möchten, als sie es bisher in der Pfarre vorfinden.
  • Bestehende Gemeinden in Filialkirchen werden zu gleichberechtigten Teilgemeinden der Pfarre aufgewertet. In diesen Gemeinden können getaufte Frauen und Männer mehr Verantwortung übernehmen.
  • Viele Chancen und Möglichkeiten einer Pfarre mit Teilgemeinden werden natürlich erst im Laufe der Zeit ergriffen werden. Die Pfarre mit Teilgemeinden bietet den Rahmen und die Möglichkeit, Dinge anders zu machen als bisher.

 


 

Die Veranstaltungen gelten nicht pro Rechtsperson, sondern pro Katastralgemeinde innerhalb einer Rechtsperson. Somit sind gerade auf dem Land die Veranstaltungen in den Dörfern weiterhin gesichert.

Termine
Fri., 11. September 2020 15:00
Alpha-Trainingstag
Tue., 22. September 2020 05:16
Intensivwerkstatt für kirchliche Teams online
Mon., 05. July 2021 14:00
BUKAL-Leadership-Summerschool
Diözesaner Entwicklungsprozess APG2.1
Stephansplatz 6/1/5/501
1010 Wien

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