Donnerstag 23. November 2017

Pastoralkonzept

 

Einfach in der Erstellung und wirksam in der Umsetzung. Mit erweiterten Bausteinen zur Vertiefung der Pastoral und zur Partizipation in der Erarbeitung.

Pfarre mit Teilgemeinden (= Pfarre Neu)

Der oft gefragte Mehrwert einer Pfarre Neu

Ja, es gibt ihn - den Mehrwert einer Pfarre mit Teilgemeinden. Ich werde oft danach gefragt und daher habe ich meine Erfahrungen zusammengeschrieben und die Länge zeigt, dass es da durchaus einiges zu sagen gibt. Vorweg drei Vorbemerkungen:

  1. Da die große Frage nach der Anzahl der Veranstaltungen in einer Pfarre mit Teilgemeinden geklärt ist, möchte ich mich auf die positiven Effekte einer gemeinsamen Pfarre mit Teilgemeinden konzentrieren.
  2. Da eine Pfarre mit Teilgemeinden vorwiegend eine strukturelle Veränderung ist - aus 6 bzw. 3 Rechtspersonen wird eine Rechtsperson -, ist klar, dass auch der Effekt vorwiegend strukturell ist. Doch die strukturellen Veränderungen für Personal und Finanzen sind ein neuer Rahmen für eine verbesserte Umsetzung der Mission der Kirche. Weiters sind auch unmittelbar pastorale Effekte zu erwarten und ein Beitrag, um die Vision zu ermöglichen. Zuletzt richte ich  noch den Blick auf die Vereinfachung der Gremienstruktur in einer Pfarre mit Teilgemeinden im Vergleich zum Pfarrverband.
  3. Da zwar tatsächlich jeder Entwlickungsraum anders ist, gehe ich von einem durchschnittlichen Entwicklungsraum in einem Land- bzw. im Stadtvikariat aus. Dieser bildet eine durchschnittliche Pfarre mit Teilgemeinden. Zur Orientierung ein paar Daten:

 

1. Personal (Stichwort: Charismenorientierung)

 

Flexiblerer und treffsicherer Einsatz der pastoralen und pfarrlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

 

  • In unserer "Durchschnittspfarre mit Teilgemeinden" (=Pfarre Neu) ist unter den vier Priestern mindestens ein Priester mit der Kompetenz, den gesamten "Pfarrbetrieb" zu leiten. Für diesen Priester ist es weniger entscheidend, ob die Pfarre 1.000 Katholiken bzw. 4.000 oder 6.000 bzw. 13.000 Katholiken umfasst. Hingegen werden die anderen 3 Priester von Verwaltungstätigkeiten weitgehend befreit.
  • Für 4 Priester im Team ist es leichter, in 6 Kirchen die Heilige Messe zu feiern, als wenn 2 Einzelpriester in je 2 Kirchen die Heilige Messe feiern müssen.
  • Es ist für 4 Priester leichter sich die Aufgaben nach den jeweiligen Fähigkeiten und Charismen aufzuteilen, als wenn jeder wie bisher für eine gesamte Pfarre zuständig ist.
  • Es ist für die Pastoral besser, wenn eine Pastoralassistentin für eine Pfarre mit z.B. 6 Teilgemeinden zuständig ist, als dass eine Pastoralassistentin nur für eine von 6 Pfarren tätig ist. Weil so auch die anderen 5 Pfarren etwas davon haben.
  • Die Pfarre mit Teilgemeinden hat 3 Pfarrsekretärinnen (neben den Ehrenamtlichen), die je ihre spezifischen Arbeitsbereiche (Matriken, Buchhaltung, …) haben und somit qualitätsvoller arbeiten werden können.
  • Der gemeinsame Mesner der Pfarre Neu in der Stadt kann die Ehrenamtlichen in allen Kirchen unterstützen und für die Qualität der Sakristeien der Kirchen sorgen.
  • Die „Öffnungszeiten“ des gemeinsamen Pfarrbüros der Pfarre mit Teilgemeinden und die Erreichbarkeit für die Menschen per Mail und am Telefon wird sich dadurch verdreifachen.
  • Die bisherigen Pfarren, die sich bislang keine Pfarrsekretärin, technische Hilfskraft, Kirchenmusikerin leisten konnten, können bei Bedarf auf diese gemeinsame Ressource zugreifen.
  • Für die Punkte der pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reicht auch ein Pfarrverband aus. Für die Punkte des pfarrlichen Personals braucht es allerdings eine gemeinsame Pfarre mit Teilgemeinden, weil das pfarrliche Personal in der jeweiligen Pfarre angestellt wird.

 

2. Finanzen (Stichwort: Ressourcenschonung)

 

Gemeinsamer und effektiverer Einsatz der finanziellen Ressourcen für die Sendung der Kirche.

 

  • Jede bisherige Pfarre hat einen Vertrag für die Glocken, die Schneeräumung, Kopierer, die Wartung der Heizung, ….. Wenn nun eine Pfarre mit Teilgemeinden - statt der bisherigen 3 oder 6 Pfarren - als ein Auftraggeber mit mehreren Standorten auftritt, ergeben sich automatisch Einsparungspotentiale.  
  • Es ist ein Faktum, dass die Pfarren, abgesehen von dem durch Engagement erwirtschafteten Geld, finanziell ohne Vorleistung der Betroffenen unterschiedlich gut aufgestellt sind. Wenn ich die Sendung der Kirche im Fokus habe, kann es nicht sein, dass beispielsweise die Familienpastoral in „ärmeren“ Pfarren weniger Geld zur Verfügung hat als in „reicheren“. Da ist das gemeinsame Vermögen einer Pfarre Neu eine Chance, das Geld effektiv einzusetzen.
  • Langfristig hat es eine Pfarre Neu mit mehreren Standorten leichter, zu entscheiden, welche Immobilie (Pfarrhäuser, Kirchen, etc…) finanziell nicht mehr tragbar ist und geschlossen werden muss. Die davon betroffene Teilgemeinde fällt dadurch nicht in ein Loch, sondern wird vom gemeinsamen Dach der gemeinsamen Pfarre getragen.
  • In der Verwaltung der Diözese ist durch die gemeinsame Pfarre eine massive Reduktion des Aufwands zur Bearbeitung von Kirchenrechnungen und Revisionen zu erwarten. Denn nicht die Anzahl der Buchungen ist ausschlaggebend, sondern die Anzahl der Buchhaltungen, die um 80% zurückgehen.

 

3. Pastoral

Qualitätsvollere Pastoral und Freiräume für Jüngerschaft und Mission durch Synergien.

 

  • Ein Teil der pfarrlichen Aktivitäten kann in der Pfarre Neu – wenn es gewünscht wird – so geordnet werden, dass Synergien entstehen. Die Verpflichtung jeder bisherigen Pfarre z.B. zur Vorbereitung auf die Sakramente wird breiter geschultert. (z.B. gemeinsames Firmkonzept, dezentrale Firmstunden und zentrale Treffen der Eltern, Paten und gemeinsame Firmung). Die freigewordenen Ressourcen sollen direkt den zentralen Themen Jüngerschaft und Mission zugute kommen.
  • Ein Teil der pfarrlichen Aktivitäten kann in einer Pfarre Neu durch die größere Anzahl an Teilnehmenden an Qualität gewinnen. (z.B. Jugendveranstaltungen, Familienveranstaltungen, Wallfahrten, Reisen, Bildungsveranstaltungen, …).
  • Neue pfarrliche Aktivitäten finden in einer größeren, gemeinsamen Pfarre Neu eine größere Anzahl an Interessierten, die diese Projekte verantreiben.

Aber für diesen pastoralen Nutzen ist doch keine gemeinsame Pfarre notwendig? Nicht unbedingt, aber für ein Zusammenleben von zwei Menschen ist auch nur ein guter Wille nötig, doch die verbindliche Entscheidung auf Dauer zusammenleben zu wollen, gibt dem Zusammenleben noch eine neue Qualität und Verbindlichkeit. Es hängt dann nicht an der Beliebigkeit der wechselnden Personen (Priester, Pastoralassistenten, Pfarrgemeinderäte, …)

 

4. Vision

 

Strukturelle Freiräume für die Kirche von Morgen, die es heute schon bräuchte, schaffen.

 

 

Die Bildung einer Pfarre Neu ist auch auf die Zukunft ausgerichtet und soll die Entwicklung zu einem zukünftigen Bild von Kirche ermöglichen, ja vielleicht sogar beschleunigen. Doch diese Schritte werden nicht automatisch durch eine gemeinsame Pfarre Neu erreicht werden, sondern können auf ihr aufbauen.

  • Die Teilgemeinden einer Pfarre Neu können stärker ihr eigenes Profil entwickeln und so mehr Menschen in der Pfarre am Leben der Gemeinde beteiligen.
  • Neue Gemeinden und Gemeinschaften für Menschen, die den katholischen Glauben in anderer Weise zum Ausdruck bringen möchten, können in der Pfarre leichter gegründet werden,  weil die bisherige Sicht „eine Pfarre ist gleich eine Gemeinde“ in einer Pfarre Neu nicht mehr angebracht ist. Dadurch werden auch bestehende Gemeinden in Filialkirchen zu gleichberechtigten Teilgemeinden der Pfarre aufgewertet.
  • In diesen Gemeinden können getaufte Frauen und Männer mehr Verantwortung übernehmen.

 

5. Gremien

 

Schlankere Gremienstruktur für die lokale und regionale Ebene.

 

 

Noch ein Wort zum Unterschied eines Pfarrverband und einer Pfarre Neu. Ein großer Unterschied liegt für mich in der schlanken Gremienstruktur.

Während in einem Pfarrverband die rechtsverbindlichen Entscheidungen von 6 Pfarrgemeinderäten bzw. 6 Vermögensverwaltungsräten (die 6 Pfarrleitungsteams werden hier ausgeklammert) getroffen werden, bietet die Pfarre Neu eine schlanke Struktur mit 6 Gemeindeausschüssen, die das Leben vor Ort im Rahmen der Vorgaben des gemeinsamen Pfarrgemeinderats bzw. Vermögensverwaltungsrats organisieren.

Wenn nun mancherorts sinnvollerweise die Gremien zusammengelegt werden, stellt sich doch die Frage, warum es für die pfarrlichen Tätigkeiten wichtig ist, 6 statt einer gemeinsamen Rechtsperson zu haben.

 

Die Chancen auch wirklich nutzen!

 

Wer immer das Gleiche tut, darf sich nicht wundern, wenn er immer die gleichen Ergebnisse erzielt.

 

 

Abschließen möchte ich noch anmerken, dass so mancher Effekt, den sich die Diözesanleitung von Pfarren Neu erhofft auch davon abhängen wird, was daraus gemacht wird. Was meine ich? Nun ich kann einen schweren Steinblock mit Mühe tragen und plötzlich einen Lastwagen bekommen und mich beklagen, wie soll ich denn Stein und Lastwagen tragen, ohne auf die Idee zu kommen den Stein mit dem Lastwagen zu transportieren.

Es bedeutet für mich, dass die Struktur einer Pfarre Neu (Lastwagen) dazu gedacht ist, den Alltag im Pfarrleben (Steinblock) zu erleichten und nicht ein zusätzliches Problem zu schaffen. Doch viele Chancen werden erst im Laufe der Zeit ergriffen werden – was ganz natürlich ist. Die Pfarre mit mehreren Teilgemeinden bietet den Rahmen und die Möglichkeit, Dinge anders zu machen als bisher.

 

Rückfragen gerne unter stefan.lobnig@edw.or.at

 


 

Die Veranstaltungen gelten nicht pro Rechtsperson, sondern pro Katastralgemeinde innerhalb einer Rechtsperson. Somit sind gerade auf dem Land die Veranstaltungen in den Dörfern weiterhin gesichert.

Termine
Do., 18. Januar 2018 18:30
Gebetsabend "Let's make it real"
Fr., 26. Januar 2018 14:30
Alphakurs-Trainingstag
Diözesaner Entwicklungsprozess APG2.1
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