Monday 20. January 2020

Weniger Software, mehr Spirit

Der diesjährige Pfarrmedientag am 20.Oktober 2018 stand ganz im Zeichen unserer Gewinner vom Pfarrmedienwettbewerb 2018. Sie waren eingeladen, ihre Medien vorzustellen und in Austausch mit den Teilnehmern zu treten.

 

Eingangs hielt Gerald Groß - sicher allen bekannt u.a. als langjähriger Moderator von ORF-ZIB 1 und ZIB 2 - einen Vortrag mit dem Titel "Authentizität, Autorität, Aura: über die Vielfältigkeit und Vielschichtigkeit der Kommunikation in und außerhalb der Kirche". Abschließend beteiligte sich Wolfgang Kimmel, Pfarrer in Dornbach und ehemaliger Journalist bei Profil, um seine Sicht zu ergänzen.

 

Wir haben Gerald Groß danach zu seinen Eindrücken von Pfarrkommunkation im allgemeinen gefragt und interessante Antworten bekommen:

 

Gerald Groß im Interview


 

Herr Groß, was hat Sie dazu bewogen, unsere Einladung anzunehmen, vor unseren Pfarrlichen Kommunikatoren zu sprechen?

 

Ich habe als 12jähriger Ministrant mit meiner Schreibmaschine und einigen Bögen Kohlepapier begonnen, meine eigene „Kirchenzeitung“ zu machen und im Familienkreis bzw. der Nachbarschaft zu verkaufen. Das war vielleicht mein Einstieg in den Journalismus, und diesen Beruf habe ich dann später ja ein Vierteljahrhundert lang ausgeübt.

 

Ich bewundere Menschen, die ehrenamtlich Pfarrblätter herausgeben, Pfarr-Websites designen, Content erstellen und Social Media Accounts betreuen und dabei oft ein hohes Maß an Professionalität an den Tag legen, wie sich bei den prämierten Projekten gezeigt hat. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass sich nach einiger Zeit oft so etwas wie Betriebsblindheit einstellen kann und manches zum Selbstzweck, zum reinen Service-Tool wird. Darauf wollte ich hinweisen und an die Wurzel erinnern: dass es auf die klare Botschaft ankommt, und ob sie mich als Leser, als User, als Suchenden erreicht, ja packt. Weniger Software und mehr Spirit, wenn Sie so wollen?

 

Von außen betrachtet, wie sehen Sie die Kommunikation der Kirche, wie wird kommuniziert, wie empfinden Sie es?

 

Sehr unterschiedlich. Aber – um Papst Franziskus abzuwandeln – wer bin ich, um zu urteilen?

 

Was mir aber schon auffällt, ist eine Tendenz zu dem, was die Angelsachsen „Preaching to the converted“ nennen. Man bedient sehr oft die eigene Klientel, da kann man im vertrauten (Kirchen)Slang bleiben, auf die bekannten Codes vertrauen… Das bedeutet aber letztlich: man bleibt oft genug in der Komfortzone. Ich weiß schon, das klingt jetzt ungerecht und es gibt sicher genug Gegenbeispiele, aber das ist meine Wahrnehmung. Ich würde mir und den kirchlichen Kommunikatoren mehr Mut wünschen, relevante Dinge und Themen anzusprechen – und zwar in einer alltagstauglichen Sprache, die sich nicht in altertümlichen Verklausulierungen ergeht. Die versteht niemand und stoßen daher auf Ablehnung.

 

Was sehen Sie als gelungen an, was empfehlen Sie, das zu verbessern ist?

 

Vieles ist gelungen, einzelne „Produkte“ sind vielleicht schon zu gut in dem Sinne, dass sie zu glatt und konventionell daherkommen. More of the same, könnte man auch sagen. Daher: mehr Mut zu Überraschungen, Unkonventionellem, ja zu „Aufregern“. Vielleicht sollte man auch die „Vertriebswege“ überdenken. Das Pfarrblatt könnte ja auch persönlich gebracht werden und nicht „anonym“ mit der Post, sonst landet es vielleicht im Mistkübel. Verkündigung auch in einem christlichen Sinn ist Face to face – Kommunikation!

 

Worin sehen Sie das Alleinstellungsmerkmal pfarrlicher Öffentlichkeitsarbeit, worauf sollen sich unsere Kolleg/innen konzentrieren, woran können sie sich orientieren?

 

Der USP liegt in der starken Botschaft, die von Jesus Christus ausgeht, der dafür gestorben ist: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Dieser schlichte Satz hat auch 2000 Jahre später nichts von seiner Radikalität und Relevanz eingebüßt. Oft habe ich das Gefühl, dass man darauf nicht mehr vertraut, und das ist schade! So viele Menschen sind auf Sinnsuche, auf dem Zeitschriften- und Büchermarkt boomen Titel, die vorgeben, die Sehnsucht nach Sinnerfüllung und Geborgenheit zu stillen.

 

Und was machen die Kirche und ihre Medien? Sie beschäftigen sich mit sich selber, mit ihren Strukturen, ihrem Personal, internen Spannungen und Befindlichkeiten, theologischen Richtungsstreitigkeiten etc. Ich möchte nichts empfehlen, aber wünschen würde ich mir ein Rück-Besinnung auf die Kernbotschaft des Evangeliums. „Liebe und tu was du willst“, hat Augustinus gesagt. Und im Korintherbrief heißt es: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen rede und habe keine Liebe, so bin ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.“ Das müsste eigentlich die verbindliche „Blattlinie“ eines jeden kirchlichen Mediums sein …

 

Was wollen Sie unseren Pfarrmedien-Teams mitgeben, welche Tipps hätten Sie für sie?

 

Das Medium ist die Botschaft, hat McLuhan gesagt. Ich sage, gerade für Christen gilt: The ME is the message. Authentizität in der Kommunikation heißt, was man sagt und wie man es sagt, müssen übereinstimmen. Nur so ist man glaubwürdig. Wer also die Frohe Botschaft weitergeben will, sollte nicht missmutig und sauertöpfisch daherkommen. Franz von Assisi wird ja der Satz zugeschrieben: „Predige das Wort zu jeder Zeit; wenn nötig, benutze Worte.“ Und Augustinus (schon wieder!) hat gesagt: „Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen.“

 

Wir bedanken uns sehr herzlich für Ihr Kommen zum Pfarrmedientag und für dieses Gespräch!

 

Die 10 wichtigsten Tipps zusammengefasst


Der restliche Tag war der Präsentation der Siegermedien gewidmet, Digitale Medien, Sichtbarkeit im Öffentlichen Raum, Printmedien und Gesamtkonzept.

 

Die Gewinner präsentierten ihre Werke und erzählten aus der Praxis. Die interessierten Teilnehmer schrieben die für sie wichtigsten 10 Tipps auf Kärtchen, die wir Ihnen hier gesammelt mitgeben wollen:

 


 

 


Impressionen


 

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St. Paulus Medienstiftung Pfarrliche Öffentlichkeitsarbeit
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