Saturday 18. January 2020

Es sollte viel mehr Good News geben!

Liebe Freunde, sehr geehrte Damen und Herren!

 

Vielen herzlichen Dank für die Einladung, zu kommen und zu Ihnen zu sprechen. Das Thema, um das es heute geht: „Es sollte viel mehr good news geben“. Man kann das „good“ aber auch mit einem o lesen, dann heißt es: „Es sollte viel mehr God news geben.“ Es geht also darum, wie es gelingen kann, gute Nachrichten in der Welt heute zu verbreiten. Es geht darum, wie es gelingen kann, die ‚Frohe Botschaft’ des Evangeliums im Zeitalter der Medien zur Sprache zu bringen. Und es geht darum, wie Gott im medialen Diskurs zum Thema werden kann.

 

Wenn wir an die Öffentlichkeitsarbeit der Kirche denken, dann bewegt uns innerlich Unterschiedliches.

 

Einerseits sicherlich das Gefühl, dass die Kirche in der breiteren öffentlichen Berichterstattung eher negativ wegkommt. Skandale, die uns weh’ tun und beschämen, bleiben auch in unserer Wahrnehmung sehr präsent. Auch der Eindruck, dass, wenn es um die Kirche geht, es eher um kirchenpolitische Themen oder um die immer wieder gleichen sogenannten „heißen Eisen“ zur Sexualität, zur Machtverteilung oder zur Kirchengeschichte geht. Wir spüren deutlich, dass gerade die Themen, bei denen die Kirche angefragt und manchmal auch angegriffen wird, im Twitter-Zeitalter nur schwer zu vermitteln und zu erklären sind.

 

Und wir haben das Gefühl, dass wir mit echten inhaltlichen Themen wie dem Glauben an Gott, an Jesus, dem Leben in der Kirche, die Feier der Sakramente und dem Gebet kaum in der Berichterstattung vorkommen. Es ist ein Gefühl der Defensive, das uns Christen vielfach begleitet. Und das nicht nur, wenn es um Medienarbeit geht.

 

Jeder kann das verstehen. Ich möchte aber sagen, dass es auch vieles gibt, das sehr gut geht und auch vieles, dass sich in den letzten Jahren deutlich verbessert hat. Die Medien der Erzdiözese Wien zum Beispiel und die gesamte damit verbundene Öffentlichkeitsarbeit hat sich in den vergangenen Jahren unter der Leitung von Michael Prüller und seinem engagierten Team meiner Meinung nach sehr stark zum Guten verändert. Als ein Priester eines Klosters, das in der Erzdiözese Wien liegt, möchte ich dafür auch einfach einmal Danke sagen. Ihr wirkt sehr, sehr positiv auf die ganze Atmosphäre in der Erzdiözese und auch darüber hinaus.

 

Ich möchte einige der Überzeugungen sagen, die sich für mich in der Öffentlichkeits- und Medienarbeit, herauskristallisiert haben und die mir wichtig sind.

 


 

Kirche macht immer Öffentlichkeitsarbeit. 

 

Es gibt die Kirche nur als kommunizierende Gemeinschaft oder es gibt sie nicht. Kirche hat immer einen Auftrag in die Öffentlichkeit zu gehen. Kirche ist Kommunikation. Der glasklare Auftrag des gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus lautet: „Geht und macht alle Menschen zu meinen Jüngern. Geht und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen.“ (vgl. Mk 16,15; Mt 28,19). Kirche ist kein Selbstzweck. Kirche hat einen von Jesus eingestifteten Sinn: alle Menschen mit der Frohen Botschaft bekannt zu machen.

 

Was dabei wichtig ist: Jeder und jede, der/die getauft und gefirmt ist, hat einen ihm/ihr zukommenden Anteil an dieser einen Sendung. Es gibt so viele Bereiche des Lebens, in die hinein wir den Geist des Evangeliums zu tragen berufen sind. Und das wäre so viel fruchtbarer und sinnvoller, als sich mit innerkirchlicher Machtaufteilung zu beschäftigen. Kirche ist Kommunikation mit Gott. Und Kirche ist Kommunikation mit den Menschen. Kirche ist dafür da Gott zu den Menschen zu bringen und die Menschen zu Gott. Und zwar: Gott zu den Menschen von heute und die Menschen von heute zu Gott. Das bedarf zweierlei: einerseits die Sprache Gottes, die Sprache des Glaubens zu beherrschen und andererseits die Sprache derer, mit denen ich kommunizieren will.

 

Und damit sind wir bei der zweiten Sache.

 


 

Wir leben im Medienzeitalter

 

Das Zusammenleben der Menschen und die Wahrnehmung der Welt haben sich durch Medien grundlegend geändert. So sehr, dass unsere Gesellschaft als Mediengesellschaft beschrieben worden ist. Und diese Entwicklungen gehen rasant weiter. Heute spricht man von der digitalen Gesellschaft mit vielen Chancen, die damit verbunden sind, aber auch mit Risiken. Wir merken es an uns selber: woher bekommen wir denn unsere Informationen? Alles, was wir außerhalb unseres unmittelbaren Lebensumfeldes mitbekommen, vermitteln uns Medien. Unsere Meinung bilden wir sehr stark über die Informationen, die wir über Medien bekommen. Wir tauschen uns über Medien aus, kommunizieren über Medien, kommen zu unseren Überzeugungen über Medien.

 

Für manche jungen Leute scheint die mediale Welt wirklicher zu sein als die analoge. Ganze Lebenswelten sind in die Digitalität übergegangen. Heute werden Wahlen über die Medien gewonnen oder verloren, Revolutionen über Medien organisiert und Gesellschaftliche Umbrüche eingeleitet. Wie auch immer man das alles im Einzelnen beurteilen mag. Unbestritten scheint es mir zu sein, dass Christen in diesen Entwicklungen präsent sein müssen, sich einbringen müssen, ansprechbar sein müssen und berufen sind diesen Weg mit zu gehen und mit zu gestalten.

 

Die technischen Möglichkeiten sind neu und anders.

 


 

Ein Wort des heiligen Augustinus

 

Der heilige Augustinus († 430) schreibt in seinem Werk ‚De doctrina Chistiana’ – ‚Über die christliche Bildung’ folgendes:

 

Denn weil durch die Rhetorik sowohl von Wahrem als auch von Falschem überzeugt wird, wer wagte da zu sagen, dass die Wahrheit mit ihren Verteidigern waffenlos gegen die Lüge bestehen muss, so dass jene, die offensichtlich von falschen Dingen zu überzeugen versuchen, es verstehen, den Hörer im Einleitungsteil ihrer Rede wohlwollend, aufmerksam oder aufnahmefähig zu machen, diese solches aber nicht vermögen?

Sollten Jene Falsches bündig, klar und plausibel erzählen, diese dagegen Wahres so, dass es langweilig anzuhören und nicht zu verstehen ist und deswegen schließlich nicht gerne geglaubt wird? (...)

Da also die Redekunst in der moralisch neutralen Mitte gelegen ist und sehr viel in der Überredung sowohl zu schlechten als auch zu guten Dingen hin vermag, warum wird sie dann nicht auch von guten Christen im Studium erworben, damit sie der Wahrheit diene, wenn die Schlechten sie, um ihre verkehrten und nichtigen Absichten zu erreichen, zum Gebrauch der Ungerechtigkeit und des Irrtums beanspruchen?“ (Augustinus, De doctrina Christiana 4,II,3,4-5.)

 

Augustinus sagt also: die Rhetorik, die Redekunst wird von vielen Leuten erlernt und angewendet um damit schlechte Ideen und Lügen zu verbreiten. Und er fragt: warum lernen nicht auch Christen die Rhetorik, um damit Gutes und die Botschaft des Evangeliums zu verbreiten? Warum soll die Botschaft der Christen langweilig und anspruchslos verkündet werden?

 

Rhetorik ist aber im 21. Jahrhundert sehr stark auch Medienarbeit. Viele nutzen Medien selbstbewusst und professionell um damit Schlechtes und Böses zu verbreiten. Warum nutzen nicht auch die Christen die Medien, um die Frohe Botschaft des Evangelium zu verbreiten?

 


 

Journalisten sind Menschen

 

Diese Aussage mag banal klingen, aber es steckt mehr dahinter, als es beim ersten Hinhören klingen mag. Journalisten sind Menschen. Was meine ich damit? Erstens: Journalisten können nur über das berichten, wovon sie wissen. Es ist wichtig, dass man auf der Ebene, auf der man tätig ist Kontakt hat und Kontakt pflegt. Diese Hintergrundarbeit ist sehr wichtig für die Medienarbeit.

 

Zweitens: Journalisten haben Interessen. So wie alle Menschen, haben natürlich auch Journalisten eine persönliche Geschichte und persönliche Interessen. Das bedeutet, dass ein begeisterter Motorradfahrer, der Journalist ist, sich natürlich für die Motorradsegnung in der Pfarre eher interessieren wird. Dass sich eine Mutter oder ein Vater für Familie- oder Erziehungsthemen interessieren wird. Und dass sich ein an Kunst und Kultur interessierter Journalist solcher Themen annehmen wird.

 

Und Drittens: Journalisten machen ihren Job. Das bedeutet für einen jungen oder besonders engagierten Journalisten, dass er eine „interessante“ oder „berührende“ oder „spannende“ oder „tolle Geschichte“ bringen will, die vor allem zwei Zielgruppen begeistern soll: möglichst viele seiner Leser oder Zuseher oder Hörer. Und vor allem seine Kollegen und seine Chefs in der Redaktion. Und die anderen Journalisten die wollen so wie alle anderen Menschen ihren Beitrag abliefern und dabei schnell fertig werden und früh zu Hause sein.

 


 

Erzählen wir unsere Geschichten

 

Ich möchte heute und hier ganz bewusst keine zu genauen und technischen Tipps geben. Da bin ich auch gar kein Experte drin. Da ist die neue Broschüre „Pfarr-Medien-Guide“ um vieles besser. Kommunikation beginnt in dem Augenblick in dem ich einem anderen Menschen begegne. Wir wissen das: man kann nicht nicht kommunizieren. Öffentlichkeits- und Medienarbeit haben daher ganz viele Ebenen und Facetten. Ich bin der Meinung, dass das auch etwas ist, was man nur zu einem gewissen Grad lernen kann. Das wichtigste und erste Medium, das ist man immer selbst.

 

Und meine Erfahrung ist es auch, dass Menschen, die im realen Leben gut kommunizieren können, es auch über die Medien können. Menschen, die eine Ausstrahlung und Präsenz haben, wirken auch über Medien. Die meisten Menschen, die sie aus den Medien kennen, sind im echten Leben genau so, wie wir sie wahrnehmen. Medien sind da eigentlich nichts anderes als Verstärker und Multiplikatoren. Menschen, die eine spannende, berührende oder interessante Geschichte erzählen können, können das auch vor einer Kamera. Menschen, die von etwas überzeugen können, können das in der Regel auch in Medien.

 

Deshalb: erzählen wir einfach unsere Geschichten. Von Papst Paul VI. stammt der bekannte Gedanke: „Die Menschen von heute hören mehr auf Zeugen als auf Gelehrte. Und wenn sie auf Gelehrte hören, das deshalb, weil sie Zeugen sind.“

 

Erzählen wir die Geschichten des Glaubens, der Nächstenliebe, der Gemeinschaft, der Pfarrgemeinde, des Einsatzes und des Engagements. Erzählen wir die Geschichte Jesu heute neu. Erzählen wir über das viele Schöne, Berührende und Bewegende, das es in der Kirche gibt. Erzählen wir die persönlichen Geschichten und zeigen wir das Leben! Das ist alles.

 

Ob das im persönlichen Gespräch geschieht oder in Pfarrmedien oder in öffentlichen Medien. Es wird die Herzen berühren und seine Kreise ziehen.

 


 

Bewegung des Glaubens

 

Damit komme ich zum Schluss. Wir sind keine Partei, die Wahlen gewinnen muss und deshalb Propaganda und Werbung macht. Der Auftrag der Kirche ist ein anderer: wir sollen den Glauben entzünden und stärken. Und das geht nicht durch rhetorische Mittel, sondern durch tiefes Gebet und durch glaubwürdiges Zeugnis, das die Herzen berührt. Dieses Zeugnis kann heute durch Medien viele Menschen erreichen. Wir können Gott danken für diese Möglichkeiten. Und wir werden sie mit Klugheit und Weisheit verwenden. Dann werden die Menschen, die Medien heute in ganz großem Umfang nutzen, davon berührt werden und sich angezogen fühlen vom Licht des Glaubens.

 

Vielen Dank.

 

P. Johannes Paul Chavanne, OCist

 


 

Informationen, Unterlagen und Impressionen vom Pfarrmedientag am 28. September 2019 finden Sie hier.

 

St. Paulus Medienstiftung Pfarrliche Öffentlichkeitsarbeit
Stephansplatz 4/7/1
1010 Wien

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