Tuesday 18. May 2021

Dr. Ewald Huscava

Pfarrvikar der Gemeinde

Donaucitykirche

Evangelium von heute Joh 17,1-11a In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und...

Blitzlicht: Sonntag der Barmherzigkeit

 

 

„Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ (Joh 20,21)

 

Der Hauptteil des heutigen Evangeliums erzählt von Thomas, aber davor steht ein kurzer Abschnitt über die Sündenvergebung.

 

Es gibt im Ersten Testament den bekannten Ritus der Opferung eines Ziegenbocks als Opfer am Altar und eines zweiten Bocks, dem alle Sünden des Volkes aufgeladen werden und der dann in die Wüste getrieben wird. (Lev 16). Dadurch werden am Versöhnungstag alle Sünden des ganzen Volks getilgt. Sicher ein beeindruckender Ritus.

 

Aber es geht auch im Ersten Testament um durchaus individuelle Schuld und Sünde. Diese wird vergeben, wenn einerseits Buße getan wird und andererseits eine Verhaltensänderung eintritt. Dieses Motiv wird auch in mehreren Psalmen aufgenommen: Im Wallfahrtspsalm 130, im Hymnus des Psalms 103, im Psalm 32, der klarlegt, dass die Vergebung Gottes schon jedem Sündenbekenntnis vorangeht, vor allem aber im berühmten Bußpsalm, der jeden Freitag in der Laudes, dem Morgengebet der Kirche, gebetet wird. „Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz und einen festen Geist erneuere in meinem Innern!“ (Ps 51,12) Die Sünde wird als Schmutz gesehen, den Gott entfernt, um einen Neuanfang zu ermöglichen.

 

Der Prophet Ezechiel betont, dass jeder selbst für seine Sünden verantwortlich ist, dass also die Schuld weder ererbt ist noch vererbt wird, und dass es Gott gefällt, wenn ein Sünder umkehrt. (Ez 18 spricht ausführlich davon.)

 

Jesus erlässt Sünden, z.B. in der Erzählung über den Gelähmten im Markusevangelium, dem er seine Sünden vergibt, noch bevor er ihn von seiner Lähmung heilt. Doch einige der Schriftgelehrten denken: „Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott?“ (Mk 2,7) Im Wissen, dass Jesus wahrer Gott ist, können wir uns leicht besser als diese Schriftgelehrten vorkommen. Jesus ist nicht damit zufrieden, schon vor Ostern wie Gott Sünden zu vergeben. In Joh 20 erscheint er nach seiner Auferstehung den Jüngern und spricht auch ihnen die Macht zur Sündenvergebung zu. „Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.“ (Mk 2,23)

 

Vor allem der zweite Teil dieses Satzes ist zunächst nur schwer zu akzeptieren. Aber: bevor Jesus ihnen diese Macht zuspricht, haucht er sie an und sagt: „Empfangt den Heiligen Geist!“ Und nur in diesem heiligen Geist können die Jünger Sünden vergeben, und in diesem heiligen Geist können sie niemand die Vergebung verweigern.

 

Die Jünger sind nicht nur diejenigen, die damals in Jerusalem beisammen waren. Es sind auch ihre Nachfolger*innen bis auf den heutigen Tag, also wir alle.

Eva R.

 

Hinweis: Lesungen und Evangelium finden Sie gemeinsamit mit Tagesgebet und Psamlen über den "Schott-Tagesliturgie" Knopf auf https://erzabtei-beuron.de/index.html.

 

Gott sagt »Du« zu uns. Wir finden ihn nur, wenn auch wir zu ihm »Du« sagen.
(Hl. Johannes Paul II.)
Teilgemeinde Donaucitykirche
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1220 Wien

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