Friday 23. October 2020

GEBETSANLIEGEN

 

Schreib uns, wofür wir mit Dir und für Dich beten sollen!

(unter "Unsere Vielfalt" - "Gebetsdienst füreinander")

 

PFARRBLATT

 

Angst bewältigen

Angst zu verspüren gehört zum Menschsein dazu, von ihr bestimmt zu werden muss nicht sein. Derzeit werden wir mit bedrohlichen Neuigkeiten überschüttet. Das Coronavirus nimmt einen guten Teil unserer Gedankenwelt ein, und je nach Nachricht, Tagesverfassung und was uns in diesem Moment sonst noch so beschäftigt, entstehen Gedanken-Karusselle in unserem Kopf, die Unsicherheit und Angst auslösen.

 

Ich möchte eine Möglichkeit aus meiner Tätigkeit als systemischer Coach aufzeigen, wie man damit besser umgehen kann:

 

Phase 1

Zuerst muss betrachtet werden, welche Gedanken uns besonders Angst machen. Das lässt natürlich zuerst wieder unangenehme Gefühle hochkommen. Nun ist es wichtig, dass uns klar wird, dass es in Ordnung ist, zunächst diese Gefühle zu spüren.

Negative Gefühle verursachen auch Reaktionen unseres Körpers. Der eine verspürt einen schnelleren Puls, feuchte Hände. Dem anderen wird kalt und er muss sich hinsetzen. Angst fühlt sich bei manchen auch an wie Verärgerung und lässt ihn aggressiv werden. Allen Reaktionen vereint, dass Atmung und Herzschlag beschleunigt sind und wir uns nicht wohl fühlen.

Da helfen ein paar richtig gesetzte Atemzüge: Man stellt sich am besten einen Einser (1) vor. Die kleine Strecke bergauf wird eingeatmet und den längeren geraden Strich nach unten ausgeatmet. Orthodoxe Christen nutzen diese Technik schon sehr lange für ihre meditativen Christusgebete. Kurze Strecke mit „Jesus Christus“ einatmen und die lange Strecke ausatmen mit „Herr und Erlöser, hilf mir, hilf der Gemeinde, steh uns bei, usw.“ Das ist natürlich die beste Kombination beten und sich dabei beruhigen.

 

Phase 2

Negative Gedanken, die immer wieder kommen, lässt man am besten los, indem man versucht sich selbst zu vergeben, in sie verwickelt zu sein. So kann ich mich unwohl bis panisch fühlen, wenn ich etwas über Corona höre oder lese. Ich muss ständig daran denken, obwohl ich selbst gesund bin. Oder die möglichen Folgen von Corona bestimmen meine Gefühlslage, obwohl es mir eigentlich nicht so schlecht geht. Hier reicht es, zu sich selbst zu sagen: „Ich vergebe mir diesen Gedanken. Ich bin mir bewusst, dass es jetzt aktuell eine vieles bestimmende Panepidemie gibt. Das kann ich nicht ändern, aber ich kann wählen, wie ich sie wahrnehme und was das aus mir macht!“

 

Dann kann Phase 3 erfolgen

Ich habe mir bewusst gemacht, welche Gedanken mich besonders ängstigen, habe mich mit richtigem Atmen und Beten beruhigt und ich habe ihnen „vergeben“. Jetzt ersetze ich diese angstvollen Gedanken durch andere, bessere Gedanken. Das könnte sein: Ich treffe die richtigen Vorsichtsmaßnahmen. Ich bin gesund, ich könnte jemand anderem helfen.

Am besten erfolgt dieser Prozess Schritt für Schritt. So werden die positiven Gedanken mit der Zeit stärker bzw. man beginnt auch immer wieder bei Phase 1, denn Angst zu haben gehört dazu.

 

Denken wir anschließend an meinen Lieblingsapostel Petrus. Er lief über das Wasser – bis er Angst bekam.

 

Eure 

Gabi Kraus

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