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Sendschreiben, Übergabe Evangeliar, Segen für den Erzbischof

Vorgetragen stellvertretend für die Erzdiözese durch Elisabeth Forstreiter, ehrenamtliche Pfarrgemeinderätin in Niederösterreich, und Otmar Spanner, hauptamtlicher Mitarbeiter des Erzbischofs.

18.01.2025

Eminenz, eine Generation lang gemeinsam, gemeinsam sind wir älter, aber auch Jünger und Jüngerinnen geworden. Keine Würdigung und keine Lobrede, sondern ein Blick auf unseren gemeinsamen Weg. Drei Punkte, das muss sein:

 

  1. Punkt: Gemeinsam: Deine Ermahnung an uns, aus dem gemeinsamen Priestertum heraus eigenständig Verantwortung für unseren aus der Tauf- und Firmgnade kommenden Auftrag zu Mission und Jüngerschaft zu übernehmen. Du hast den Namen Christoph ernst genommen und uns mithineingenommen ins Hinaustragen Gottes in die Welt.
  2. Punkt: Auf Augenhöhe: Du hast kein Draußen und Drinnen gekannt, kein oben und kein unten. Keine engen Grenzen gezogen, auf jene gehört, die nach neuen Perspektiven und dem weiten Blick gesucht haben. Auch deiner eigenen Verfügbarkeit keine Grenzen gezogen, bis selbst der Zeitmangel im Überfluss vorhanden war.
  3. Punkt: Du hast uns Freunde genannt: Es gab auch Narben, nicht alle Wunden sind verheilt. Vielleicht ist es im Rückblick Dein größter Schmerz, dass Du nicht mit allen Freund hast sein können, wo dir doch Freundschaft und Begegnung so wichtig waren. Aber umso größer die Freude, wo Versöhnung gelungen ist. Wie erfolgreich dein Episkopat war, mögen die Geschichtsbücher einmal ergründen. Unsere Freude heute ist es, auf die Freundschaft zu schauen, die du uns entgegengebracht hast – und uns selber zu prüfen, wie wir die Freundschaft erwidert haben.

 

Die Christinnen und Christen auf dem Gebiet der Erzdiözese Wien an Christoph Kardinal Schönborn, der fast 30 Jahre lang ihr Erzbischof ist:

 

Eminenz, geschätzter Erzbischof, lieber P. Christoph,

 

am heutigen Tag, an dem wir zurückblicken auf den fast 30-jährigen gemeinsamen Weg und an dem wir vorausblicken auf Deinen kommenden Lebensabschnitt als Emeritus, sagen wir Dir Danke für Dein JA – und noch mehr für Deine Treue zu Deinem JA.

 

Gott hat Dich gerufen und so viele von uns hast Du gerufen – eingeladen, bestätigt, getauft, gefirmt, ermächtigt, geweiht, gesalbt. Mit Dir versuchten wir, die Welt-Muttersprache Mitgefühl zu erlernen: ein offenes Ohr und ein offenes Herz für alle zu haben, die Zuflucht suchen; eine Herberge anzubieten für verwundete, arme, rast- oder orientierungslose Menschen. Dorthin riefst Du uns. Weil das Wort mitten in unserer Welt, durch uns alle, Fleisch werden soll. Diesem Ruf wollen wir treu bleiben.

 

Du und wir, durch 30 Jahre hindurch: Vieles vom gemeinsam Gebauten ist noch Stückwerk.

Manchen wurdest Du, wurden wir nicht gerecht. Nicht alles, was Du wolltest, konntest Du mit uns verwirklichen. Nicht alles, was wir von Dir wollten, konntest Du uns geben. Was auch immer war – Du hast immer die Hoffnung bewahrt und nicht einfach nur darüber geredet, sondern gelebt aus dem Wort und der Feier der Eucharistie, die Dir Quelle und Höhepunkt war und ist. Und Du hast uns alle immer mitgenommen in Deine Hoffnung, in Deinen hoffenden und vertrauenden Glauben.

 

Viele von uns haben das als Einladung oder als Herausforderung angenommen und ihr JA zum Leben aus dem Evangelium mit ihrer Unterschrift bestätigt. Dieses Buch gibt Dir davon Zeugnis: Seine ursprünglich leeren Seiten zwischen den Evangelien sind heute gefüllt mit den Namen von vielen, die mit Dir ein neues Kapitel der Apostelgeschichte für Wien und Niederösterreich geschrieben haben und das Evangelium „ubicumque et semper“ (immer und überall) … mit allem Freimut und ungehindert verkünden wollen. Wir vertrauen Dir dieses Evangelienbuch mit unseren Namen an, das uns viele Jahre begleitet hat.

 

Die Dir begegnet sind, wissen: Deine kommende Emeritierung wird Dir nur die Verantwortung für die Menschen Deiner Diözese von den Schultern nehmen, aber nicht Deine Sorge um sie. Wir danken Dir für Deine bleibende Anteilnahme an unserer Mission. Als Katholikinnen und Katholiken der Erzdiözese Wien senden wir Dich, unseren Bischof und Bruder Christoph, in den Dienst der Mitsorge, der Ermunterung durch Wort und Tat, des Zeugnisses für die Liebe Christi und wir erbitten Dir Gottes Beistand. Bitte bete weiter für uns und für alle, die im Evangeliar unterschrieben haben - ihre Namen stehen für alle Getauften und Gesendeten der Erzdiözese Wien - und wir versprechen, weiter für Dich zu beten.

 

„Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes, des Vaters, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei allezeit mit Dir.“ (vgl. 2 Kor 13,13)

 

Unendlich dankbar für Deinen Dienst und Dein Vertrauen in uns.

Sei herzlich und dankbar umarmt und gesegnet!

 

Deine Dir Anvertrauten

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