Bischöfe der katholischen Ostkirchen bei der Amtseinführung des Erzbischofs in Wien

Metropolit Fülöp Kocsis:
Am 24. Januar durften wir an einer wunderschönen Zeremonie in der Wiener St. Stephans-Kathedrale teilnehmen. Die gesamte Veranstaltung war geprägt von einer besonderen, mit Wiener Eleganz gemilderten deutschen Präzision, die durch den mit großer Sorgfalt zusammengestellten Musikdienst noch prächtiger wurde. Auf den ersten Blick schien die mit Gitarre, Cello und elektrischer Orgel gespielte Unterhaltungsmusik etwas befremdlich, zumal das Orchester vor dem Altar aufgestellt war und so sogar den würdevollen Einzug behinderte. Die an den östlichen Ritus gewohnte Sensibilität stößt schnell auf Widerstand gegen eine solche revolutionär anmutende Lösung, doch das ansonsten wunderschön klingende Frauenduo bereitete lediglich den Einzug vor. Diese zweifellos begeisternde, aber vielleicht unpassend erscheinende Musik erklang nur so lange, bis die Jugendlichen den zukünftigen Erzbischof in die Kirche begleiteten, der unterdessen vor der Ikone von Máriapócs stehen blieb, um zu beten. In der Mitte der Kirche wurde die Wasserweihe vollzogen, dann begleiteten die Priester und die anderthalbhundert Ministranten und schließlich die Bischöfe in Zweierreihen den Kandidaten weiter. Zu diesem Zeitpunkt steigerte bereits die Fanfare der Blechbläser, die Wände und Herzen zum Beben brachte, die Stimmung.
Während der Heiligen Messe erklangen verschiedene Chor- und Orchesterwerke von hoher künstlerischer Qualität, doch in den intimsten Momenten der Weihe, als die drei weihenden Bischöfe und dann nacheinander die anderen Hirten – aus dem Osten und Westen – ihre Hände auf den Kopf des zu Weihenden legten, war nichts anderes zu hören als der monumentale Klang der zwanzig Tonnen schweren Pummerin-Glocke. Wer all dies geplant hat, verstand etwas von Liturgie, Theologie und den Regungen der menschlichen Seele.
Am Ende der mit der Weihe verbundenen Heiligen Messe, bei der Amtseinführung des Erzbischofs, erlebten wir ebenfalls eine vielsagende, besondere Geste: Der Erzbischof, der sich anschickte, seinen Thron zu besteigen, wartete minutenlang auf den Hirtenstab. Man könnte sagen, dass dieser kleine Fauxpas in die perfekt organisierte Zeremonie hineinpasst, aber der Hirtenstab wurde nicht in der Sakristei gesucht, sondern auf ebenfalls gut organisierte Weise vom Eingang der Kirche aus von den Gläubigen von Hand zu Hand weitergereicht, bis er schließlich beim Erzbischof vor dem Thron ankam. Nicht der scheidende Wiener Erzbischof und auch nicht der als päpstlicher Gesandter anwesende Nuntius war also der Überbringer, sondern die Vollmacht kam vom Volk Gottes, sie gaben dem neuen Erzbischof den Hirtenstab in die Hand und baten ihn damit, bei seiner Führung und Leitung niemals die Gläubigen zu vergessen, die er nicht nur leitet, sondern die ihm – in Bestätigung der Entscheidung des Papstes – selbst die entsprechende Vollmacht erteilt haben. Das war schön.
Ein ähnliches, die Gemeinschaft stärkendes Element folgte nach all dem. Am Ende der Zeremonie begleiteten die Assistenz und die Gläubigen den neuen Erzbischof in einer schön gestalteten Weise aus der Kathedrale, und dann wurde das Beisammensein auf dem Platz vor der Kirche mit einer gemeinsamen Agape fortgesetzt. Die Geistlichen zogen also nicht an einen anderen Ort, es gab kein separates Fürstessen für sie, sondern alle – Erzbischöfe, Bischöfe, Priester, Ministranten, Gläubige – genossen gemeinsam das Gastmahl, das aus Würstchen und Bohneneintopf bestand. Dabei hatten alle Anwesenden die Möglichkeit, mit dem neuen Erzbischof von Wien zu sprechen und ein gemeinsames Foto zu machen. Josef Grünwidl nahm die Zuneigung der Menschen unermüdlich entgegen und vervielfachte sie mit seiner offenen Haltung, wodurch er der Kirche Österreichs schöne Hoffnung gab. Möge Gottes Segen auf ihm ruhen!
Josef Grünwidl wurde am 31. Jänner 1963 in Hollabrunn (Niederösterreich) geboren und wuchs im nahe gelegenen Wullersdorf auf. Er besuchte das Erzbischöfliche Gymnasium in Hollabrunn, wo er 1981 seine Matura ablegte. Anschließend trat er in das Wiener Priesterseminar ein.
Parallel zu seinem Theologiestudium an der Universität Wien absolvierte er eine Ausbildung zum Orgelkünstler (Konzertexamen) an der Musikakademie Wien. Zu Beginn seines Studiums war er noch unentschlossen zwischen den beiden Laufbahnen und den damit verbundenen Lebensweisen, aber ab dem Studienjahr 1983/84, das er als Auslandsstudium in Würzburg verbrachte, wurde ihm klar: „Musik ist mein Hobby, das Priesteramt ist meine Berufung.“
1987 wurde er von Weihbischof Helmut Krätzl zum Diakon geweiht. Sein Diakonat absolvierte er 1987/88 in Perchtoldsdorf. Am 29. Juni 1988 wurde er in der St.-Stephans-Kathedrale in Wien von Kardinal Franz König zum Priester geweiht.
Von 1988 bis 1991 war er als Kaplan in der Pfarrei St. Johannes Nepomuk in Wien tätig. von 1991 bis 1993 war er Kurator der Kathedrale in Wiener Neustadt, von 1993 bis 1995 war er Jugendseelsorger des Erzbistums Wien. Ab 1995 war er erster Sekretär des neu ernannten Wiener Erzbischofs Christoph Schönborn, eine Funktion, die er bis 1998 ausübte.
Von 1998 bis 2014 war er Pfarrer in Kirchberg am Wechsel, Feistritz, St. Corona und Trattenbach in Niederösterreich. Von 2007 bis 2014 war er gleichzeitig Dekan des Dekanats Kirchberg am Wechsel. Von 2014 bis 2023 war er Pfarrer in Perchtoldsdorf und von 2016 bis 2023 Dekan des gleichnamigen Dekanats. Von 2016 bis März 2023 war er auch geschäftsführender Vorsitzender des Wiener Priesterrats. Er legte dieses Amt nieder, nachdem Kardinal Schönborn ihn im Januar 2023 zum Bischofsvikar des Südvikariats ernannt hatte. Im November 2024 wurde er zum Ehrenkanoniker des Domkapitels der St.-Stephans-Kathedrale ernannt.
Am 22. Januar 2025, nach dem Rücktritt von Christoph Schönborn, ernannte Papst Franziskus ihn zum Apostolischen Administrator des Erzbistums Wien. Am 17. Oktober 2025 ernannte Papst Leo XIV. ihn zum Erzbischof von Wien.
In Österreich gibt es zwei Erzbistümer: Das Erzbistum Wien umfasst vier Diözesen, das Erzbistum Salzburg sechs.
Vielleicht spielte auch die Liebe des neuen Erzbischofs zur Musik eine Rolle dabei, dass die Musik bei seiner Bischofsweihe und seiner Amtseinführung eine so große Rolle spielte. Wir sehen erneut, dass die Liebe zur Musik den kirchlichen Dienst nicht behindert, sondern fruchtbar macht.
Deutsche Übersetzung: Edina Kiss.
Quelle: Püspökszentelés és érseki beiktatás Bécsben

Weihbischof von L'viv Volodymyr Hrutsa:
Am 24. Januar nahm Bischof Josef Grünwidl in Wien seinen kirchlichen Dienst an und trat offiziell das Amt des Erzbischofs an. Die Feierlichkeit im Stephansdom versammelte Bischöfe, Priester und Laien aus verschiedenen Ländern. Auch Vertreter anderer Ostkirchen waren anwesend, um Einheit, Unterstützung und die gemeinsame Verantwortung für den Dienst an den Menschen zu symbolisieren.
Der Vertreter der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche, Bischof Wolodymyr, überbrachte im Namen von Großerzbischof Swjatoslaw Grüße aus der Ukraine, versicherte Gebete und dankte für die Unterstützung des ukrainischen Volkes im Kriegszeiten. Erzbischof Josef bekräftigte im Gegenzug seine geistige Nähe: Er segnet die Ukrainer, betet für unser Volk und wird weiterhin solidarisch mit der Ukraine bleiben.
Die Göttliche Liturgie wurde von Kardinal Christoph Schönborn geleitet. In seiner Predigt sprach er darüber, wie wichtig es ist, im Leben auf Gott, das eigene Gewissen und die Menschen um einen herum zu hören. Er erinnerte auch an den Moment, als Erzbischof Josef darüber nachdachte, ob er diesen Dienst annehmen sollte: Anfangs zögerte er aufgrund seines Gewissens, da die Entscheidung nicht einfach war und innere Ehrlichkeit erforderte. Schließlich halfen ihm die Bitten der Menschen und das Empfinden für Gottes Willen, sich zu entscheiden.
Kardinal Schönborn teilte eine einfache, aber wesentliche Empfehlung für seinen Nachfolger: Habe keine Angst vor der Wahrheit, auch wenn sie unangenehm ist. Es ist gefährlich, wenn einem Leiter nur Gutes gesagt wird, besonders von den engsten Mitarbeitern. Es ist wichtig, nah bei den Menschen zu bleiben, den tatsächlichen Zustand der Dinge zu sehen und sich in seinem täglichen Dienst von der Liebe zum Nächsten leiten zu lassen.
Quelle: Українська Греко-Католицька Церква Львівська Архиєпархія
