„Durch unsere Bedürftigkeit können wir einander stärken“
Schröckenfuchs erinnerte, mit der einfachen alltäglichen Bitte Jesu am Jakobs-Brunnen „Gib mir bitte etwas zu trinken“ wurde „diese Begegnung auf Augenhöhe für die Frau zu einer ganz und gar heilsamen Erfahrung, nämlich gebraucht zu werden - und damit auch wertgeschätzt!“ Jesus gab „ihr Würde, und er zeigt vor ihr Respekt, und damit gibt er ihr, was sie so dringend braucht“, so der Pastor. Er betonte, mit der Begegnung von Menschen aus verschiedenen religiösen Traditionen, die „keine Gemeinschaft“ hatten, dazu noch einem jüdischen Mann und einer samaritanischen Frau „bricht Jesus nicht nur alle gesellschaftlichen Konventionen, sondern er zeigt sich auch als ein Mensch, der bedürftig ist und darauf angewiesen, dass ihm jemand anderer in seiner Bedürftigkeit hilft“.
„Wir alle sind bedürftig – als einzelne, und auch als Konfessionen. Wir brauchen einander. Dafür brauchen wir uns keineswegs zu schämen“ bekräftigte Schröckenfuchs. Und er betonte: „Unsere Bedürftigkeit ist nicht unsere Schwäche. Durch diese Bedürftigkeit können wir einander stärken“. Jesus brachte bei dem Gespräch am Jakobs-Brunnen die Samariterin mit ihrem Durst nach Leben in Berührung, konfrontierte sie mit ihrer Lebensgeschichte, ihrer Sehnsucht geliebt zu werden, eine Sehnsucht, die nicht Menschen, „sondern nur Gott allein“ stillen kann, so Schröckenfuchs.
Mit Haltung andere Religionen und Kulturen bereichern
Es sei „ganz egal, von welchem Ort oder ´Standpunkt´ aus Gott angebetet wird. Worauf es ankommt ist die Haltung in der wir zu Gott beten“, führte Schröckenfuchs näher aus. Wo uns dieses Bestreben eine, Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten, also „vor Gott ganz ehrlich zu sein“ sei „der entscheidende Schritt zur Einheit doch schon längst geschehen“, unterstrich der Pastor.
Schröckenfuchs gab zu bedenken, wir müssten uns „zu der Einsicht durchringen und sagen, wirkliche Gemeinschaft mit Christus ist überhaupt nur da möglich, wo wir uns in dieser Weise auf Augenhöhe begegnen. Denn `Christus nachzufolgen` heißt auch, ihm darin nachzufolgen, meine menschlichen Bedürftigkeit anzunehmen und sie anderen zur Verfügung zu stellen“. Er ergänzte, wir sollten „diese Erkenntnisse nicht nur auf unser Miteinander innerhalb der Ökumene beziehen, sondern überhaupt auf unser Miteinander mit den Menschen aus den verschiedenen Religionen und Kulturen, die in unserem Land leben.“ Wo wir es wagen, „unseren Mitmenschen in solchem ´zutrauen´ zu begegnen, da können auch heute Begegnungen zwischen Menschen verschiedene Religionen geschehen, durch die wir uns gegenseitig bereichern. Begegnungen, die heilsam sind – für beide Seiten“, so der Pastor.
VertreterInnen der Katholischen Pfarren Baumgarten, Hütteldorf, Kordon, Mariabrunn, Penzing und Wolfersberg, der Evangelischen Trinitatiskirche Hütteldorf, der Kreuzkirche Hietzing, der Evangelisch-reformierten Kirche H.B., der Evangelisch methodistischen Kirche, der Altkatholischen Kirche und der KA nahmen an dem Gottesdienst teil. Durch die gemeinsame Vorbereitung mit Symbolen, Impulstexten, Liedern und einer Begegnung am Brunnen wurde die Feier ein gemeinsames Fest.
Mit der Kollekte von 449 Euro wurden drei Projekte unterstützt: Eines zum Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt in Guatemala von Brot für die Welt, eines für Strassenkinder in Port a Prince, Haiti, der Deutschen Caritas und eines vom Ökumenischen Rates der Kirchen zur Ökumenischen Ausbildung zu Wegbereitern der Versöhnung der AG Christl. Kirchen in Deutschland.
Franz Vock