„Das Überlebensprinzip liegt in der Treue zu Gott und seinen Weisungen“
Da waren nicht nur mehrere Kompositionen des jungen österreichischen Musikers Daniel Muck oder auch das Gebet der Hl. Franziskus in der Fassung von Allen Pote, arrangiert von Robert Delgado, zu hören. Bei der durch den Schauspieler und Sprecherzieher Ferdinand Kaup sehr mitfühlend vorgetragenen Lesung aus dem 2. Buch der Chronik 36,14-16.19-23 2, 16-25 wurde sowohl der Zorn als auch das Erbarmen Gottes durch Verbannung und Befreiung des Volkes Israel nachvollziehbar.
Helmut Schüller, der Geistliche Assistent des Forums Zeit und Glaube/KAV, legte in seiner Predigt dazu erläuternd dar, mit der Geschichtsdeutung im Buch der Chronik werde das „Drama der Geschichte Israels offenbar“. Nachdem das Volk immer wieder „vom Bund mit Gott abgewichen“ sei, „Gott verloren“ habe und so „eine leichte Beute für die Welt“ wurde, kam es mit der Zerstörung Jerusalems 587 v. Christus zu einem „traumatischen Erlebnis“. Den Israeliten wurde klar, das Überlebensprinzip liege „in der Treue zu Gott und seinen Weisungen“, sagte Schüller.
Sieben StudentInnen unterstützt
Anschließend ersuchte die Diözesansekretärin der KHJ Wien, Bettina Sohm, den „Sozialfonds der KHJ-Wien für in- und ausländische Studierende unter 35 in finanziellen Notlagen“ zu unterstützen. Sohm führte dazu aus: „Durch Spendengelder konnten wir seit dem letzten Semester insgesamt sieben Studentinnen und Studenten aus afrikanischen Herkunftsländern (Mali, Nigeria, Madagaskar) und dem Iran fördern. Beispiele für die finanziellen Nöte und Belastungen sind uns allen bekannt: Hohe Studiengebühren, teure Bücher und Deutschkurse für das Studium, Mieten, Kautionen, Studieren mit Kind oder langwierige Asylverfahren. Mit Ihrer Spende können Sie dazu beitragen, dass diesen Studentinnen und Studenten der schwierige Lebensalltag etwas erleichtert werden kann“, schloss Sohm, die am Ende für das Spendenergebnis von 277€ herzlich dankte.
Zum Ausklang der Feier trug der Stellvertretende Vorsitzende des KAV, Hans Kouba, noch das Gedicht „An mein Herz an einem Sonntag“ von Wislawa Szymborska vor. Nach dem inspirierenden Gottesdienst nützten die zahlreichen Mitfeiernden das anschließende Zusammensein im Stephanisaal des Curhauses bei Brot und Wein zum Dialogs und zu weiteren angeregten Gesprächen.
Franz Vock
An mein Herz an einem Sonntag
Ich danke dir, meine Herz,
dass du nicht säumst, dass du dich regst,
ohne Entgelt und ohne Lohn
aus angeborenem Fleiß.
Siebzig Verdienste hast du in einer Minute.
Jede deiner Muskelbewegungen
ist wie der Anstoß eines Bootes
ins offene Meer
zur Fahrt um die Welt.
Ich danke dir, mein Herz,
dass du mich ab und zu
herausnimmst aus der Ganzheit
als Einzelheit selbst im Traum.
Du sorgst dafür, dass ich mich nicht
ganz und gar verflüchtige
in einem Flug,
der keine Flügel braucht.
Ich danke dir mein Herz,
dass ich wieder erwacht bin - und obwohl es Sonntag ist,
ein Tag der Ruhe,
hält der Verkehr unter den Rippen an
wie sonst an den Wochentagen.
Wislawa Szymborska