Freitag 20. März 2026
Evangelium von heute Joh 7, 1-2.10.25-30 "In jener Zeit zog Jesus in Galiläa umher..."

Trauma-sensibel begleiten

Menschen sicher in ihrer Selbstbestimmtheit stärken

„Heilung geschieht nicht durch Druck, sondern in sicheren Beziehungen“
Jährliches Austauschtreffen von rund 40 Begleiter*innen der Erzdiözese Wien

 

Viele Menschen, die wir in der Diözese begleiten, haben schlimme und verstörende Erfahrungen hinter sich. Manche kommen gut damit zurecht, bei anderen wirkt die Vergangenheit weiterhin belastend nach. Ab wann lässt sich von einem Trauma sprechen? Und wie können wir Menschen, die mit solchen Belastungen zu uns kommen, gut begleiten – also Trauma-sensibel agieren, damit sie in ihrer Selbstbestimmtheit wachsen können? Über diese und andere Fragen diskutierten am 18. März 2026 rund 40 in der Erzdiözese Wien tätigen Begleiter*innen beim jährlichen Austauschtreffen.

 

 

 



Unter dem Titel „Trauma-sensibel begleiten – Menschen sicher in ihrer Selbstbestimmtheit stärken“ organisierte der Bereich „Christsein. Christwerden“ (Pastoralamt) heuer zum sechsten Mal ein Austauschtreffen für Begleiter*innen, die in der Erzdiözese Wien in der Geistlichen Begleitung, in der Berufungspastoral oder im Erwachsenenkatechumenat tätig sind.

 

Referentin war Dr. Elisabeth Reichel, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutin, ehemalige ärztliche Leiterin eines forensisch-therapeutischen Zentrums, Lehrtherapeutin, geistliche Begleiterin, Coach von Gemeinschaften und Gruppen sowie Mitglied der Fokolar-Bewegung.

 

Do's und Don'ts traumasensibler Begleitung

Nach einer theoretischen Einführung in das komplexe Feld der posttraumatischen Belastungsstörung und der Trauerstörung – einschließlich ihrer Einordnung, Symptome und therapeutischen Ansätze – sowie einer ersten Gruppenphase erläuterte Dr. Reichel die Grundhaltungen sowie die Do’s and Don’ts traumasensibler geistlicher Begleitung.

 

Sicherheit schaffen
Traumasensible Begleitung schafft vor allem eines: Sicherheit. Klare Strukturen, eine ruhige Präsenz und Transparenz tragen dazu bei, Vertrauen wachsen zu lassen. Dabei bestimmt die begleitete Person jederzeit selbst Tempo und Tiefe – nichts muss erzählt oder erneut durchlebt werden. Heilung entsteht nicht durch Druck, sondern innerhalb sicherer Beziehungen.

 

Erden und stabilisieren

Im Gespräch unterstützt eine einladende und klare Sprache diesen Prozess. Gefühle werden ernst genommen, Grenzen konsequent respektiert. Es geht nicht darum, etwas zu deuten oder zu erklären – auch nicht auf spiritueller Ebene. Stattdessen können erdende Elemente wie bewusste Atmung oder achtsame Wahrnehmung stabilisierend wirken. Auch Spiritualität wird behutsam gestaltet: Gebete und Texte sind Angebote, keine Verpflichtungen. Inhalte stellen Schutz, Würde und Freiheit in den Mittelpunkt. Rituale werden im Vorfeld erklärt und nur dann eingesetzt, wenn sie sich für die begleitete Person stimmig anfühlen. Gleiches gilt für Momente der Stille – auch sie sollten Sicherheit vermitteln.

 

Begleitung ist keine Therapie

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Reflexion der eigenen Rolle: Geistliche Begleitung ersetzt keine Therapie. Daher sind Selbstreflexion, Supervision und ein klares Bewusstsein für die eigenen Grenzen zentral. Begleitung bedeutet, präsent zu sein – ohne zu drängen oder retten zu wollen. Wenn Themen überfordern, ist es selbstverständlich, an therapeutische Fachstellen zu verweisen.

 

Konkrete Hilfestellungen für Gesprächsformulierungen, die Begleiter*innen in solchen Situationen unterstützen können, lieferten wertvolle Impulse und bereicherten die anschließende, anregende Diskussion am Nachmittag.

 

Edina Kiss

Neues aus der Erzdiözese Wien

Pastoralamt der ED. Wien Christsein.Christwerden
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