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Pfarre Engelhartstetten
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Auftrag und Ziel der Restaurierung
Die Gemeinde Orth an der Donau beauftragte 2024 die Universität für angewandte Kunst Wien, Institut für Konservierung und Restaurierung, mit der Restaurierung der gefasste Steinskulptur des Hl. Antonius aus der Orther Antoniuskapelle (Ecke Wienerstraße/Kapellenweg). Ziel der mit der Restaurierung verbundenen Diplomarbeit1) war es, dieses Kleindenkmal nicht nur fachgerecht zu erhalten, sondern auch seinen besonderen Identitätswert sichtbar zu machen. Eine erste Begutachtung brachte ans Licht: Die Skulptur ist mehr als 275 Jahre alt und wurde im Laufe der Zeit mindestens 12 Mal übermalt und restauriert.
Eine kulturhistorische Sensation für Orth - Ergebnisse mit besonderer Bedeutung
Anlässlich der Restaurierung ergab sich für Orth eine kleine kulturhistorisch relevante Sensation, denn eine Steinstatue des Heiligen Antonius in Niederösterreich war bislang in der Fachwelt nicht bekannt. Jene aus Orth an der Donau stellt somit ein Novum dar.
Historische Bedeutung der Antoniusstatue
Die Statue des Heiligen Antonius stammte ursprünglich aus einer im Zuge der josephinischen Reformen um 1783 abgetragenen Antoniuskirche am westlichen Ortsende der Marktgemeinde. Diese Kirche - in einer Landkarte 1781 noch verzeichnet2) - war so groß, dass der Erlös des Abbruchmaterials den Lebensunterhalt einer Person rund 15 Jahre sichern konnte. Ein Teil des Geldes wurde für die Schulen in Orth und Breitstetten verwendet, die mittlerweile verschollene Glocke von 1676 und die wertvollen Kehlheimer Bodenplatten kamen in die Kirche nach Breitstetten.
Einzig die Statue des Heiligen Antonius wurde vor rund 275 Jahren mittels Spendensammlungen von Orther Privatpersonen aufgekauft. Durch den Bau einer Kapelle im Jahr 1819 an Stelle der alten Antoniuskirche wurde die Statue allen Besucher*innen zugänglich gemacht; als regional bedeutendes Kleindenkmal blieb sie bis heute erhalten, ist eng mit dem gesellschaftlichen Leben der Gemeinde verbunden und wird jährlich am 13. Juni für Andachten vor der Kapelle genutzt.
Restaurierungsarbeiten und wissenschaftliche Untersuchungen
Die Skulptur des Heiligen Antonius von Padua in franziskanischer Ordenstracht mit dem Jesuskind auf dem Arm, besteht überwiegend aus porösen Kalkarenit der Gegend Au oder Loretto.
Schäden wie Ablösungen der Farbschichten, Witterungsspuren und ältere Überarbeitungen wurden ab Oktober 2024 in der Werkstätte der Universität für angewandte Kunst im Wiener Arsenal sorgfältig untersucht und behandelt. Mittels chemischer und mikroskopischer Methoden konnten Altersbestimmungen durchgeführt und Rückschlüsse auf den ursprünglichen Einsatz gezogen werden. Die Entstehungszeit wird um 1750 datiert.
1) Anna Maria Rockenschaub: Umgang mit polychromen Kleindenkmälern ohne Denkmalschutz: Die langfristige Erhaltung einer Antonius Steinskulptur (um 1750) durch die partizipative Konzeptentwicklung mit der Gemeinde Orth an der Donau (2025)
Abstract aus der Diplomarbeit Umgang mit polychromen Kleindenkmälern ohne Denkmalschutz: Die langfristige Erhaltung einer Antonius-Steinskulptur (um 1750) durch die partizipative Konzeptentwicklung mit der Gemeinde Orth an der Donau
Die Entwicklung und Umsetzung einer nachhaltigen Erhaltungsstrategie für die polychrom gefasste Steinskulptur des Heiligen Antonius von Padua (um 1750) aus der Antoniuskapelle in Orth an der Donau, Niederösterreich, steht im Zentrum dieser Diplomarbeit. Die Strategie beinhaltet ein partizipativ erarbeitetes Restaurierungskonzept und verfolgt mit der aktiven Einbindung der Gemeinde den Ansatz einer community based conservation. Durch materialtechnische Analysen und die Erfassung des überlieferten Erhaltungszustands werden sowohl die kunsthistorische Bedeutung als auch die starke gesellschaftliche Verankerung des Kleindenkmals herausgearbeitet. Die Arbeit zeigt, dass Denkmalbestand insbesondere bei nicht unter Denkmalschutz stehenden Objekten durch gemeinschaftliche Verantwortung und Identifikation der Bevölkerung gesichert werden kann. Diese Herangehensweise dient als Modell für vergleichbare Projekte und unterstreicht die Bedeutung von oft unterschätzten Kleindenkmälern.