Donnerstag 24. September 2026

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Pfarrkirche Breitenfeld

Unsere Pfarrkirche befindet sich am Uhlplatz, gleich neben dem Gürtel auf Höhe der  U6 -Station Josefstädterstraße.

Unsere Pfarrkirche steht direkt mit dem Haupttor zum Gürtel und ist von der U6 aus gut sichtbar.  

Wer aus der U6-Station Josefstädter Straße in Richtung innerer Gürtel geht, sieht sie, sobald er das U-Bahn-Gebäude verlässt. 


Öffnungszeiten der Kirche:
derzeit nur zu den Gottesdiensten

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Die Chorfenster hinterm Hochaltar

Nach der Zerstörung der Kirche im Zweiten Weltkrieg wurden die Fensteröffnungen provisorisch mit einfarbigem Glas verschlossen. Rechtzeitig zur 60-Jahr-Feier 1958 konnten neue Kirchenfenster installiert werden, die – wie auch ihre Vorgänger – ausschließlich durch Spenden finanziert wurden. Die vom ungarischen Künstler Franz Deéd (1923-1983) geschaffenen Motivfenster wurden in Grisailletechnik ausschließlich in Grau, Weiß und Schwarz ausgeführt.

Die Fenster des Kirchenschiffs zeigen Darstellungen von Heiligen, die Motivfenster des Querschiffs zeigen Szenen aus dem Leben des hl. Franz von Assisi und des hl. Franz Xaver. Die drei Chorfenster haben ein theologisches Bildprogramm, das sich jeweils um die Zahl 7 dreht.

die 7 Tage der Schöpfung
Gregor Jansen / die 7 Tage der Schöpfung

Das linke Chorfenster stellt die sieben Tage der Schöpfung dar

Die Schöpfungshand Gottes wird zentral im oberen Rund segnend dargestellt, von ihr geht alles Leben aus. Sie ist umgeben von den „Lichtern am Himmel“ Sonne, Mond und Sternen. Der biblische Schöpfungshymnus Gen 1,1 – 2,4a (die erste Lesung in der Feier der Osternacht) teilt die Schöpfung in sechs Tage ein. Der siebte Tag ist der Ruhetag (Schabbat), der die Schöpfung krönt und vollendet.

Der Geist Gottes (symbolisiert durch die Hand) schwebt von Anbeginn über dem Wasser. Das erste Schöpferwort Gottes „Es werde Licht“ führt vom Chaos der Urflut in die Ordnung des Kosmos. In der Darstellung geht alles Licht von der Schöpferhand Gottes aus.

In vielen Aspekten stellt der priesterschriftliche Schöpfungshymnus ein Gegenmodell zu den Religionen anderer Völker dar: Während dort Sonne, Mond und Sterne als eigene Gottheiten verehrt werden, sind sie in der Bibel nur „Lichter“, die der Schöpfer am Himmelsgewölbe befestigt. Ihre Funktion ist dienend: Mit ihrer Hilfe können Jahre und Festzeiten bestimmt werden.
Ähnliches gilt auch für die Tiere, die etwa in Ägypten mit Gottheiten verbunden wurden. Alles Leben wird von Gott ins Leben gerufen. Die vielen Details des Fensters zeigen die Vielfalt der Schöpfung: Pflanzen, Tiere des Wassers, des Landes und der Luft.

Im Zentrum steht ein Baum, neben dem der Mensch „als Abbild Gottes“, „männlich und weiblich“ dargestellt ist (Gen 1,26-27). Beide Menschen sind gleich an Würde geschaffen (Gen 1,27), sie erheben beide ihre Hand lobend zu Gott. Nur von ihnen wird gesagt, dass Gott sie segnet, aber sie haben als Teil der Schöpfung auch den besonderen Auftrag, sie zu bewahren und zu pflegen.

Auch, wenn wir mit dem Baum vielleicht eher die Geschichte des Sündenfalls verbinden, scheint der Künstler hier den Baum des Lebens (Gen 2,9) darzustellen, der buchstäblich in den Himmel wächst. Bemerkenswert ist, dass der Künstler die Schlange, die später beim Sündenfall als Personifikation des Bösen auftritt, nicht prominent darstellt (nur im Wasser ist eine Schlange oder ein schlangenförmiger Fisch zu erahnen). Das Böse ist noch nicht eingedrungen, die Menschen schämen sich noch nicht ihrer Nacktheit und müssen sich noch nicht vor Gott verstecken. Die Darstellung zeigt also die Harmonie der Schöpfung, in der sich Mensch und Natur vor dem Verlust des Paradieses befinden: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut.“ (Gen 1,31)

(Gregor Jansen, April 2020)

die 7 Gaben des Heiligen Geistes
Gregor Jansen / die 7 Gaben des Heiligen Geistes

Das mittlere Chorfenster stellt die 7 Gaben des Heiligen Geistes dar

„Sende deinen Geist aus und alles wird neu“

Wir betrachten diesmal das mittlere Chorfenster, das direkt hinter dem Hochaltar liegt und daher meist kaum zu sehen ist. Auch das theologische Bildprogramm dieses Fensters dreht sich um die Zahl 7: Hier sind es die sieben Gaben des Hl Geistes, die der Künstler dargestellt hat.

An diesem Fenster sind leider einige Scheiben schon sehr verblasst, so dass der ursprüngliche Eindruck nicht mehr vollständig sichtbar ist.

Den oberen Bildbereich dominiert wieder ein Symbol Gottes, von dem alles Licht und die ganze Dynamik des Bildes ausgeht: Die drei ineinander liegenden Dreiecke zitieren das klassische Motiv der Dreifaltigkeit mit der Sonne bzw. dem „Auge Gottes“ im Zentrum. Die Dreiecke sind eingefasst in drei konzentrische Kreise, in denen wiederum drei mal drei Formen zu sehen sind, die mit etwas Fantasie als Hände gedeutet werden können. Die Darstellung deutet ein Rotieren der Kreise an, womit die Dynamik der göttlichen Dreifaltigkeit angedeutet werden könnte. Dieses Symbol der göttlichen Präsenz ist – wie im benachbarten Schöpfungsfenster – der Ursprung von Lichtstrahlen. Durch die exakte Ost-Ausrichtung der Kirche scheint die aufgehende Sonne am Morgen genau durch dieses Lichtsymbol.

Über die weiteren Felder des Fensters verteilt ergießen sich Flammen (Feuerzungen) und sieben Medaillons, welche die Gaben des Hl. Geistes symbolisieren. Die Flammen verweisen auf das Pfingstereignis (Apg 2).

Als sieben Gaben des Hl. Geistes werden traditionell Weisheit, Einsicht, Rat, Erkenntnis, Stärke, Frömmigkeit und Gottesfurcht bezeichnet, von denen sechs dem Buch Jesaja (Kap.11) entnommen sind. Hier werden sie als Eigenschaften des verheißenen Messias beschrieben. Dieser wird vom Geist Gottes, also vom Heiligen Geist, bestärkt. Jesaja nennt sechs Gaben, die paarweise erscheinen und drei unterschiedliche Aspekte beleuchten:

Weisheit und Einsicht: Diese Eigenschaften beziehen sich auf die menschlichen Charakterstärken des Königs;

Rat und Kraft: Diese Eigenschaften zeichnen die Amtsführung des Königs aus;

Erkenntnis und Furcht des Herrn („Gottesfurcht“): Diese Eigenschaften verweisen auf die religiöse Haltung, die Beziehung zu Gott

In späteren Bibelübersetzungen wurde auch eine 7. Gabe, die Frömmigkeit, hinzugefügt, woraus sich in der katholischen Theologie die Lehre von den 7 Gaben des Heiligen Geistes entwickelte.

In der sehr bewegten künstlerischen Darstellung des Fensters wird die Dynamik der „Ausgießung“ der Geistesgaben zum Ausdruck gebracht: Der Heilige Geist wirkt nicht nur im Messias, sondern in jedem Menschen, der an Gott glaubt und sein Leben so gestaltet, dass Gott darin einen zentralen Platz einnehmen kann. Da wir nicht unfehlbar und perfekt sind, können wir nicht aus eigener Kraft zu Gott gelangen, sondern wir können darauf vertrauen, dass er uns dabei stärkt. Daher glauben wir, dass der Heilige Geist eine Verbindung zwischen uns und Gott ist und uns dauerhaft mit Eigenschaften ausstattet, die unsere Persönlichkeit im positiven Sinne verändern. Diese Eigenschaften, die uns prägen und uns bekräftigen, nennen wir „Gaben des Geistes“.

Näheres zu den (sieben) Geistesgaben kann hier nachgelesen werden: https://www.erzdioezese-wien.at/7-gaben-des-heiligen-geistes

Das „Hl. Geist“- oder „Pfingstfenster“ passt thematisch gut in die 50tägige Osterzeit, in der wir besonders die Gaben des Hl. Geistes erbitten. Vielleicht ist die abstrakte Darstellung als Einladung zu verstehen, darüber nachzudenken, welche Gaben mir gegeben wurden bzw. welche mir und uns als Gemeinschaft fehlen. Im Gebet um den Hl. Geist bitten wir um Stärkung der vorhandenen Gaben und auch um die Ergänzung dessen, was uns noch fehlt. Hier kann auf den Apostel Paulus (1 Kor 12) verwiesen werden, der einerseits eine Vielzahl verschiedener Geistbegabungen aufzählt, zugleich aber immer die ganze Gemeinde als Trägerin der Geistesgaben (Charismen) deutet: Erst in der Gemeinschaft aller Glaubenden ist die Fülle der Gnadengaben vorhanden und wirksam.

Das Modell der charismatischen Funktionen bei Paulus basiert auf einer theologischen Deutung, die menschliche Begabungen und Gottes Geist verbindet. Es knüpft an den natürlichen Fähigkeiten und Begabungen der Christen an, erkennt darin aber zugleich das Gemeinde bildende, eine neue Lebenswirklichkeit schaffende Wirken des göttlichen Geistes. Charismen sind das, was der oder die Einzelne kann und in das Leben der Gemeinde einbringt.

Dabei sind die Begabungen nicht Selbstzweck. Daher führt Paulus ein Regulativ für das Verständnis der Charismen ein: den Gemeinschaftsbezug. Alle Charismen müssen sich am Kriterium des „Nutzens“ für die anderen, für die Gemeinschaft messen (1 Kor 12,7) und haben dem „Aufbau der Gemeinde“ zu dienen (14,5.12).

Ein letzter Aspekt zum Breitenfelder „Pfingstfenster“:
Das Licht der im Osten aufgehenden Sonne strahlt durch das Fenster und – bedingt durch die Architektur der Kirche – quasi durch den Hochaltar und den Hauptaltar („Volksaltar“) der Kirche in die zum Gottesdienst versammelte Gemeinde hinein. Die Gemeinde der Glaubenden ist letztlich Trägerin der Geistesgaben und bittet gleichzeitig immer um die Erneuerung: „Sende deinen Geist aus und alles wird neu“.

(Gregor Jansen, April 2020)

die 7 Sakramente
Gregor Jansen / die 7 Sakramente

Die Sakramente – Christus in der Kelter

Das rechte der drei Chorfenster zeigt die sieben Sakramente der Kirche:

Das in der oberen Fenster-Rundung abgebildete Licht- bzw. Sonnensymbol hat hier die Dornenkrone Jesu im Zentrum, von der die Lichtstrahlen ausgehen. Darunter hat der Künstler ein altes, vielleicht etwas verstörendes, Symbolbild gewählt, das aber in der kirchlichen Bildsprache eine lange Tradition hat: Christus in der Kelter. Seit dem 12. Jahrhundert gibt es diese allegorische Darstellung, in der der gekreuzigte Christus – deutlich erkennbar sind die Wunden an den Händen und der Seite sowie die Dornenkrone – in einer Weinpresse (Kelter) steht und Weintrauben mit den Füßen zertritt. Zugleich ist er aber auch selbst in der Presse eingespannt und sein Blut fließt in den Wein. Drei Tauben schweben um die Kelter herum.

„Wir finden die Vorstellung von Christus als Keltertreter von Anfang an bei allen Vätern; schon Tertullian († um 220) sieht in 1. Mos. 49, 11 eine Leidensvorhersage Christi und sagt in Anspielung auf Jes. 63, 1–6: ‚Der prophetische Geist hat nämlich den Herrn geschaut, wie er zum Leiden kam, angetan mit dem Fleische eines Menschen und in ihm leidend. Er bezeichnete den im Fleische Leidenden als rotbefleckt am Gewande, als ausgetreten und ausgepresst, als käme er von der Kelterstätte‘ (Adv. Marc. 4. – Migne P. L. 2, 493).
Von den Vätern übernahmen die mittelalterlichen Theologen die Gedanken vom mystischen Keltertreter. Sie konnten sich darin Christus sowohl aktiv als Sieger vorstellen: die Kelter tretend, als auch passiv in der freiwilligen Leidensübernahme: ausgepresst wie eine Traube in der Kelter. ‚Er kelterte, da er sich freiwillig für uns hingab, er wurde gekeltert wie eine Traube, da er unter dem Druck des Kreuzes den Wein von der Hülle des Körpers ausscheiden ließ und seinen Geist aushauchte‘ (Rupert von Deutz, In Isaiam 2, 29).
Diese allegorischen Vorstellungen der m.a. Theologen blieben aber nicht nur Gelehrtenerörterungen, sondern fanden weiteste Verbreitung im christlichen Volk, das die Gedankenwelt in Betrachtung und Gebet, durch Predigten und liturgische Texte, lateinische Hymnen und deutsche Kirchenlieder in sich aufnahm“ (aus: RDK Labor, Website des Reallexikons zur deutschen Kunstgeschichte, Artikel „Christus in der Kelter“)

Wenn man genau hinschaut, ist hier nicht der leidende Christus dargestellt, sondern er gibt freiwillig sein Blut. Das Gesicht ist ruhig lächelnd dargestellt. Die Hände sind nicht mehr angenagelt, sondern wie im Gebet erhoben.

Am unteren Ende hat die Kelter sieben Auslässe, aus denen der Wein herausfließt in sieben strahlende Medaillons, welche Symbole der Sakramente der Kirche tragen. Zentral und am größten ist dabei die Eucharistie – das Sakrament des Leibes und Blutes Christi – dargestellt. Die gewählten Symbole Brotkorb und Fisch verweisen auf die Speisung der 5000 im Evangelium. Hier wird angedeutet, was auch das II. Vatikanische Konzil ausdrückt, wenn es die Eucharistie als „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (LG 11) bezeichnet.
Kleiner im Halbkreis darunter sind die anderen Sakramente mit Symbolen dargestellt:
Links die Taufe (deren Symbol ich nicht richtig erkennen kann – vielleicht hat jemand eine Idee, was genau hier dargestellt ist?), dann die Firmung (Taube und Feuerzunge als Symbol der Geistsendung), die Weihe (Stola als Zeichen des Weihepriestertums), die Ehe (zwei ineinandergelegte Hände), die Buße (ein Hahn – wohl eine Anspielung auf die Reue des Petrus nach der Verleugnung) sowie die Krankensalbung (dargestellt ist ein Ölgefäß, wie es zur Salbung verwendet wird).

Von allen Medaillons gehen Lichtstrahlen aus, die andeuten, dass in den Sakramenten Gott selbst wirkt und das Leben der Gläubigen mit seinem Licht erleuchtet.

Weitere Informationen zur Darstellung „Christus in der Kelter“ in der Kunstgeschichte: http://www.rdklabor.de/wiki/Christus_in_der_Kelter

(Gregor Jansen, April 2020)