Sonntag 14. Juni 2026

Suche auf der Website

Vom Mittelalter ins 15. Jahrhundert

 

Ein Blick auf den alten Ortsplan von Lainz lässt uns recht den Wandel der Zeiten erkennen. Wo sich heute Villen und großstädtische Wohnbauten erheben, säumten einst inmitten von Wiesen und Ackerland Bauern- und einfache Landhäuser die Feldwege und Dorfstraßen.

Die Gegenwart hat davon nicht viel übrig gelassen. Ein Wahrzeichen aus alten Tagen aber blieb in seinem Bestande erhalten: die altehrwürdige Pfarrkirche! Sie bildet nach wie vor den Brennpunkt des Lainzer Ortsbildes. Lainz und sein Nachbar Speising, eingebettet zwischen Küniglberg und den Hängen des Wienerwaldes, reichen geschichtlich bis in die Zeit der Babenberger zurück. Der Siedlungsbeginn dürfte im 12. Jahrhundert liegen. Damals waren Lainz und Speising kleine Ansiedlungen von Holzfällern und Bauern. Beide Ortschaften hatten enge Beziehungen zueinander. Sie waren ja gemeinsam in Besitz verschiedener adeliger Familien, deren Namen noch heute in Gassenbezeichnungen fortleben (Chrudnergasse, Ratmannsdorfgasse, Sauraugasse).

1609 scheinen Lainz und Speising als gern besuchte Jagdorte des Kaisers Matthias auf. Später gelangten die beiden Ortschaften an die Jesuiten, von diesen an die erzherzogliche Herrschaft von St. Veit. Ursprünglich war Lainz der Pfarre Penzing angeschlossen. Auf dem Platz, wo heute die Kirche steht, befand sich eine hölzerne Säule mit einem Dreifaltigkeitsbild. Ober dieses wurde durch Conrad Sponfelder ein Kirchlein erbaut. Das Jahr 1421 dürfte wohl als das seiner Grundsteinlegung zu bezeichnen sein. Doch scheint der Bau nur langsame Fortschritte gemacht zu haben, da milde Stiftungen für seine Fortführung aus den Jahren 1425 bis 1428 Zeugnis dafür ablegen. Bald nach dieser Zeit wird die Fertigstellung erfolgt sein.

Die Kirche erhielt ihr Patrozinium zur heiligsten Dreifaltigkeit durch die Weihe in einem unbekannten Jahr. Sie führte lange das Dasein einer stillen Dorfkirche.

Türkenkriege, Barockzeit und Wallfahrten

 

Nur die beiden Türkeneinfälle von 1529 und 1683 haben auch sie mit starken Schäden umbrandet. Sie waren nach dem zweiten Kriegssturm so bedeutend, dass die Kirche in ihrer alten, uns unbekannten Form abgebrochen und 1736 auf Anordnung "seiner hochfürstlichen Eminenz, des Herrn Kardinal Sigismund v. Kollonitz, Fürsterzbischofs von Wien", durch einen neuen Barockbau ersetzt werden musste. Im äußeren Bau haben wir einen barocken Landkirchentyp vor uns, im inneren ist sie als ovaler Zentralbau von bedeutender Wirkung gestaltet. Als Maurermeister wird ein Georg Bock genannt. Erst seit dem 18. Jahrhundert hat das Patrozinium zur heiligsten Dreifaltigkeit ein regeres kirchliches und volkstümliches Leben in ihre Räume gebracht. Sie gestaltete sich dank diesem zur Wallfahrtskirche. Die großen Pestepidemien Wiens der Jahre 1679 und 1713, die dank des Schutzes des "allmächtigen und dreieinigen Gottes" die Bewohner von Lainz gänzlich verschonten, hatten die Aufmerksamkeit auf ihre Kirche gelenkt. Die über die schreckliche Pest entsetzte Menschheit hatte sich dem Schutz der heiligsten Dreifaltigkeit anvertraut. Das Volk sah in ihr eine höchste Häufung von göttlicher Kraft, von der allein man Hilfe erhoffen konnte. Es entstanden daher in unserer Heimat vielfach Dreifaltigkeitskirchen, die sich als Palladien gegen diese Geißel der Menschheit erweisen sollten, so das bedeutendste in Sonntagsberg (1490), daneben etwa Karnabrunn (1679), Paura (1714) und andere. Da Wien aber bis zur Pestepidemie von 1679 keine Dreifaltigkeitskirche besaß, wurde dieses kleine, vor den Toren Wiens gelegene Dorfkirchlein bald das willkommene Ziel der von der Pest geängstigten Wallfahrerscharen. Schon 1679 gelobte das Personal des Münzamtes eine jährliche Wallfahrt zum Dreifaltigkeitsheiligtum nach Lainz. Verschiedene Stiftungen in der Kirche erinnern heute noch an die Jubiläen ihrer Wallfahrten. 1703 verbanden sich die Mitglieder der starken Fleischhauer-Innung zu einem Pestgelübde. Dann gesellten sich die Hutmacher dazu. Im 18. Jahrhundert die Buchbinder, die in Lainz ihr beliebtes Buchbinderfest feierten.

Die Fleischhauer verlegten ihren Wallfahrtstag mit Anfang des 19. Jahrhunderts infolge einer kaiserlichen Verfügung bezüglich des Genusses der Fleischspeisen in der kirchlichen Fastenzeit später auf den Mariä-Verkündigungstag. Das war die Glanzzeit der Kirche in Lainz. Aber noch, als die Schwester der Pest, die Cholera, im Jahre 1833 in Wien verheerend herrschte, erinnerte man sich wieder der Seuchenabwehr der Lainzer Dreifaltigkeit. Tatsächlich ist wunderbarerweise in Lainz selbst im Jahre 1832 niemand dieser Krankheit erlegen, auch nicht im Jahre 1836, als sie noch Nachlese hielt. Der Pfarrherr Dom. Huber bestätigt dies.

Die Dreifaltigkeitskirche im 18. Jahrhundert

 

Wir erwähnen noch, daß die Wiener Dreifaltigkeits-Bruderschaft im 18. Jahrhundert im Juni Prozessionen nach Lainz abhielt. Auch die Pfarre St. Leopold im zweiten Bezirk erschien im 18. Jahrhundert alljährlich mit einem Pilgerzug. Ebenso hatte sich die Gemeinde von St. Ulrich (7. Bezirk) durch ein Pestgelübde zu einer jährlichen Wallfahrt nach Lainz im Jahre 1679 verpflichtet.

Bald nach dem Bau der zweiten Kirche kam das Dreifaltigkeitsbild von van Ros auf den Hochaltar. Vom selben Künstler sind auch die Bilder der Taufe Jesu und der Schmerzhaften Mutter auf den beiden kleinen Seitenaltären. Zwei große Bilder der hl. Mutter Anna und des hl. Expeditus stammen aus dem 18. Jahrhundert. Die Verehrung dieser beiden Heiligen, die man gerne um guten Geschäftsgang und bei schwierigen Prozessen anrief, erklärt sich wohl aus dem starken Zuspruch der Innung von Gewerbeleuten, die solche Heilige nötig hatten.

Nun ist es freilich um diesen fromm-fröhlichen Wallfahrts-Zuzug stiller geworden. Heute kommen noch die Münzer am 6. Sonntag nach Ostern und im September die Hutmacher.

1761 litt das Kirchlein durch einen Sturm. 1809 plünderten es die Franzosen, so daß sich die Kirche längere Zeit im schlechten Zustand befand.

Restaurierungen des 19. und 20. Jahrhunderts

 

Im 19. Jahrhundert wissen wir um Restaurierungen in den Jahren 1828 und 1853. Im 20. Jahrhundert waren die letzten Renovierungen 1926 und 1939. Es wurden da auch einige bauliche Umgestaltungen getroffen, die den Zeitverhältnissen entsprachen. Das Jahr 1956 ruft uns zur Restaurierung innen und außen. Die große Pfarre würde freilich eine große Pfarrkirche brauchen. Doch eine Vergrößerung der bestehenden Kirche ist nicht möglich, ohne das alte Heiligtum zu zerstören. So lasst uns denn zusammen helfen, dass ein größeres Heiligtum in neuer Schönheit erstehen kann.

Literatur: Gugitz, Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Band 1. Wien 1955, S. 86ff.; Gugitz, Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Wien 1956, 3. Bd., S. 264.

Kurzer geschichtlicher Rückblick von St. Hubertus/St. Christophorus:

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde ein Teil des Lainzer Tiergartens für die Besiedlung freigegeben. Dabei entstanden diverse Siedlungen wie die SAT-Siedlung, die Friedensstadt, die Polizeisiedlung, die Zollwachesiedlung und die Siedlung Heimscholle. Dass die Initiative an die Lainzer Pfarrkirche und den dortigen Pfarrer Anton Schrefel fiel, ergab sich durch die Notkirche, die linksseitig des Lainzer Baches und damit im Pfarrgebiet Lainz lag.

 

Hl. Messe beim Holzkreuz am Föhrenhof

Die Notkirche war eine ehemalige Werkstatt des Gemeinderates Halla an der Dr.-Schober-Straße 3, heute Kongresssiedlung, wo heute gegenüber die Bettenstation des Pensionistenwohnhauses Föhrenhof situiert ist. Ein Holzkreuz im Vorgarten des Pensionistenwohnhauses erinnert noch daran.

Der erste Gottesdienst in der Notkirche wurde am 19. April 1931 von Prälat Karl Drexel gehalten. Zur Unterscheidung von den umliegenden anderen Werkstätten wurde die Notkirche mit einem Turm versehen und mit zwei Glocken von der Glockengießerei Pfundner in Wien-Favoriten bestückt. Beide Glocken waren bereits für die künftige Kirche gedacht und wurden dem heiligen Hubertus sowie dem heiligen Christophorus geweiht. Die Wahl dieser Heiligen entsprach einem Wunsch von Kardinal Friedrich Gustav Piffl: Hubertus in Erinnerung an das ehemalige Jagdgebiet, Christophorus dem Schutzpatron der Reisenden, womit man der wachsenden Zahl der Autofahrer rechnun tragen wollte.

Die Kirche verdankt ihr Entstehen den Anregungen des damaligen Pfarrers von Lainz, Anton Schrefel.

 

1935 wurde die Realisierung des Projektes in die Wege geleitet. Die Kirche wurde in den Jahren 1934 bis 1935 nach den Plänen der Architekten Kurt Klaudy und Georg Lippert mit der Bauleitung des Architekten Anton Liebe errichtet.

Die Mosaikfenster sind von Hans Alexander Brunner.

Die Wandgemälde in der Altarnische und an den Chorwänden sind von Hans Becker, das Altarbild und die Fresken der Kirchenpatrone stammen von Karl Engel. Am Marienaltar Schnitzarbeit Madonna und weitere Figuren von Mea Bratusch.
Schon am 15.11.1935, nach nur sechsmonatiger Bauzeit, wurde die Kirche von Kardinal Theodor Innitzer feierlich eingeweiht. Erste Seelsorger waren Priester vom Orden der Nazarener, der jedoch kurze Zeit später aufgelöst wurde.

 

1936 übernahmen die Pallottiner die Leitung der Pfarre. 1946 wurde der Marienaltar eingeweiht.

1966 entstand das neue Pfarrheim, 1973/74 das Pfarrhaus und 1977 wurde der Altarraum neugestaltet.

 

1985 feierte die Pfarre ihr 50-jähriges Bestehen.

Am 20.4.1996 wurde die neue Eisenbarth-Orgel in der Kirche geweiht.  2010 konnte das 75-jährige Jubiläum zusammen mit Kardinal Christoph Schönborn gefeiert werden. Tabernakel, Ambo und Kerzenständer stammen von Manfred Stubmann

Am 1.9.2011 übernahm P. Bernhard Weis SAC die Leitung der Pfarre.

Ab dem 1.7.2013 begann eine umfassende Neustrukturierung der pfarrlichen Gebäude mit der Sanierung des bisherigen Pfarrheims, in dem Kindergarten und Jugendräume untergebracht sind. Diese wurde mit einem neuen ebenerdigen Zugang ausgestattet.

Als zweiter Schritt folgte die Grundstückstrennung zwischen Kirche und Pfarrhaus sowie die Errichtung eines Pfarrzentrums unter der Kirche. Auch die Pfarrkanzlei wurde ins Pfarrzentrum verlegt, der neue, barrierefreie Eingang ist seit damals in der Granichstaedtengasse.

 

Die Einweihung des PZ erfolgte am 10.04.2016 durch Kardinal Christoph Schönborn.

2018 konnte dann auch endlich die Sanierung des Kirchenplatzes fertiggestellt werden.

Dies konnte nur in guter und vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen der Provinz der Pallottiner, der Erzdiözese Wien, der St. Nikolausstiftung der Erzdiözese, und der Pfarre verwirklicht werden.

Bild Kirchenvorplatz

Blick über den neuen Vorplatz

Mit dem Pensionsantritt von Pater Weiss endetet am 31. August 2023 die Präsenz der Pallottiner in St.Hubertus.

Am 1. September  2023 übernahm der Orden der Jesuiten  mit Pfarrprovisor Stefan Hengst die seelsorgerische Betreuung der Pfarre St. Hubertus mit dem Ziel diese bis 1.1.2025 mit der Pfarre Lainz und Maria, Heil der Kranken in eine neue, größere Pfarre überzuführen. Seit damals ist daher St. Hubertus & Chistophorus eine Filialkirche der Pfarre am Lainzerbach.

Die feierliche Gründungsmesse der neuen Pfarre am Lainzerbach fand am 2 März 2025 unter der Leitung von Bischofsvikar Dariusz Schutzki statt.

Referenzen: Hanns Fellner: Anton Schrefel – der Gründer von St. Hubertus, Pfarrbrief St. Hubertus, Ostern 2009. Austria Forum, https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/St._Hubertus_und_Christophorus_%28Wien%29, Abgerufen Sept. 2018 Danke an die Heimatrunde für dir Bereitstellung der historische Bilder.