Wahrhaftig, das war Gottes Sohn, er, der am Kreuz unschuldig gestorben ist.
Und der Vorhang im Tempel musste entzwei reißen, denn der Vorhang im Tempel von Jerusalem hat das Volk vom Allerheiligsten, von Gott getrennt.
Durch den Tod Christi ist diese Grenze, ist diese Trennung aufgehoben.
Und die Toten erwachen zum Leben.
Wir werden in dieser Woche Schritt für Schritt das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus feiern und mitgehen auf seinem Kreuzweg bis hin zur Auferstehung.
Aber heute stehen wir ganz am Beginn, am Palmsonntag.
Liebe Schwestern und Brüder,
die heutige Nacht war eine Stunde kürzer und es wird eine Zeit lang dauern, bis unsere innere Uhr, sich auf die Sommerzeit einstellt.
Dazu kommt auch noch, dass sich in den letzten Tagen das Wetter umgestellt hat.
Der Frühling macht Pause, ein Wintereinbruch. Es ist kalt und unfreundlich geworden.
Eine andere Zeit und ein raues Klima, das erleben wir gegenwärtig in vielerlei Hinsicht. Kriege und Zukunftsängste, Krisenmodus, wo man hinschaut, was in früheren Zeiten ganz selbstverständlich war, Friede in Europa, Demokratie, Menschenrechte, Sicherheit, vieles davon wird fragwürdig und brüchig.
Die Welt taumelt, die Zeiten haben sich geändert und das Klima wird rauer.
Der heutige Palmsonntag hat auch mit Zeitumstellung und Klimawandel zu tun.
Denn mit dem Palmsonntag treten wir ein in die Karwoche, die in alter christlicher Tradition auch die Heilige Woche genannt wird.
In dieser heiligen Woche will Gott uns in die neue, in die österliche Zeit hineinführen. Und er zeigt uns im Kreuz seines Sohnes, wie sich das Klima in der Menschheitsfamilie ändern kann. Wie wir heil und heilig werden und zu einer Verbesserung, zum Guten in der Welt beitragen können.
Durch Liebe und Hingabe, durch Gewaltlosigkeit und Versöhnungsbereitschaft.
Diesen Weg ist Jesus Christus gegangen, konsequent, bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Dabei musste er auch erleben, wie schnell aus dem begeisterten "Hosanna in der Höhe" bei seinem Einzug in Jerusalem wenig später das "Kreuzige" weg mit ihm geworden ist.
Liebe Schwestern und Brüder,
der gesellschaftliche Klimawandel beginnt auch bei uns oft mit der Verrohung der Sprache. Und wir wissen es. Aggressive, menschenverachtende, abwertende Worte schaffen Wirklichkeit. Der raue Ton verschiebt unsere Werteskalen, kann rücksichtslos und gewaltbereit machen.
Die Heilige Woche erinnert uns an die Gegendynamik, die Gott mit seinem Sohn in Gang gesetzt hat. Jesus Christus ist in Jerusalem als Friedenskönig eingezogen, nicht auf einem Schlachtross, sondern auf einer jungen Eselin. Und er wurde begleitet von einer Volksmenge, die nicht Waffen, sondern Palmenzweige in den Händen gehalten hat. So hat Gott seinen österlichen Klimawandel eingeleitet.
Die Palmkätzchen, die Palmzweige, die gesegnet wurden, sind deshalb nicht bloß Boten des Frühlings nach dem Winter, sondern sie erinnern an die neue Zeit der Erlösung. Und sie erinnern an das österliche Klima, das Gott mit dem Tod und der Auferweckung seines Sohnes in die Welt gebracht hat.
Liebe Schwestern und Brüder, es wird eine Zeit lang dauern, bis sich unsere innere Uhr an die Sommerzeit gewöhnt hat.
Wir brauchen ein Leben lang, um unsere innere Uhr, um unser Innerstes, unser Herz, immer wieder neu auf Osterzeit und auf Hoffnungszeit umzustellen.
Jetzt in der Karwoche, in der Heiligen Woche, sind wir alle eingeladen, uns von der österlichen Dynamik der Hoffnung anstecken und erfassen zu lassen.