Liebe Schwestern und Brüder!
Liebe Firmkandidatinnen und Firmkandidaten, liebe Erwachsene, die Sie sich auf die Taufe und die Eingliederung auf die Kirche vorbereiten!
Und bei der Chrisammesse auch ganz besonders: Liebe Mitbrüder im priesterlichen, bischöflichen und diakonalen Dienst! Und hier vorne die Konzelebranten beim Altar: Ihr seid immer noch unsere Neupriester, bis zur nächsten Priesterweihe. Schön, dass ihr heute auch da seid und mitfeiert. Liebe Seminaristen, die sich im Redemptoris mater und in unserem diözesanen Priesterseminar in der Boltzmanngasse auf die Weihe vorbereiten!
„Heute“ hat sich das Schriftwort erfüllt, sagt Jesus in der Synagoge von Nazareth. Das Wort „Heute“ zieht sich wie ein Roter Faden durch das Lukasevangelium: Heute ist euch der Heiland geboren! Zachhäus, heute muss ich in deinem Haus zu Gast sein! Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden! Bis hin zu: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein! – Immer wieder „heute“. Das erinnert uns daran: Hier und Jetzt, jeden Tag neu, immer „heute“ will das Evangelium wirksam und neu wirksam werden in uns und durch uns. Nicht abstrakt und nicht rein geistig, sondern ganz konkret hier und heute will Gott uns begegnen.
Damit sind wir bei einem Charakteristikum unserer katholischen Liturgie. Papst Franziskus hat es einmal so ausgedrückt: Unsere Liturgie besteht aus konkreten Zeichen: Brot, Wein, Wasser, Luft, Feuer, Öl, Asche, Farben, Worte, Töne, Stille, Gesten, Raum, Bewegung, Handlung und Zeit. (vgl: Desiderium Desideravi vom 29. Juni 2022, Nr.42). In diesen Zeichen will Gott uns nahe sein, uns berühren, konkret und persönlich.
Eines dieser liturgischen Zeichen ist das Öl. Heute werden die Öle geweiht: das Öl für die Taufbewerber, der Chrisam für Taufe, Firmung und Weihe und das Öl für die Kranken. Im Zeichen des Öles berührt Gott unser Leben, ganz sanft und behutsam mit seiner Kraft und Energie.
Das Öl steht zunächst für Energie. Wie wichtig und kostbar Energie ist, merken wir immer in Zeiten der Energiekrise. Die Chrisammesse stellt uns mit den heiligen Ölen nicht nur die göttlichen Energiequellen vor Augen, sondern auch die vielen Menschen, die unter Energiemangel leiden: denen Kraft und Lebensfreude fehlen, die sich schwach, krank und ausgebrannt fühlen, oder wie es im Evangelium geheißen hat: die Armen, die Blinden, die Gefangenen und die Zerschlagenen. Zu ihnen sind wir gesendet, liebe Brüder.
Jedes dieser heiligen Öle macht deutlich, dass Gott selber unsere Kraft- und unsere Energiequelle sein will, ohne die wir Christen nicht leben können, ohne die auch ein Diakon, ein Priester und ein Bischof nicht leben und wirksam sein kann.
Die heiligen Öle sind aber nicht nur Energiequellen. Öl verleiht auch Glanz. Wenn ich meine Haut salbe oder mit Öl eincreme, dann glänzt meine Haut. In Krisenzeiten, wo so vieles matt und glanzlos zu sein scheint, da tut es gut, dass wir auch auf die Glanzpunkte des Lebens und des Glaubens schauen, auf das, was leuchtet und strahlt. Dass wir global und gesellschaftlich gesehen und auch in der Kirche vor großen Herausforderungen stehen, dass es auch in den eigenen Reihen, unter uns liebe Brüder manchmal, Müdigkeit, Frust und Resignation gibt, das ist kein Geheimnis. Wenn man in einer Krise steckt, besteht die große Versuchung darin, sich in ihr einzurichten und nur noch schwarz zu sehen. Doch das wird der Realität nicht gerecht.
Liebe Brüder, liebe Schwestern! Beschäftigen wir uns nicht bloß mit Problemen und Sorgen, sondern immer auch ganz bewusst mit dem Schönen, mit unseren Ressourcen und Stärken, besonders auch im Gebet und in der Feier der Liturgie.
Es gibt in der Kirche nicht nur Schmutz, sondern auch viel Glanz, es gibt nicht nur Mittelmäßigkeit, sondern auch Heiligkeit, es gibt nicht nur Niedergang, sondern auch Aufbruch und Wachstum.
Die heiligen Öle erinnern an den Glanz, den der Glaube an Gott in unser Leben bringt, und es kann für uns alle eine gute Übung sein, jeden Abend den Glanz des Tages zu suchen und Gott dafür Dank zu sagen.
Die heiligen Öle sind neben Energie und Glanz auch Balsam für die Seele. Wenn die Haut trocken wird oder wenn wir uns verletzen, dann tut eine Salbe gut, und die verwundete Seele braucht Balsam.
Die heiligen Öle sind Gottes Balsam für Leib und Seele. Wir alle brauchen diesen Balsam immer wieder: die Katechumenen, die Taufkandidatinnen und -kandidaten, die jungen Menschen, die mit dem Sakrament der Firmung gestärkt und erwachsen werden wollen, wir, die wir im diakonalen, priesterlichen und bischöflichen Dienst stehen und natürlich auch die Kranken, Leidenden und Sterbenden.
Liebe Schwestern und Brüder!
Die heiligen Öle wollen uns Gottes Energie schenken, dem Leben Glanz verleihen und Balsam für unsere Seele sein. Heute werden diese Öle geweiht und gesegnet. Sie zeigen uns, dass wir nicht an einen abstrakten Gott glauben, sondern an Gott, der uns sanft berührt und der uns konkret, heute, im Hier und Jetzt in den Sakramenten begegnen will. Leo der Große, ich habs heute Nachmittag schon bei der Recollectio gesagt, hat die Wirklichkeit der Sakramente so umschrieben: Was an unserem Erlöser sichtbar war, ist in die Sakramente übergegangen. Er selbst begegnet uns in den Sakramenten.
Liebe Mitbrüder!
Es gehört zu unseren Aufgaben, andere auf Sakramente vorzubereiten, Sakramente zu spenden. Aber bitte: Vermitteln wir die Sakramente und die Salbung mit Öl nicht nur für andere, sondern denken wir daran: Zuerst wurden wir gesalbt, zuerst sind wir immer neu eingeladen, die Sakramente zu empfangen, und bei jedem Sakrament, das wir spenden, will Gott auch konkret in unser eigenes Leben als Diakon, Priester oder Bischof hineinsprechen und hineinwirken. Wir berühren ja bei jeder Salbung mit dem Daumen das heilige Öl und werden so selber gesalbt.
Heute hat sich das Schriftwort erfüllt! Im Hier und Jetzt, in der Liturgie und in den Sakramenten begegnet uns Gott konkret. In den heiligen Ölen schenkt er uns Energie, Glanz für unser Leben und Balsam für unsere verwundete Seele. Dafür danken wir heute.