Antwort des Brückenbauers:
Amokläufe sind furchtbare, aber gottseidank sehr seltene Ereignisse. (Seit 2016 gab es in Österreich über 3900 Verkehrstote im Vergleich zu 22 Toten bei Amokläufen). Die Ursache liegt meist tatsächlich in sozialer Isolation junger Menschen. Genau das macht die Prävention durch eine Vermehrung von Gesprächsangeboten schwierig: weil ja gerade die gefährdeten Menschen es sind, die sich immer mehr zurückziehen und besonders schlecht erreicht werden.
Tatsächlich nehmen Einsamkeit und Isolation gerade unter jungen Menschen leider zu. In der Pandemie haben die Jüngeren mehr unter Einsamkeit gelitten als die Älteren. Doch gerade die älteren Menschen nehmen Gesprächsangebote eher an. (zB Telefonseelsorge, Plaudertelefon und Pfarrcafé.) Jüngere Menschen brauchen vor allem Ihresgleichen, eine Gruppe, die sie aufnimmt und wertschätzt.
Das ist tatsächlich eine Anfrage an unsere Jugendpastoral: Wie helfen wir Außenseitern und Eigenbrötlern, Freunde zu finden? Das geht erfahrungsgemäß am besten über gemeinsames Tun, z.B. über soziale Projekte. Da geschieht schon viel, aber es sollte wohl noch viel mehr sein.
Auch der Religionsunterricht ist ein wertvolles und breit ausgerolltes Gesprächsangebot für junge Menschen. Wenn es im Klassenverband gelingt, über dunkle und abstruse Gedanken zu sprechen (und das ist eine der Aufgaben des Religionsunterrichtes), ist viel gewonnen.
Was vermutlich am meisten fehlt, sind die informellen Gespräche in Familie und Freundeskreis, die es zu selten gibt. Fragmentierte Familienzeit, fehlende gemeinsame Mahlzeiten, Belastung der Erwerbstätigen durch Arbeitsdruck etc. können zu Vereinsamung führen. Und die sogenannten sozialen Medien sowieso, weil sie auf die Leibhaftigkeit von Begegnungen verzichten, die aber einen wesentlichen Unterschied ausmacht.
Die wichtigste Form von Prävention von Gewaltexzessen ist daher die familiäre Bindung. Deshalb: Tu selber etwas im eigenen Umfeld. Halte dein eigenes Herz in Ordnung und in Frieden, damit du für andere da sein kannst. Sei ansprechbar und nimm dir Zeit, besonders für die junge Generation.