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05.12.2014 · Advent & Weihnachten

Wer ist der wirkliche Nikolaus?

Der Nikolo zu Besuch im Büro der Webredaktion

Der Nikolo zu Besuch im Büro der Webredaktion. Ja wir waren brav!

Unser Kollege Nikolaus Haselsteiner hat sein umfangreiches Wissen über seinen Namenspatron zusammen gefasst:

Wer hat sich noch nicht gefragt, wer der Mann hinter den lustig verkleideten Menschen mit oder ohne Wattebart ist. Wie kommt es dazu, dass wir den Nikolo aus Milchschokolade verspeisen?

 

Der echte Nikolo war vor gut 1.700 Jahren ein Mann namens Nikolaus und obendrein Bischof in der Stadt Myra, jetzt heißt sie türkisch Demre. Wer sich mit der Lokalisierung schwer tut, dem hilft der Hinweis: Nur ein wenig westlich von Antalya, das als Cluburlaub-Destination bekannter ist, als als Wirkungsort des Apostel Paulus.

 

Da die Kirche ihn als Heiligen verehrt, wurde über seinem Grab eine Kirche errichtet. Zar Nikolaus, der auch die Wiener russisch orthodoxe Nikolauskathedrale errichten ließ, veranlasste eine Renovierung der alten Basilika. Von der Fassung des 19. Jahrhunderts ist allerdings nur noch wenig zu erkennen, denn  die Türken haben vor ungefähr hundert Jahren – während der Vertreibung der dort lebenden Griechen - die Kirche komplett zerstört.

 

Gerettet oder gestohlen?

Da war der Heilige aber schon seit Jahrhunderten im italienischen Bari – also genau genommen seine Reliquien, seine Gebeine. Sie wurde von italienischen Rittern und Kaufleuten "gerettet". Im Grunde gestohlen. Wenn man sieht, wie es heute um die meisten christlichen Heiligtümer in der Türkei bestellt ist, neigt man fast dazu sich der Rettungsthese anzuschließen.

 

Die mittelalterlichen Texte sprechen von der Myrre oder dem Manna des heiligen Nikolaus, eine nach Rosen duftende Flüssigkeit, die aus den Gebeinen des Heiligen in großer Menge austritt. Der Hauptgeschäftszweig der Bürger von Myra rund ums Jahr 1000 war der Vertrieb dieses Mannas. Die jungen Ritter - zart besaitete Seelen sollten jetzt zum nächsten Absatz springen – sollen, so die Geschichte der Übertragung der Gebeine, den Sarkophag des Heiligen aufgebrochen haben und dann kniehoch im Manna gestanden sein und aus der Flüssigkeit die Knochen gefischt haben. Als die Bürger von Myra ihnen gegenüber geklagt hatten, dass sie doch nicht den Patron der Stadt stehlen können, meinten diese nur, dass die Myrre noch für Jahrhunderte reichen würde.

 

"Manna di san Nicola"

Wer sich nun für das Manna des hl. Nikolaus intensiver interessiert, dem sei eine Reise nach Apulien, nach Bari empfohlen, zur wirklich kunsthistorisch außergewöhnlich beeindruckenden romanischen Basilika des lykischen Bischofs. Unter dem Hauptschiff der Basilika findet man in der Krypta sein Grab und dort auch orthodoxe Kapellen, für Pilger und die albanisch-orthodoxe Minderheit, die dort seit Jahrhunderten lebt. Vis à vis befindet sich der Kathedralenshop, wo es kleine Fläschchen mit "manna di san Nicola" gibt und ganz Süditalien und meine Großmutter schwören auf die Lourdeswasser-ähnliche Wirkung.      

 

Der historische Nikolaus

Zurück aber zur historischen Persönlichkeit: Eigentlich stammte Nikolaus ja nicht aus Myra sondern aus Patara. Von dem hübschen antiken Städtchen gibt es aber nur noch Ausgrabungen nahe Gelemiş, das man nun auch wieder nicht kennen muss, auch wenn es dort wirklich sehr nette und wenig überfüllte Badestrände gibt und es von Myra nur einen Katzensprung entfernt ist. Wer sich in den Ausgrabungen bewegt, der kann eventuell türkische Archäologinnen treffen, die perfekt Deutsch sprechen und einen erklären können, dass sie zwar schon einige Ruinen byzantinischer Kirchen entdeckt haben, aber nicht mit Sicherheit sagen können, welche wohl über dem Geburtshaus des Wundertäters errichtet wurde.

 

Legenden und Geschichten über Nikolaus

Über den heiligen Nikolaus gibt es unendlich viele Legenden und Geschichten. Aus wohlhabendem christlichen Haus stammend, soll er schon in seiner Jugend die Armen mit diesem Vermögen unterstützt haben. Die drei Goldklumpen für die mittellosen Mädchen ist wohl die bekannteste Geschichte zu diesem Thema und der Grund warum - außer wegen des Gesundheits-fördernden Vitamin C die Orangen – am besten drei  im modernen Nikolosackerl sind, sind sie definitiv billiger als echte Goldkugeln.

 

Als guter Bischof hat er sich auch für seine Gemeinde „voll eingesetzt“, das spürt  man in der Geschichte der drei Jünglinge, Offiziere, die manchmal auch nur einer sind – da erkennt man die 1700 Jahre, die die Geschichte am Buckel hat – deren Leben er auf die eine oder andere Weise rettete, je nachdem in welchem buch man die Legende erzählt bekommt.

 

Brot für die Hungernden

Eine meiner Lieblingsgeschichten ist aber definitiv jene, wo er bei der großen Dürre in Kleinasien den Kapitän des Schiffes, das aus Ägypten nach Konstantinopel zum Kaiser Weizen bringen sollte, dazu gebracht hat, einen Teil für die hungernden Menschen von Myra abzugeben. Als dieser meinte, es könnte ihn sein Leben kosten, wenn es dem Kaiser an Brot mangeln würde, da hat ihn Nikolaus beruhigt, dass nichts fehlen werde. Und so wurde das Vertrauen des Seemanns mit einer wundersamen Weizenvermehrung belohnt.

 

Wer nun von Wundern, wie Brotvermehrung, nicht so viel hält, hat eventuell mit katholischen Heiligen eh seine Not. Doch solche Geschichten gibt es nicht nur bei Christus am Ufer des Sees Genezaret selbst, sondern auch viel später beim hl. Don Bosco, der vor nicht einmal 200 Jahren auf ähnlich wundersame Weise gekochte Maroni für hungrige Straßenjungen reichlich vermehrt hat. 

 

Nikolaus der Eremit

Eine Begebenheit des Lebens des lykischen Bischofs, die sicher eher nicht bekannt ist: Im heiligen Land zwischen Betlehem und Jerusalem gibt es eine kleine Kirche, die an jener Stelle steht, wo der junge Nikolaus einst als Eremit gelebt hat.

 

Weitgehend geschichtlich fundiert ist hingegen, dass Bischof Nikolaus als alter Mann am Konzil von Nicäa teilgenommen hat, hochverehrt, weil er in seiner Jugend noch die Christenverfolgung schmerzlich am eigenen Leib erlebt hatte, also in der Zeit nach Konstantin als Zeuge, als lebender Märtyrer gegolten hat und seine Meinung in der Bischofsversammlung besonderes Gewicht gehabt haben dürfte.

 

Zweimal heiliger Nikolaus?

Schließlich noch ein eventuell verwirrendes Detail. Manche Historiker meinen, dass sich in der Lebensgeschichte des einen heiligen Nikolaus eigentlich zwei Viten verstecken, der nach dem Bischof verstorbene heilige Abt Nikolaus des Zionskloster knapp über der Stadt Myra könnte die Basis mancher asketischer Geschichten über den Heiligen sein.

 

Wenn man der Theorie folgt, stellt sich natürlich die Frage, wer war denn dann Einsiedler bei Bethlehem, wer hat die Mädchen beschenkt. Als Nikolaus, der seinen Namenstag am 6. Dezember feiert, kann man sich bei dieser aufkeimenden Unsicherheit damit trösten, dass man dann wohl zu den wenigen gehört, die zwei Namenspatrone am selben Festtag haben und so auch zwei Fürsprecher im Himmel. Vom heiligmäßigen Onkel und ebenfalls Bischof von Myra, der ebenso Nikolaus hieß, wollen wir lieber erst gar nicht reden. 

 

Wie aus dem Heiligen Nikolaus nicht nur der Schoko-Nikolo, sondern der Weihnachtsmann „Santa Claus“ wurde, das ist wiederum eine andere Geschichte...

 

Nikolaus von Bari – aber nur zu ca.60%!

Gerettet wurden die Gebeine des Hl. Nikolaus von Kaufleuten aus Bari, so weiß man allgemein. Was nicht so bekannt ist, dass das nur jener Teil der Reliquien war, die im imposanten Sarkophag der Basilika gelegen sind. Unterm Altar in Myra, da war ein weiterer Teil der Reliquien. Und diesen haben die Venezianer kurze Zeit später (na sagen wir mal) auch gerettet, nach geschickten Verhandlungen (oder so). Und was die Griechen in Myra den Venezianern mit gegeben haben, das war der restliche und kleinere Teil der Gebeine des Hl. Nikolaus und die Gebeine zweier weiterer Bischöfe von Myra. Der eine war der Onkel des Hl. Nikolaus, auch ein Heiliger Nikolaus – also noch ein heiliger Nikolaus.

 

Wer eine Wallfahrt zum Hl. Nikolaus machen möchte, der kann also auch nach Venedig fahren. Genauer genommen auf den Lido. Gleich neben dem alten Flugplatz am Lido mit Blick auf die Lagune war ein einst prächtiges Kloster. Jetzt ist es eine klassische Stadtrandpfarre, mit eingeschränkten Öffnungszeiten (wie so oft in Venedig, leider). Früher hielten aber alle Schiffe, die Venedig verließen noch kurz beim Hl. Nikolaus um um Schutz und Hilfe zu bitten und bei der Rückkehr um dafür zu danken.

 

Eine Untersuchung im Auftrag des Vatikans in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts ergab im Übrigen, dass die Gebeine in Venedig und in Bari vom selben Mann stammen und, dass was in Bari fehlt unterm Altar von San Nicolò di Lido ruht.

 

(40423)

erstellt von: Nikolaus Haselsteiner
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Fotos

Die Person, aber auch die Geschichten und Legenden rund um den heiligen Nikolaus haben Brauchtum und Kunst seit 1.700 Jahren beeinflusst.

Mehr:

Schwerpunkt heiliger Nikolaus von Myra

 

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Der Krampus hat mit dem Hl. Nikolaus eigentlich nichts zu tun

 

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Schon 1.800 Freudenmomente schmücken den "Baum der Freude" in der Othmarkirche in Mödling.

Sternsinger unterstützen 2025 Hilfsprojekte in Nepal

Sternsinger unterstützen 2025 Hilfsprojekte in Nepal

Auch heuer wieder zigtausende Kinder und Jugendliche als Sternsinger zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag in Österreich unterwegs. Dreikönigsaktion sammelt für Kinderschutz- und Ausbildungsprojekte im Schwerpunktland Nepal.

Christmas decoration with candle light as closeup

Weihnachtliche Vielfalt im ORF-Fernsehen und -Radio

"Katholische Christmette" am Heiligen Abend und Papstsegen "Urbi et Orbi" am Christtag als geistliche Höhepunkte.

Friedenslicht

Friedenslicht mit ökumenischer Feier in alle Welt gesendet

Ökumenische Friedenslichtfeier in Wiener Votivkirche mit Pfadfindergruppen aus rund 20 Ländern.

Dompfarrer Faber war 'Ehren-Postler'

Dompfarrer Faber war "Ehren-Postler"

Bürgermeister Michael Ludwig und Dompfarrer Faber besuchten das Post-Logistikzentrum Wien.

Advent-Mission

Straßenmission: Adventaktion in Wien

Die Kategoriale Seelsorge und Katholische Laien verteilen Tannenzweige und Lichter in Innenstadt. "Menschen vermitteln, dass wir zu Weihnachten Geburt Jesu und nicht das Rentier feiern".

Stephansdom in der Weihnachtszeit

Weihnachtsgottesdienste finden: Katholische Kirche bietet Online-Hilfe

Insgesamt 10.000 Gottesdienste können österreichweit zu Weihnachten via App und Website abgefragt bzw. gesucht werden. Auch Gottesdienstübertragungen werden angezeigt.

Musizierende Weihnachtsengel

3 Adventlieder feiern ihr Jubiläum

Einige der bekanntesten Adventlieder haben heuer einen „runden Geburtstag“. Vor 500, 425 und 250 Jahren wurde sie veröffentlicht.

Mädchen zündet Kerze an Laterne an.

Friedenslicht geht von Wien aus in die Welt

Ökumenische Feier am 14. Dezember in Wiener Votivkirche mit Pfadfindergruppen aus ganz Europa.

Overturned glass jar full with gingerbread Christmas cookies surrounded by numbered paper bags, a selfmade advent calendar.

Adventkalender: "Denk Dich Neu" verlost Event-Gutscheine via Instagram

Dialog-Initiative für junge Erwachsene verlost an den vier Adventsonntagen Gutscheine im Wert von jeweils 150 Euro. Auch 2025 wieder Einsätze bei allen großen Festivals des Landes geplant.

Der „Inzersdorfer Sternenhimmel“

Der „Inzersdorfer Sternenhimmel“

Rund 400 Sterne hängen in der Advent- und Weihnachtszeit von der Decke der Inzersdorfer Kirche. Sie sollen zeigen, dass wir unter einem guten Stern leben: unter dem Schutz und Segen Gottes.

Silvester im Kloster ist wie eine Pause-Taste im Leben

Silvester im Kloster ist wie eine Pause-Taste im Leben

Silvester im Kloster wird immer beliebter. Immer mehr Menschen sehnen sich nach Stille und Ruhe – und Ordensgemeinschaften bieten genau das: eine Möglichkeit, den Jahreswechsel bewusst zu gestalten.

„Die Zeit nimm i ma!“ – Thomas Stipsits lädt ein zu „Stille schenken“

Mit Beginn der Adventzeit ruft der österreichische Kabarettist Thomas Stipsits erneut zur besonderen Aktion „Stille schenken“ auf. Sein Motto: „Still sein. Dann passiert’s! Die Zeit nimm i ma!“ – ein klarer Appell, sich inmitten des vorweihnachtlichen Trubels bewusst Zeit für Stille und Besinnung zu nehmen.

„Wer klopfet an?“ – Herbergssuche mit Segnung und Verteilung der Barbara-Zweige

Die wöchentliche Feier der Herbergssuche hat Tradition. Heuer gibt es die Feier zum Beispiel in der Deutschordenskirche im 1. Bezirk. Start ist am 4. Dezember.

Hands making Christmas wreath with holly berries. DIY Christmas decoration.

Advent – Anfang

"Antworten" von Kardinal Christoph Schönborn, aus der Zeitung HEUTE, am Freitag, 29. November 2024.

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