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11.09.2011 · Glaubenswissen

Fest „Kreuzerhöhung“: Das Erstaunliche ist die Menschwerdung

Fest „Kreuzerhöhung“: Das Erstaunliche ist die Menschwerdung

Das Kreuz: Schlichtes Zeichen des Heils und der Hoffnung.

Fest „Kreuzerhöhung“: Wofür das Kreuz steht und was Kreuzes-Nachfolge wirklich heißt. Raphaela Pallin (Institut für „Theologie der Spiritualität“ an der Universität Wien) im Gespräch.

Das Fest Kreuzerhöhung (14. 9.) rückt das Kreuz ins Blickfeld. Wie kann die biblische Botschaft vom Kreuz, dem wichtigsten Symbol der Christenheit, heute vermittelt werden?

Pallin: Das biblische Zeugnis verkündet Jesus Christus als den gekreuzigten und auferstandenen Erlöser der Welt. Er, der die befreiende Botschaft von Gottes liebender Gerechtigkeit verkündet und gelebt hat, aber als „Gotteslästerer“ hingerichtet wurde, ist als Auferstandener von Gott selbst bezeugt. Kein anderer noch so heiligmäßiger Mensch ist nach seinem Tod lebendig wieder erschienen.

 

Macht über den Tod hat nur Gott. So bekennen die, die dem Auferstandenen begegnen, ihn als „den Herrn“, als „Sohn Gottes“. Ist Jesus Mensch und Gott, so ist seine Auferstehung „kein Wunder“ – wie sollte ihn der Tod in seiner Macht halten?

 

Das Wunder ist, dass er Mensch geworden ist, uns menschlich angesprochen und berührt hat und nicht ausgewichen ist oder dreingeschlagen hat, als sich Ablehnung, ja Gewalt gegen seine Botschaft, Sendung, ihn selbst gewendet hat. Er ist hineingegangen in die Folgen menschlicher Sünde: Leiden, Tod. Er hat sich hingegeben – für uns.

 

Seine Auferstehung ist nicht „privater Triumph“, sondern entmachtet Sünde, Leid und Tod. Unser Leben ist – durch den Tod hindurch – vom Auferstandenen schon geöffnet auf das Leben hin, das er uns zusagt. Dafür steht das Kreuz.


Warum wurde Jesus am Kreuz zum wichtigsten Symbol der Kirchen und nicht der Auferstandene?


Pallin: Wie gesagt, das Erstaunliche ist nicht, dass der Sohn Gottes von den Toten auferstanden ist, sondern dass er Mensch geworden ist und „in allem uns gleich, außer der Sünde,“ wie wir gelebt und sich hingegeben hat bis in den Tod.

 

Die Begegnung mit dem Auferstandenen erschließt uns seine Passion als freie Hingabe in Liebe, als „für uns“ erlitten. Damit wird das Kreuz vom achtlos weggeworfenen Instrument der Hinrichtung zum verehrungswürdigen Symbol für seine liebende Hingabe, seinen Sieg über Gewalt, Sünde und Tod.

 

Das Kreuz Jesu ist für uns schlichtes Zeichen des Sieges der Liebe Gottes über den Tod, Zeichen des Heils, der Hoffnung, des Lebens, das der Auferstandene eröffnet.

„Sein Kreuz tragen“ heißt es gemeinhin. Welche Bedeutung hat das Kreuz im Leben der Christen?

 

Pallin: „Sein Kreuz tragen“ bedeutet, im Glauben an den Auferstandenen uns im Leiden nicht zu verweigern, als könnten wir selbst unser Leben „retten“, sondern es dort, wo es unausweichlich ist, frei anzunehmen als einen Weg, der „trotzdem“ – besser: weil Jesus ihn vorgegangen ist –, zum Leben führt. In der Freude und Dankbarkeit der Erlösung meint „Kreuztragen“ aber mehr, als alltägliche Mühen anzunehmen. Als ChristIn mein Leben in der Verbundenheit mit Jesus zu leben bedeutet, nicht nur nach eigenem Gutdünken zu leben oder mich einzusetzen, sondern mich hinzugeben – entsprechend seiner barmherzigen Liebe.

Gibt es Christusnähe nur auf dem Weg der Kreuzesnachfolge?

Pallin: Christusnähe bedeutet, die Vertrautheit mit dem Auferstandenen zu leben, der am Kreuz in Liebe unseren Tod besiegt hat, und so auch seinen Weg in Liebe zu gehen. Solange es Leid, Sünde, Not und Unrecht in der Welt gibt, ist es keine Antwort der Liebe, wenn ich meine, davon nicht berührt zu werden, wegschauen oder „meinem Kreuz“ ausweichen zu können.

 

Die Nähe zu Christus bringt immer neu die freie Entscheidung, nicht Gott vorzuschreiben, was zum Leben führen soll, sondern in der konkreten Situation die Einladung Jesu zu hören und anzunehmen: „Wer hinter mir her kommen will, verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf, und er folge mir nach.“

 

(40988)

created by: Der Sonntag / Stefan Kronthaler
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Weitere Informationen:

Das Kirchenjahr auf erzdioezese-wien.at

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