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8. April 2026
In nie ermüdender Dringlichkeit ruft der international anerkannte spirituelle Lehrer Bruder David Steindl-Rast stets in Erinnerung, wie wichtig das Hinhorchen auf das Leben im Hier und Jetzt ist. „Was will das Leben JETZT in diesem Augenblick von mir? Was gibt es mir für Gelegenheiten?“
Angesichts der weltweiten Kriege und menschenverachtenden Drohungen fiel mir vor einigen Wochen ein, dass ein meditatives Friedensgebet DIE Gelegenheit wäre, wie ich etwas tun könnte. Inspiriert wurde ich dazu durch die Teilnahme an einem Mittagsgebet im Europakloster Gut Aich bereits einige Monate davor. Das Mittagsgebet dort ist getragen von viel Stille und einem Friedensgebet, das die „Benediktiner für Europa“, wie sich die Mönche selbst bezeichnen, formuliert haben.
Der fast 100-jährige Bruder David wurde kürzlich bei einem Interview gefragt, was für die Menschheitsfamilie jetzt gerade die Gelegenheit sein könnte. Darauf antwortete er kurz und klar: „Zusammenarbeit!... Das Gegenteil sind entsetzliche Drohungen“ und es sei „besser, gar nicht davon zu sprechen, was uns droht.“ Die zahlreichen Drohungen „könnte man vielleicht interpretieren als ein Wort, das das Leben an uns alle spricht: Pass auf! Hier ist die Gelegenheit: Arbeitet zusammen!“
So war für mich der Auftrag klar, dass dieses meditative Friedensgebet, das am 8. April 2026 in der Krankenhauskapelle des Universitätsklinikums Neunkirchen stattgefunden hat, nur interreligiös Sinn machen würde. Umso mehr freute ich mich, dass der Imam der Neunkirchener Moschee, Dogan Evsen, und der Vorsitzende des dazugehörigen Vereins bei dem Gebet mitwirkten. Auf Wunsch einer Teilnehmerin sprach der Imam das zuvor auf deutsch vorgetragene islamische Gebet für den Frieden spontan auf arabisch.
An den Beginn stellte ich den „Hymnus der Geschöpfe“ von Gregor von Nazianz aus dem 4. Jahrhundert, als die Kirche noch eine Einheit war. Dem folgte das Friedensgebet aus dem Kloster Gut Aich.
Um den Abschnitt der Stille für die Teilnehmenden ein wenig zu gestalten, entschied ich mich für die sanften Klänge von Klangschalen, die ich selber anschlägelte. Zugleich steht deren Klang für die hörbare Form der buddhistischen Stille und Weisheit, die im Metta Sutta, dem Lehrtext der „Liebenden Güte“, verbal zum Ausdruck kam.
Das Vater Unser mit einer leichten Abwandlung, die Papst Franziskus angeregt hat, und der jüdische Aaron-Segen komplettierten diese Gelegenheit, etwas zu tun.
Das Feedback mit der Anregung, so etwas wieder einmal anzubieten, und die freundschaftliche Begegnung mit den Vertretern der islamischen Religionsgemeinschaft haben mir gezeigt, dass es die richtige Gelegenheit war, im Hier und Heute ein kleines Samenkorn für den Frieden auf interreligiöser Ebene einzupflanzen.
Gottfried Prinz, MAS