Monday 17. February 2020
Unsere Broschüre "Aufmerksamkeiten"

Erste Aufmerksamkeit gegenüber den Kindern

Wie ist die Situation eurer Kinder? ...

Die Situation

Die Phasen vor und nach einer Scheidung sind von großer Unsicherheit geprägt und mit Ängsten verbunden. Die Kinder reagieren gegenüber einem möglichen neu en Partner oder einer möglichen neuen Partnerin eines Elternteils vorerst ablehnend und mit Eifersucht. Dazu kommen Wut und Aggressionen; Kinder fühlen sich mitverantwortlich oder schuldig an dieser für sie schwierigen Situation, die eine Veränderung auf mehreren Ebenen bedeutet. Der alltägliche Ablauf und die Wochenendgestaltung schauen ganz anders aus.

Auch eine Trennung ohne neuen Partner stellt für die Kinder eine schwierige Situation dar. Die Versuchung, die Kinder gegen den anderen Elternteil auszuspielen, ist groß. Kinder haben ein gutes Gespür für Situationen und dürfen daher auch nicht belogen werden.

Meist entsteht ein Loyalitätskonflikt und die Kinder fragen sich, ob sie noch bei de Elternteile lieben dürfen. Kinder wollen im Grunde ja nichts lieber, als mit Vater und Mutter zusammenzuleben.

Die größte Angst des Kindes bei einer Trennung ist es, den jetzt getrennt lebenden Elternteil zu verlieren.

Wenn Eltern versuchen, trotzdem miteinander eine Gesprächsbasis über die gemeinsamen Kinder zu finden und notwendige Entscheidungen gemeinsam zu treffen, dann werden die Kinder erleben, dass sich die Eltern zwar getrennt haben, aber weiterhin für sie da sind. Ein Kind braucht die Sicherheit, immer von Mutter und Vater geliebt zu sein, wie auch immer das Leben weitergehen mag.

Das Kind braucht nicht nur menschliche Zuverlässigkeit, sondern auch klare Informationen darüber, wie das Zusammenleben während bzw. nach der Scheidung und im Falle einer Stieffamilienbildung gestaltet werden soll.

 

Frage: Werden die Rechte der Kinder wahrgenommen?

Bei wiederverheiratet Geschiedenen ist vor allem die Rolle des neuen Partners der Mutter/der neuen Partnerin des Vaters möglichst genau und umfassend zu klären. Diese Frage bleibt ständig aktuell. In der neuen Beziehung gibt es für Stiefeltern Pflichten und Rechte, aber auch klare Grenzen ihrer Zuständigkeiten.

Aus der UN-Konvention über die Rechte des Kindes: „Bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen (...) ist das Wohl des Kindes ein Gesichtspunkt, der vorrangig zu berücksichtigen ist." (Artikel 3/1) und: „Die Vertragsstaaten bemühen sich nach besten Kräften, die Anerkennung des Grundsatzes sicherzustellen, dass beide Elternteile gemeinsam für die Erziehung und Entwicklung des Kindes verantwortlich sind." (Artikel 18/1)

 

Frage: Welche Aufgaben Kindern gegenüber hat ein Seelsorger bzw. eine Seelsorgerin?

Zur Vorbereitung des/der Seelsorger/in:

• Zunächst das Gespräch suchen.

• Sowohl mit dem Kind als auch mit dem zuständigen Elternteil die Probleme ansprechen.

• Im Gespräch bleiben und die Probleme eventuell durch ein Angebot von Hilfestellungen (in Beratungsstellen, bei der Plattform WIGE) einer Lösung zuführen (Begleitung so lange sie gefragt ist).

 


Stellungnahme einer Betroffenen

Große Verunsicherung

Die Liebe zu den Kindern bleibt - von beiden Seiten gibt es Schuldgefühle den Kindern gegenüber, als Eltern versagt zu haben.


Kompensation durch verstärkte „Aufmerksamkeit", teilweises „Verwöhnen".

Ich fürchte, dass ich die Kinder in meinem ersten Schock so ziemlich allein gelassen habe, da ich sehr mit meinen Verletzungen beschäftigt war. Dann habe ich wiederum sämtliche Kräfte darauf konzentriert, meinen Mann zurück zu gewinnen.

Erst als ich die Gewissheit hatte, dass es nichts mehr zu retten gibt, habe ich mich den Kindern und ihren Bedürfnissen wieder verstärkt zugewandt, im verzweifelten, aber absolut unmöglichen Versuch, ihnen Vater und Mutter zugleich zu sein.

Eine Normalität wird hoffentlich bald eintreten. Insgesamt ist die Beziehung zu den Kindern intensiver geworden.

Dann wieder Zweifel: Mach' ich's richtig?

Aber: Wenn ich ausgeglichen bin, wenn es mir besser geht, geht es dann nicht auch den Kindern besser?

Eltern bleiben wir ein Leben lang, also bleibt viel Gemeinsames erhalten.

Wie will man das in Zukunft gemeinsam lösen? Eine neue Herausforderung kommt auf uns alle zu.

Ich frage mich, ob es nicht schwieriger ist, eine gute Beziehung zwischen Geschiedenen zu führen als eine gute Ehe.

Ich habe jetzt mehr Zeit für mich selbst zum Auftanken. Im September 2003 in einer Beratungsstunde: Schauen Sie auf sich selbst, tun Sie sich etwas Gutes! Damals konnte ich damit kaum etwas anfangen. Und vor allem, ich wollte ja gar nicht auf mich schauen, ich wollte doch umso mehr für meinen Mann und die Kinder da sein. Was ich noch wollte, war, die letzten Monate einfach ungeschehen machen...

Und es ist bis heute schwierig, auf mich selbst zu schauen, doch langsam begreife ich die Wichtigkeit dieser Aufforderung und es sind Kleinigkeiten, die ich mir bereits gönne...

 

Fragestellungen

(Wir verwenden aus Gründen der leichteren Lesbarkeit beim Kind die Einzahl. Selbstverständlich meinen wir alle möglichen Geschwisterkonstellationen mit und sind uns bewusst, dass es bei unterschiedlichem Alter der Kinder unterschiedliche Entwicklungsstufen gibt, die im Gespräch berücksichtigt werden müssen).

• Entwickelt sich das Kind gut weiter?
• Kommt es mit der neuen Situation zurecht?
• Bei welchem Elternteil ist der ständige Aufenthalt (Wohnrecht)?
• Obgleich die Verantwortung für das Kind alleine bei den Eltern liegt, wurde auf die Bedürfnisse und Wünsche des Kindes Rücksicht genommen?
• Konnten die Wünsche des Kindes aus bestimmten Gründen nicht berücksichtigt werden?
• Ist das Besuchsrecht zufrieden stellend geregelt und wird es wie vereinbart praktiziert?
• Gibt es Streit darüber und fühlt sich ein Elternteil benachteiligt/überfordert?
• Werden die Kinder über getroffene Regelungen ausreichend informiert?
• Wie bewältigen Kinder die familiäre Situation, aber auch alle anderen Situationen (Schule, Freizeit ... )?
• Wie steht es um die Verantwortung der Eltern für die religiöse Erziehung?
• Wer sorgt sich um die religiöse Entwicklung der Kinder?
• Was betrifft nach wie vor beide Eltern, was ist Sache der Mutter/des Vaters?
• Gibt es genügend gegenseitige Information oder wird sie verweigert?
• Wie wird mit Änderungswünschen umgegangen?
• Welche Verantwortung gegenüber Mutter/Vater/Kind bleibt oder darf auch einmal enden?
 

Daraus ergibt sich

• Die Grundrechte des Kindes müssen angesprochen werden.
• Die Gesprächskultur sollte trotz aller Differenzen wertschätzend sein.
• Lösungen sollen von den Eltern angestrebt und auch umgesetzt werden.
• Dem getrennt lebenden Elternteil sollte der gute Wille für seine Verantwortung nicht abgesprochen werden.
• Kinder sollen von den Eltern unterstützt und begleitet werden.

Plattform für Geschiedene und Wiederverheiratete in der Kirche (WIGE)
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