Erste Aufmerksamkeit gegenüber den Kindern
Erste »Aufmerksamkeit«
gegenüber den Kindern.
Die Situation
Die Phasen vor und nach einer Trennung und / oder Scheidung sind besonders herausfordernd. Unsicherheiten, Ängste und Trauer können diese Zeit begleiten.
Die Gefühlswelt
Kinder reagieren gegenüber einer / einem möglichen neuen Partner*in eines Elternteils vorerst ablehnend und mit Eifersucht. Dazu kommen Wut und Aggressionen; Kinder können sich mitverantwortlich oder schuldig an dieser für sie schwierigen Situation fühlen. Sie sind großen Veränderungen auf verschiedenen Ebenen ausgesetzt. So sehen etwa der alltägliche Ablauf und die Wochenendgestaltung auf einmal ganz anders aus.
Auch eine Trennung ohne neue/n Partner*in stellt für Kinder eine schwierige Situation dar.
Die Versuchung
Die Versuchung, die Kinder gegen den anderen Elternteil auszuspielen, ist groß. Kinder haben ein gutes Gespür für Situationen und dürfen daher auch nicht belogen werden. Meist entsteht ein Loyalitätskonflikt und die Kinder fragen sich, ob sie noch beide Elternteile lieben dürfen. Kinder wollen im Grunde ja nichts lieber, als mit beiden Elternteilen zusammenzuleben. Die größte Angst des Kindes bei einer Trennung ist es, den nunmehr getrennt lebenden Elternteil zu verlieren.
Eine gute Haltung: Im Gespräch bleiben und Sicherheit schenken
Das Kind braucht nicht nur menschliche Zuverlässigkeit, sondern auch klare Informationen darüber, wie das Zusammenleben während bzw. nach der Scheidung und im Falle einer neuen Familiengestaltung aussehen soll.
Wenn Eltern versuchen, trotzdem miteinander eine Gesprächsbasis über die gemeinsamen Kinder zu finden und notwendige Entscheidungen gemeinsam zu treffen, dann werden die Kinder erleben, dass sich die Eltern zwar getrennt haben, aber weiterhin für sie da sind. Ein Kind braucht die Sicherheit, von Mutter und Vater geliebt zu sein, wie auch immer das Leben weiter gehen mag.
Rechte der Kinder
Nach einer zweiten Beziehung ist vor allem die Rolle der/des neuen Partner*in möglichst genau und umfassend zu klären. Diese Frage bleibt ständig aktuell. Es gibt einerseits für Stiefeltern Pflichten und Rechte, aber auch klare Grenzen ihrer Zuständigkeiten.
Seelsorge
Zur Vorbereitung der seelsorglichen Begleitung:
Zunächst das Gespräch suchen.
• Sowohl mit dem Kind als auch mit dem zuständigen Elternteil die Probleme ansprechen.
• Im Gespräch bleiben und die Probleme eventuell durch ein Angebot von Hilfestellungen und Begleitung in Beratungsstellen von auf.leben, bei der
Plattform WIGE einer Lösung zuführen
Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn solchen wie ihnen gehört das
Reich Gottes. Amen, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind,
der wird nicht hineinkommen. Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen
die Hände auf und segnete sie.
(Mk 10,14-16)
Worauf wir achten
Wir verwenden aus Gründen der leichteren Lesbarkeit beim Kind die Einzahl. Selbstverständlich meinen wir alle möglichen Geschwisterkonstellationen mit und sind uns bewusst, dass es bei unterschiedlichem Alter der Kinder auch unterschiedliche Entwicklungsstufen gibt, die im Gespräch berücksichtigt werden müssen.
- Entwickelt sich das Kind gut weiter?
• Kommt es mit der neuen Situation zurecht?
• Bei welchem Elternteil ist der ständige Aufenthalt (Wohnrecht)?
• Obgleich die Verantwortung für das Kind alleine bei den Eltern liegt, wurden
• auf die Bedürfnisse und Wünsche
• des Kindes Rücksicht genommen?
• Konnten die Wünsche des Kindes aus bestimmten Gründen nicht berücksichtigt werden?
• Ist das Besuchsrecht zufrieden stellend geregelt und wird es wie vereinbart praktiziert?
• Gibt es Streit darüber und fühlt sich ein Elternteil benachteiligt/überfordert?
• Wird das Kind über getroffene Regelungen ausreichend informiert?
• Wie bewältigt das Kind die familiäre Situation, aber auch alle anderen Situationen (Schule, Freizeit,… )?
• Wie steht es um die Verantwortung der Eltern für die religiöse Erziehung?
• Wer sorgt sich um die religiöse Entwicklung des Kindes?
• Was betrifft nach wie vor beide Eltern, was ist Sache der Mutter/des Vaters?
• Gibt es genügend gegenseitige Information oder wird sie verweigert?
• Wie wird mit Änderungswünschen umgegangen?
- Welche Verantwortung gegenüber Mutter/Vater/Kind bleibt oder darf auch einmal enden?
Was uns wichtig bleibt
- Die Grundrechte des Kindes müssen angesprochen werden.
· Die Gesprächskultur sollte trotz aller Differenzen wertschätzend sein.
· Lösungen sollen von den Eltern angestrebt und auch umgesetzt werden.
· Dem getrennt lebenden Elternteil sollte der gute Wille für seine Verantwortung nicht abgesprochen werden.
- Das Kind soll von den Eltern unterstützt und begleitet werden.
Worte einer Betroffenen
Ich fürchte, dass ich die Kinder in meinem ersten Schock so ziemlich allein gelassen habe, da ich sehr mit meinen Verletzungen beschäftigt war. Dann habe ich wiederum sämtliche Kräfte darauf konzentriert, meinen Mann zurück zu gewinnen. Erst als ich die Gewissheit hatte, dass es nichts mehr zu retten gibt, habe ich mich den Kindern und ihren Bedürfnissen wieder verstärkt zugewandt, im verzweifelten, aber absolut unmöglichen Versuch, ihnen Vater und Mutter zugleich zu sein. Eine Normalität wird hoffentlich bald eintreten. Insgesamt ist die Beziehung zu den Kindern intensiver geworden. Doch immer wieder quälen mich Zweifel: Mach ich’s richtig? Aber: Wenn ich ausgeglichen bin, wenn es mir besser geht, geht es dann nicht auch den Kindern besser? Eltern bleiben wir ein Leben lang, also bleibt viel Gemeinsames erhalten. Wie werden wir die Probleme in Zukunft gut gemeinsam bewältigen? Neue Herausforderungen kommen auf uns alle zu. Ich frage mich, ob es nicht schwieriger ist, eine gute Beziehung zwischen Geschiedenen zu führen als eine gute Ehe. Und es fällt mir nicht leicht, auch auf mich selbst zu schauen, doch langsam begreife ich, wie wichtig das wäre und es sind Kleinigkeiten, die ich mir bereits gönne …

