Donnerstag 12. Februar 2026
Unsere Broschüre "Aufmerksamkeiten"

Dritte Aufmerksamkeit gegenüber der Schuldfrage

Dritte Aufmerksamkeit
gegenüber der Schuldfrage

 

Die Situation

 

Zuerst sind zumeist Schuldzuweisungen vorherrschend, später machen sich Schuldgefühle breit. Verletzungen werden bewusst oder aber verdrängt. Jedenfalls bedarf es der Differenzierung: Wer fühlt sich schuldig? – Wer ist schuldig? Subjektive Wahrnehmung rechtfertigt nicht schuldhafte Reaktion darauf bzw. schuldhaftes Handeln. Vielfach geht es um Verantwortung der eigenen Handlungsweise und um die Wahrnehmung der Verletzung der/s anderen Partner*in durch diese Handlungsweise.

 

Es lohnt sich zu fragen:

  • Wofür übernehme ich die Verantwortung an der zerbrochenen Ehe?
  • Wo ist es geboten – unter der Berücksichtigung der emotionalen Prozesshaftigkeit eines Trennungs- und Scheidungsablaufes – mich um Versöhnung mit der/m Expartner*in zu bemühen?

Ist so eine Bereitschaft gegeben, hängt es wiederum von der Reife des Gegenübers (Expartner*in) ab, ob dann auch eine „Versöhnung mit Verantwortung“ gelingt. (Vor allem gegenüber den Kindern, aber auch im Umgang miteinander in der erforderlichen Distanz). Die (Nicht-) Bereitschaft der/s Expartner*in zu einem versöhnlichen Miteinander kann aber auf eine auf Zukunft ausgerichtete pastorale Handlungsweise nur sekundären Einfluss haben. Wichtig ist die Begleitung der/s konkreten Gesprächspartner*in in die geplante für ihn bessere Zukunft.

 

Gut begleitet. Schritt für Schritt


Diese Begleitung soll so gestaltet werden, dass die betroffenen Menschen Mut bekommen, mitsamt ihrer Lebensgeschichte mit Brüchen zu leben, eventuelle Schuld aufzuarbeiten und Schritte zur Versöhnung mit der Vergangenheit zu setzen. Ein wertschätzender Abschied von der früheren Ehe ist innerlich notwendig – erst wenn die Vergangenheit gelten darf, kann auch die Gegenwart gedeihen und eine gute Zukunft gelebt werden.

 

 

 Worte einer Betroffenen
Es ist nicht einfachzusagen, wer schuld ist – abgesehen von der Tatsache, dass ich jahrelang hintergangen worden bin. Schon davor kam es zu Entfremdung, Desinteresse an Dingen, die dem Partner wichtig waren, Alltagsroutine, Kommunikationsproblemen, einem „Auseinanderentwickeln“. Ich habe mich geistig und geistlich in einem anderen Tempo und in einer anderen Intensität als mein Mann entwickelt und so sind wir schon länger auf zwei Wegen und in unterschiedliche Richtungen unterwegs gewesen. Kann man dafür einem von beiden die Schuld geben? Ich glaube nicht. Scheitern gehört wohl zum Leben dazu... Ein wichtiger Prozess war für mich, weg von der Opferrolle zu kommen. Die Opferrolle zwängt mich in ein Korsett der Passivität. Als ich das erkannt hatte, konnte ich mich von dieser Rolle verabschieden.

 

 

Worauf wir achten

  • Ist die Schuldgeschichte aufgearbeitet?
  • Herrschen Hass, Anklage, Schuldzuweisung?
  • Gibt es eine bewusste Missachtung des Eheversprechens?
  • Welche Schuldzuweisungen/Verletzungen gab es gegenseitig?
  • Was wurde mir zugemutet, zugetraut?
  • Habe ich mich zur Wehr gesetzt? Wie? Oder zurückgezogen, geflüchtet, zugedeckt?
  • Bin ich zu mir selbst nicht ehrlich gewesen?
  • Gibt es Chancen im Zerbrechen einer Beziehung?
  • Haben wir beide an unserer Beziehung gearbeitet oder es nicht für nötig erachtet?
  • Wurde mir ein Gespräch mit einer*m Seelsorger*in angeboten?

Was uns wichtig bleibt

 

Es gibt Brüche im Leben. Wunden verlangen nach Heilung! Es braucht Zeit zur Beobachtung des Umgangs mit Schuld und die Bereitschaft, sowohl der ganzen Wirklichkeit in die Augen zu schauen als auch zum Kompromiss. Den Glauben als Möglichkeit der Versöhnung vorstellen. Die Hoffnung stärken, dass Gott Schuld und Sünde vergibt. Die Versöhnung aus dem Glauben wird möglich.

 

 

Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich angefleht hast. Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? (Mt 18,32-33)

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Plattform für Geschiedene und Wiederverheiratete in der Kirche (WIGE)
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