Saturday 13. April 2024
Unsere Broschüre "Aufmerksamkeiten"

Vierte Aufmerksamkeit gegenüber treuen Ehepaaren

Wie könnt ihr eure Beziehung vertiefen und noch glücklicher gestalten?

Die Situation

Eine Ehe hat nicht nur für die Partner und die Kinder Bedeutung, sondern auch für die Gemeinschaft, die Pfarrgemeinde, die Ortsgemeinde, die Gesellschaft.  Manche Ehen halten viele Jahre auch durch schwere Krisen hindurch, oft auch unter großen Opfern der Ehepartner. Sie verdienen großen Respekt. Selbstverständlich ist nicht in allen Situationen eine solche Hingabe möglich.

In aller Regel wollen Geschiedene und Wiederverheiratete durch ihre Existenz das Ideal der unauflöslichen Ehe nicht verwässern. Sie wollen aber am Leben der kirchlichen Gemeinden teilnehmen, weil sie - wie alle anderen Menschen auch - den Beistand und die Stützung einer gläubigen Gemeinde suchen, und weil auch ihre Kinder in der Kirche leben sollen.

Ein schwieriger Punkt ist die Reaktion der Gemeindemitglieder zu Personen aus gescheiterten Beziehungen, weil es Standpunkte gibt, die aus einer bestimmten Blickrichtung durchaus richtig aber auch gegensätzlich sind (Polarisierung).

Für die betroffenen Personen ist es nicht hilfreich, wenn es zur Parteiung (= Bestätigung des Verhaltens und damit auch des Fehlverhaltens eines Partners) oder zur Ablehnung kommt (= Ausschluss aus der Gemeinschaft).

Fest steht, dass die aufrechte sakramentale Ehe unauflöslich ist. Sie hat vor Gott die höchste Würde.

Die Beständigkeit der Ehe verlangt von den Partnern auch die Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten. Wenn dies nicht geschieht, aus Bequemlichkeit oder persönlicher Abhängigkeit, kann auch ein schuldhaftes Verhalten vorliegen. Nur den Schein zu wahren, ist ein Fehler. Die Kinder sind die ersten, die merken, dass etwas nicht stimmt. Sie haben ein Recht auf Klarheit.

Für Menschen, deren erste Ehe zerbrochen ist, soll ein „zweites Gelöbnis" möglich sein. Dadurch erhält diese neue Verbindung eine entsprechende Würde und hebt sich von einer nur standesamtlich geschlossenen Zivilehe ab. Dieses ist nicht mit einer kirchlich geschlossenen Ehe gleichzusetzen!

Dieses Gelöbnis beinhaltet das Einbekenntnis der Schuld auch gegenüber der Gemeinde, die Bereitschaft zur Versöhnung und den Vorsatz, es besser zu machen.

 

Stellungnahme einer Betroffenen

Oft Selbstaufgabe, Hintanstellen eigener Bedürfnisse und Interessen.

Ich nehme mich selbst als Person nicht wichtig genug, definiere meine Persönlichkeit an der des Partners, bin ohne ihn klein und schwach, mache ihn für mein Glück verantwortlich.

Unter Opfer einander treu bleiben, meist für den einen mehr Opfer als für den anderen.

Ehepaare, die einander unter Opfern treu geblieben sind, gab es früher unter anderen gesellschaftlichen Voraussetzungen (oftmals wegen der wirtschaftlichen Abhängigkeit der Frau vom Mann) und gibt es auch noch heute vor allem mit Rücksicht gegenüber den Kindern.

Ich denke, es ist ein Fehler, den Schein zu wahren, den Kindern vorzuspielen, es sei alles in Ordnung, „denn die Kinder sind die ersten, die merken, dass etwas nicht stimmt."

Für mich ergeben sich unterschiedliche Arten von Treue. Ich möchte sie so nennen:

• Sexuelle Treue
• Soziale Treue
• Emotionale Treue
• Treue in den Verantwortlichkeiten auch den Kindern gegenüber (Verlässlichkeit)

Wenn ein Partner nur einen Aspekt vernachlässigt, kommt es bereits zu einem starken Ungleichgewicht in der Beziehung, der andere Partner kann sich ausgenützt fühlen.

 

Zur Vorbereitung

Besonders wichtig ist es, die unterschiedlichen Gruppen in der Gemeinde (Alleinstehende, Verheiratete, Geschiedene, Wiederverheiratete...) nicht gegeneinander auszuspielen, sondern dort, wo Not und Unterstützung gesucht wird, diese anzubieten. Im seelsorglichen Bereich werden hier die Priester gefordert sein. In der solidarischen Gemeinschaft der Gläubigen sind es wohl die Pfarrangehörigen, die hier immer wieder gefordert sind, Sensibilität, offene Augen und Ohren für das Leid, für die Einsamkeit der Mitmenschen zu haben.

Jede menschliche Beziehung verdient Beachtung und Pflege. Pflege ist ein Prozess, der im Zusammenhang mit den gegebenen Möglichkeiten steht.

Beziehungen unterliegen immer auch Missverständnissen, Verletzungen und Störungen.

 

Fragestellungen

• Was sagt der Ruf Jesu nach Umkehr für meine Situation?
• Wie erlebt Gemeinde meine/unsere Situation?
• Wie reagieren Freunde, Nachbarn, Gemeindemitglieder?
• Welche Ansprüche stelle ich an die Kirche?
• Habe ich das echte Bedürfnis, die Sakramente der Buße und der Kommunion zu empfangen?
• Habe ich darüber mit einem Priester gesprochen?
• Habe ich Angst vor der Verweigerung oder solche Situationen schon selbst erlebt?

 

Daraus ergibt sich

Für den/die Seelsorger/in stellt sich die Frage nach der Theologie des Scheiterns. Wie könnte sie aussehen und vor allem, wie kann sie praktiziert werden. Sie hat sich an der Haltung Jesu und an der Haltung seines geliebten Vaters zu orientieren.

begegnung.LEBEN | Seelsorge in Beziehungen, Ehen und Familien

Plattform für Geschiedene und Wiederverheiratete in der Kirche (WIGE)
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