Freitag 15. Mai 2026

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Von Heiligenkreuz nach Mariazell

Gerasdorfer Fußwallfahrt 2026

Bericht: Thomas Böhm

Mit großer Vorfreude und etwas Respekt vor den rund 110 Kilometern machten sich am frühen Morgen des 6. Mai 2026 insgesamt 15 Pilgerinnen und Pilger der Pfarre Gerasdorf/3 Anger auf den Weg zur traditionellen Fußwallfahrt nach Mariazell. Noch vor Sonnenaufgang versammelten wir uns bei der Kirche in Gerasdorf, wo Pfarrer Anselm uns den Reisesegen spendete. Das von Alexander mit Gepäck und Erfrischungen beladene Begleitfahrzeug machte sich auch auf den Weg. Danach ging es mit S-Bahn und Bus Richtung Heiligenkreuz – zumindest fast ohne Zwischenfälle.

Denn schon auf der Busfahrt begann das erste kleine Abenteuer: Ein Handy blieb im Bus von Wien nach Heiligenkreuz liegen! Die Aufregung war groß, doch der Himmel meinte es gut mit uns. Da der Bus weiter nach Mariazell fuhr, konnte das Handy auf der Rückfahrt tatsächlich in Kaumberg wieder in Empfang genommen werden. Große Erleichterung bei allen Beteiligten!

Erster Tag – Von Heiligenkreuz nach Kaumberg

Pünktlich um 8 Uhr begann unsere Wanderung in Heiligenkreuz. Über Mayerling führte der Weg nach Nöstach und weiter über St. Pankraz nach Kleinmariazell, wo wir uns in der Stiftstaverne stärkten. Am Nachmittag ging es weiter bis Kaumberg zur Familie Brandtner.

Schon am ersten Tag zeigte sich, wie wichtig Zusammenhalt auf einer Wallfahrt ist. Bei Thomas löste sich plötzlich die Schuhsohle. Mit Bändern und Improvisationstalent wurde der Schuh notdürftig repariert und Martin half kurzfristig mit seinen Ersatzschuhen aus. Die mitgebrachten Joggingschuhe mussten dann die restliche Strecke übernehmen.

Auch einige Kappen wurden unterwegs vergessen. Zum Glück bemerkte die Gruppe das rechtzeitig, sodass die „verlorenen Schätze“ wieder eingesammelt werden konnten.

Zweiter Tag – Araburg und Griesler Gscheid

Nach dem Morgenlob begann der Aufstieg zur Araburg. Das Wetter meinte es gut mit uns, und die herrlichen Ausblicke entschädigten für manche Anstrengung. Nach einem kleinen „Google Maps“ Hoppala von 5 Zusatzkilometern erreichten wir über Adamstal und das Griesler Gscheid schließlich bei strömenden Regen Rohr im Gebirge.

Die ersten Blasen machten sich bemerkbar, wurden aber fachkundig versorgt. Überhaupt zeigte sich während der ganzen Wallfahrt ein besonderer Geist des Miteinanders: Jeder achtete auf jeden, niemand blieb allein zurück, und gegenseitige Hilfe war selbstverständlich.

Leider musste eine Teilnehmerin nach zwei tapfer durchgehaltenen Tagen ihre Wallfahrt beenden. Der Abschied fiel nicht leicht, doch alle zollten ihr großen Respekt für ihre Leistung.

Dritter Tag – Die „Sonderprüfung“

Der Freitag hatte es in sich: Über Themenwege, Wälder und lange Anstiege führte die Strecke Richtung St. Aegyd und weiter ins Tal der Unrechttraisen. Doch nach bereits rund 20 Kilometern wartete noch eine ganz besondere Herausforderung auf uns: eine Art „Sonderprüfung“ über einen steilen und schmalen Steig zu einem Aussichtpunkt und runter nach St. Aegyd.

Manche fragten sich insgeheim, ob das wirklich noch nötig sei – aber am Ende meisterten alle diese zusätzliche Prüfung mit Bravour. Müde Beine, aber stolze Gesichter begleiteten uns trotz kurzem Regenguss bis zum Gschoadwirt, wo wir singend einen tollen Hüttenabend hatten.

Besonders hervorheben möchten wir Martin, der mit seinen 76 Jahren eine beeindruckende Leistung zeigte. Mit bewundernswerter Ausdauer, guter Laune und erstaunlichem Tempo war er vielen ein Vorbild. Eine ganz besondere Gratulation zu dieser Top-Kondition!

Vierter Tag – Ankunft in Mariazell

Am Samstagmorgen brachen wir kurz nach Sonnenaufgang Richtung Walster auf. Die Besinnung bei der Klaus-von-der-Flüe-Kapelle am Hubertussee schenkte vielen einen stillen und besonderen Moment der Dankbarkeit.

In St. Sebastian trafen wir schließlich einige Buswallfahrer, bevor wir gemeinsam den Rosenkranzweg hinunter nach Mariazell gingen. Der feierliche Einzug in die Basilika war für viele der emotionale Höhepunkt der gesamten Wallfahrt.

Bei der Heiligen Messe konnten wir all das mitnehmen, was diese Tage geprägt hatte: Gemeinschaft, Hilfsbereitschaft, Durchhaltevermögen, Humor und Dankbarkeit.

Beim gemeinsamen Mittagessen im Gasthaus „Drei Hasen“ wurde noch einmal viel gelacht und erzählt – über verlorene Handys, kaputte Schuhe, gerettete Kappen, Blasenpflaster und die vielen kleinen und großen Momente unterwegs.

So bleibt diese Wallfahrt 2026 nicht nur als sportliche Leistung in Erinnerung, sondern vor allem als gemeinsamer Weg des Glaubens und der Gemeinschaft.