Mittwoch 20. Mai 2026

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EMAS
Umwelt

Schöpfungsgerechtigkeit bedeutet auch Standards einzuhalten

Die Pfarre am Lainzerbach hat sich auf die Einhaltung von Standrads verständig und wird jährlch daraufhin überprüft. Das Umweltteam arbeitet ständig an Verbesserungen und der Meinungsbildung.

Leitlinien

Umweltleitlinien der Pfarre am Lainzerbach, Wien 13

Präabmel


„Die Berufung, Beschützer des Werkes Gottes zu sein, praktisch umzusetzen gehört wesentlich zu einem tugendhaften Leben.“(217)


„Die Menschheit ist aufgerufen sich der Notwendigkeit bewusst zu werden, Änderungen im Leben, in der Produktion und im Konsum vorzunehmen, um diese Erwärmung oder zumindest die menschlichen Ursa­chen, die sie hervorrufen und verschärfen, zu bekämpfen. (23).“


Papst Franziskus, aus der Enzyklika „Laudato si“, über die Sorge für das gemeinsame Haus, 2015.

 

Nachhaltigkeit und Schöpfungsverantwortung haben mit Gerechtigkeit und Teilen zu tun. Im christ­li­chen Glaubensverständnis hat Gott die Erde allen Menschen zur Bebauung und Obhut übergeben. Wir sehen Schöpfungsbewahrung und Ressourcenschonung daher als ein Bemühen um weltweite Ge­schwi­sterlichkeit. Die Auswirkungen des Klimawandels bedrohen am meisten die Menschen in den armen Ländern.
 

Leitlinien
Die „Sorge um das gemeinsame Haus“ ist eine Aufgabe, die alle Mitglieder der Pfarre
Lainz-Speising herausfordert und ins Handeln miteinbezieht.

Naturnahen Lebensraum schaffen
Im Mittelpunkt der aktuellen Aktivitäten zur Gestaltung eines naturnahmen Freiraumes steht die Zu­sam­menarbeit mit den Jungscharkindern und ihren Leitern und Leiterinnen. Sie sind die handelnden Personen in der nächsten Generation und sie sollen mit Freude Verantwortung für die Schöpfung übernehmen.


Ressourcen schonen

Ressourcenschonung ist ein großer Beitrag zur Nachhaltigkeit. Deswegen ist es uns wichtig, Bewusst­sein für die Begrenztheit der Ressourcen durch Information und Workshops zu schaffen.
Der Bedarf an fossilen Energieträgern in der Pfarre ist durch den Einsatz erneuerbarer Energien stetig zu verringern.
Auf den „ökologische Fußabdruck“ von Lebensmitteln, besonders von Fleisch, ist bei der Planung und Durchführung von Veranstaltungen zu achten und ihn damit zu verringern.

Eine generationenübergreifende Kooperation in Gärten trägt sowohl zum Erfahrungsaustausch als auch zur vollen Nutzung von Schätzen, die in den Gärten heranwachsen, bei.


Die Einhaltung der rechtlichen und formalen Vorgegebenheiten zur regelmäßigen Wiedererwerbung
der EMAS-Zertifizierung sind bestimmend für das Handeln in der Pfarre am Lainzerbach
Wien, 15. Juni 2020

 

Umweltprogramm der Pfarre am Lainzerbach (2025 – 2029)

Die Pfarren Lainz-Speising, St. Hubertus und Christophorus sowie Maria, Heil der Kranken (ohne Grundstück, Kirchenort und Gebäude) bilden seit 1. Jänner 2025 zusammen die Pfarre am Lainzerbach. Da bisher nur Lainz-Speising EMAS-zertifiziert ist, setzt sich die neu entstandene gemeinsame Pfarre zum Ziel, in St. Hubertus die entsprechenden Maßnahmen zu setzen, damit bis 2029 der gemeinsamen Pfarre am Lainzerbach erneut die EMAS-Zertifizierung verliehen werden kann.

Generell gelten folgende Schritte:

1. Jahr: Erhebung der Ist-Situation

2. Jahr: Ableitung der Folgerungen für die Erfüllung der EMAS-Kriterien

3. – 5. Jahr: Umsetzung

Maßnahme

Voraussicht- lich erreicht am

Erfüllungs-grad in %

1

  1. Ziel: EMAS-Anforderungen im neuen Pfarrgebiet umsetzen

Räumlichkeiten und Ausstattung am Pfarrstandort
St. Hubertus erfassen

2025

Kennzahlentabelle erweitern, Daten am Pfarrstandort
St. Hubertus erheben und in die Tabelle aufnehmen

2025

  1. Ziel: Naturnahen Lebensraum schaffen

1.1

Die Grünflächen um die beiden Kirchen und bei den Pfarrgebäuden naturnah bewirtschaften

2026

1.2

Unterschlupf für Kleintiere und Insekten bereitstellen bzw. ergänzen

2026

Mulchen des Grasschnitts als natürlicher Dünger

laufend

2

  1. Ziel: Ressourcen schonen

Ziel:

2.1

Wiederverwendbares Geschirr auf den Pfarrstandort
St. Hubertus ausweiten

verwenden

2026

2.2

Verpackungsmaterial und Abfallmengen am Pfarrstandort St. Hubertus reduzieren

 reduzieren

laufend

Umstellung der derzeit verwendeten auf wieder befüllbare Opferkerzen am Standort St. Hubertus

2025 / 26

Umstellung auf LED-Leuchten an beiden Standorten, wenn Ersetzungsbedarf bei den vorhandenen Leuchten gegeben ist.

bei Bedarf

Instandsetzung von ca. 70 Heurigentischgarnituren

2025 und 2026

3

4. Ziel: Energieaufwand und CO2-Ausstoß reduzieren

3.1

Energieverschwender an beiden Pfarrstandorten eruieren und reduzieren

laufend

3.2

CO2-Ausstoß reduzieren

laufend

4

 5. Ziel: Kommunikation / Öffentlichkeitsarbeit pflegen

3.1

Homepage und Mitteilungsblatt für Bewusstseinsbildung, aktuelle Themen und Empfehlungen für das gesamte Pfarrgebiet nutzen (abhängig von neuer Homepage)

ab 2025

3.2

Logo auf Logoleiste der Homepage einfügen und bei diversen Veröffentlichungen einsetzen

ab 2025

 

Papst Franziskus

Immernoch ein wichtiger Referenztext, die Enzyklika von Papst Franziskus über die Sorge für das gemeinsame Haus.

"246. Nach dieser langen frohen und zugleich dramatischen Überlegung schlage ich zwei Gebete vor: eines, das wir mit allen, die an einen Gott glauben, der allmächtiger Schöpfer ist, teilen können, und ein anderes, damit wir Christen die Verpflichtungen gegenüber der Schöpfung übernehmen können, die uns das Evangelium Jesu vorstellt.

 

Gebet für unsere Erde

 

Allmächtiger Gott,

der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist

und im kleinsten deiner Geschöpfe,

der du alles, was existiert,

mit deiner Zärtlichkeit umschließt,

gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,

damit wir das Leben und die Schönheit hüten.

Überflute uns mit Frieden,

damit wir als Brüder und Schwestern leben

und niemandem schaden.

Gott der Armen,

hilf uns,

die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,

die so wertvoll sind in deinen Augen,

zu retten.

Heile unser Leben,

damit wir Beschützer der Welt sind

und nicht Räuber,

damit wir Schönheit säen

und nicht Verseuchung und Zerstörung.

Rühre die Herzen derer an,

die nur Gewinn suchen

auf Kosten der Armen und der Erde.

Lehre uns,

den Wert von allen Dingen zu entdecken

und voll Bewunderung zu betrachten;

zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind

mit allen Geschöpfen

auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.

Danke, dass du alle Tage bei uns bist.

Ermutige uns bitte in unserem Kampf

für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.

 

Christliches Gebet mit der Schöpfung

Wir preisen dich, Vater, mit allen Geschöpfen,

die aus deiner machtvollen Hand

hervorgegangen sind.

Dein sind sie

und erfüllt von deiner Gegenwart und Zärtlichkeit.

Gelobt seist du.

 

Sohn Gottes, Jesus,

durch dich wurde alles erschaffen.

In Marias Mutterschoß

nahmst du menschliche Gestalt an;

du wurdest Teil dieser Erde

und sahst diese Welt mit menschlichen Augen.

Jetzt lebst du in jedem Geschöpf

mit deiner Herrlichkeit als Auferstandener.

Gelobt seist du.

 

Heiliger Geist, mit deinem Licht

wendest du diese Welt der Liebe des Vaters zu

und begleitest die Wehklage der Schöpfung;

du lebst auch in unseren Herzen,

um uns zum Guten anzutreiben.

Gelobt seist du.

 

O Gott, dreifaltig Einer,

du kostbare Gemeinschaft unendlicher Liebe,

lehre uns, dich zu betrachten

in der Schönheit des Universums,

wo uns alles von dir spricht.

Erwecke unseren Lobpreis und unseren Dank

für jedes Wesen, das du erschaffen hast.

Schenke uns die Gnade,

uns innig vereint zu fühlen

mit allem, was ist.

 

Gott der Liebe,

zeige uns unseren Platz in dieser Welt

als Werkzeuge deiner Liebe

zu allen Wesen dieser Erde,

denn keines von ihnen wird von dir vergessen.

Erleuchte, die Macht und Reichtum besitzen,

damit sie sich hüten

vor der Sünde der Gleichgültigkeit,

das Gemeinwohl lieben, die Schwachen fördern

und für diese Welt sorgen, die wir bewohnen.

Die Armen und die Erde flehen,

Herr, ergreife uns mit deiner Macht

und deinem Licht,

um alles Leben zu schützen,

um eine bessere Zukunft vorzubereiten,

damit dein Reich komme,

das Reich der Gerechtigkeit, des Friedens,

der Liebe und der Schönheit.

Gelobt seist du.

Amen.

 

Gegeben zu Rom, Sankt Peter, am 24. Mai, dem Hochfest von Pfingsten im Jahr 2015, dem dritten meines Pontifikats."

gestaltet von chatGPT

Umwelttipps:

  • Wussten Sie, dass es auch ohne Garten und Balkon möglich ist frisches Gemüse in Form von Sprossen oder Microgreens in der Wohnung zu ziehen. Wenn Sie mehr dazu erfahren möchten, lesen Sie im Mai den Artikel im Bereich Umwelt auf der Pfarrhomepage.
  • Wussten Sie, dass der Kakaoanbau mit vielen Problemen wie der Abholzung von Regenwald, Kinderarbeit oder Pestizideinsatz verknüpft ist. Achten Sie deshalb beim Kauf von Schokolade darauf, dass sie bio-zertifiziert und mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet ist.
  • Weil Singvögel aufgrund ihres Lebensraumverlusts immer seltener werden, kann man sie mit katzensicheren Vogelhäuschen im Garten oder am Balkon unterstützen.
  • Wussten Sie, dass Strom aus Batterien 200- bis 500-mal teurer ist als Strom aus der Steckdose? Dazu sind Batterien giftiger Sondermüll.
  • Secondhandkleidung spart Ressourcen und Energie, die für die Erzeugung neuer Kleidung notwendig wäre.
  • Wussten Sie, dass durch den schnellen und gründlichen Luftaustausch beim Stoßlüften, weniger Energie und Wärme verloren geht als durch Dauerlüften mit gekippten Fenstern.
  • Ein Tennisball oder Holzstück im Gartenteich verhindert das totale Zufrieren und lässt Fische und Amphibien überleben.
  • Wussten Sie, dass Eierschalen als Dünger für Ihre Pflanzen verwendet werden können? Die Schalen von 2 Eiern pro Liter Wasser werden unter einem Tuch mit einem Fleischklopfer zerkleinert und ins Gießwasser gegeben. Nach ein paar Tagen Ziehzeit können Sie ihre Pflanzen mit dem Sud gießen.
  • Fast alle Putzmittel können bedenkenlos durch Essig, Backpulver und Kernseife ersetzt und damit Umwelt und Gesundheit geschont werden.
  • Wussten Sie, dass Textilien aus Kunststoffen bei jedem Waschgang und auch beim Tragen Microfasern abgeben. Filter in Waschmaschinen und Kläranlagen können diese nicht vollständig aus dem Wasser herausfiltern, weshalb ein erheblicher Teil in die Umwelt kommt. Deshalb sind Kleidungsstücke aus Naturfasern zu bevorzugen.
  • Aus Angst vor Haftung wurden Bäume in der Vergangenheit oft stark zurückgeschnitten oder gar gefällt, obwohl sie gesund waren. Der neue Paragraf 1319b ABGB stellt klar, dass Bäume Naturgebilde und keine Bauwerke sind und daher nicht vorschnell beseitigt werden dürfen.
    Infos auf baumkonvention.at
  • Wussten Sie, dass für die Nachhaltigkeit unterwegs gilt: „Vorbereitung ist alles!“ Statt Plastiksackerl, Einweg-Besteck und Wegwerf-Becher, einfach ein Stoffsackerl, Essbesteck zum Mitnehmen und einen To Go-Becher mitnehmen. Damit ist einkaufen und auswärts snacken, ohne dabei Müll zu produzieren, möglich.
  • Pools, Lichtschächte und Kellertreppen abzusichern oder mit Ausstiegshilfen auszustatten, kann Igeln, Katzen und Amphibien das Leben retten - dasselbe gilt für den Verzicht von Außenbeleuchtungen zugunsten von Insekten, der Nahrungsgrundlage der Vögel.
  • Wussten Sie, dass Natron und Essig sehr gut Ablagerungen im WC lösen und auch Gerüche neutralisieren können. (200g Natron in die Toilette geben, dann langsam 100ml Essig darüber gießen. Nach ein paar Minuten mit Wasser nachspülen.)
  • Bei Bioprodukten vom Apfel bis zum Wein dürfen keine chemisch-synthetischen Pestizide verwendet werden, da diese erbgutschädigend, hormonwirksam oder krebserregend sein können - erlaubt sind nur biologisch-organische Pestizide, etwa auf Kupfer- und Schwefelbasis.

 

erstellt mit chatGPT

Der lange Weg zur Anerkenntnis unserer Schöpfungsverantwortung….

Erst mit den knapper werdenden Ressourcen und den offenkundigen Umweltkrisen ist bei den meisten von uns das Bewusstsein gewachsen, dass wir mit diesen Ungleichgewichten etwas zu tun haben. 1972 hatte der Club of Rome mit „Die Grenzen des Wachstums“ erstmals weltweit aufhorchen lassen. Damals wurde vor den Folgen von schrankenlosem industriellem Wachstum auf Ökologie und die Lebensräume von Menschen und Natur aufrüttelnd gewarnt. Der Ressourcenverbrauch, die Wasserverschmutzung und die Waldabholzung standen im Focus. In den achtziger Jahren wurden die anthropogenen Einflussfaktoren auf das Klima Gegenstand der weltweiten Sorge. Intensive Forschungen über den menschenverursachten Anstieg des Kohlendioxyds in der Atmosphäre und den daraus resultierenden Klimawandel begannen. Es entstand 1988 das IPCC, das Intergovernmental Panel on Climate Change der Vereinten Nationen1)   und auch die Kirchen haben die „Zeichen der Zeit“ endlich erkannt.  Schon 1974 hatte der Weltrat der Kirchen auf globaler Ebene die „sustainability“ eingefordert,2) doch erst 1992 auf der UN-Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro hat das Leitbild der Nachhaltigkeit Fahrt aufgenommen. Die christlichen Kirchen mussten erst in ihre Rolle hineinfinden, denn: „Christliche Schöpfungsverantwortung findet nur dann im Leitbild der Nachhaltigkeit ihren zeitgemäßen Ausdruck, wenn sie ihrerseits eine ethische und religiöse Dimension dieses Leitbildes aufdecken und aus den eigenen Quellen heraus interpretieren kann.“3) 

Inzwischen ist Papst Franziskus mit der „Magna Charta“ der Schöpfungsverantwortung, der Enzyklika „Laudato si“ dieser Aufgabe nachgekommen. (Umwelt-Enzyklika des Papstes, 2015) Sie kann uns Leitlinie sein, auf die wir zurückgreifen, denn:

 „Wir sind nicht Gott. Die Erde war schon vor uns da und ist uns gegeben worden. Das gestattet, auf eine Beschuldigung gegenüber dem jüdisch-christlichen Denken zu antworten: Man hat gesagt, seit dem Bericht der Genesis, der einlädt, sich die Erde zu `unterwerfen   ` (vgl.Gen 1,28), werde die wilde Ausbeutung der Natur begünstigt durch die Darstellung des Menschen als herrschend und destruktiv. Das ist keine korrekte Interpretation der Bibel, wie die Kirche sie versteht. Wenn es stimmt, dass wir Christen die Schriften manchmal falsch interpretiert haben, müssen wir heute mit Nachdruck zurückweisen, dass aus der Tatsache, als Abbild Gottes erschaffen zu sein, und dem Auftrag, die Erde zu beherrschen, eine absolute Herrschaft über die Geschöpfe gefolgert wird. Es ist wichtig, die biblischen Texte in ihrem Zusammenhang zu lesen, mit einer geeigneten Hermeneutik, und daran zu erinnern, dass sie uns einladen, den Garten der Welt zu `bebauen´ und zu ´hüten´ (vgl. Gen 2,15). Während ´bebauen´ kultivieren, pflügen oder bewirtschaften bedeutet, ist mit ´hüten´ schützen, beaufsichtigen, bewahren, erhalten, bewachen gemeint. Das schließt eine Beziehung verantwortlicher Wechselseitigkeit zwischen dem Menschen und der Natur ein. Jede Gemeinschaft darf von der Erde das nehmen, was sie zu ihrem Überleben braucht, hat aber auch die Pflicht, sie zu schützen und das Fortbestehen ihrer Fruchtbarkeit für die kommenden Generationen zu gewährleisten.“4)

  1. Vogt Markus: Wovon leben wir? In: Walter Krieger, Balthasar Sieberer (Hg.): Unseren Händen anvertraut. Schöpfungsverantwortung als pastorale Aufgabe.- Kevelaer: Lahn Vlg.2007; S. 76
  2. Ebda, S.87
  3. Ebda.
  4. Papst Franziskus: Die Enzyklika „Laudato SI´“. Über die Sorge für das gemeinsame Haus. Freiburg i. Breisgau: Herder Vlg.2015, S.78/79

Renate Meissl, 27.10.2025

gestaltet von chatGPT

Die Umwelt mit allen Sinnen bewusst wahrnehmen

In meinem Alltag gibt es immer viel zu erledigen, die Liste ist lang, da bleibt nicht viel Zeit zu verschnaufen - oder doch? Wenn ich in den Garten gehe, um meine Pflanzen zu gießen, sind meine Sinne auf Empfang gestellt, bewusstes Wahrnehmen – betrachten, lauschen, riechen, schmecken, fühlen und spüren. Barfuß gehe ich über die von der Sonne warmen Steinplatten, durch das weiche und manchmal auch noch feuchte Gras und spüre die kühle Erde. Immer wieder trete ich auf einen kleinen Stein, oft rund aber hie und da auch spitz und unangenehm bis schmerzhaft. Der Wind streicht über meine Haut und durch mein Haar, angenehm und kühl, wenn die Sonne hell und heiß vom Himmel scheint und erzeugt ein Frösteln an kühleren Tagen oder in den Abendstunden.
Während ich den einzelnen Pflanzen Wasser aus dem Gartenschlauch gebe, schaue ich mich um. Es gibt so viel zu sehen, so viele unterschiedliche Blüten in der Wiese, jede einzelne ein Wunderwerk der Natur in den unterschiedlichsten Farben und Formen und auch die Insekten – diese wunderbare Vielfalt. Innehalten und zusehen, wie sie von Blüte zu Blüte fliegen, nicht nur die Bienen, lässt mich staunen und erzeugt in mir eine angenehme innere Ruhe. Ich bin im Augenblick „gefangen“ – kein Denken, was sonst noch zu erledigen ist.
Doch da neben dem anhaltenden Geräusch des aus dem Gartenschlauch fließenden Wassers höre ich plötzlich ein Knacksen. Ich schaue auf und sehe im Haselnussstauch ein Eichkätzchen, das gerade eine Nuss geknackt hat. Ich richte meine Aufmerksamkeit mehr auf die Geräusche im Garten und nehme jetzt auch das Summen der Insekten und den Gesang der Vögel bewusst wahr. Hie und da gelangt ein Rascheln an mein Ohr und ich frage mich, welches Tier es wohl erzeugt hat.
Bei den Rosen angelangt sehe ich eine wunderschöne, gerade erblühte Rosenblüte. Wie schön sie ist. Ich nähere mich ihr mit meiner Nase und atme den herrlich intensiven Duft in mich ein. Auch den Duft der Kräuter nehme ich wahr – den zitronigen Duft der Zitronenmelisse, den herb aromatischen Duft des Rosmarins und das blumige Aroma des Basilikums.
Da entdecke ich eine schwarze Brombeere und lasse sie auf meiner Zunge zergehen – ein bisschen sauer mit einer leicht süßen Note.
Das Gießen ist nun beendet, ich räume den Gartenschlauch weg und kann mich nur schwer von meinem Garten trennen, obwohl die nächste Aufgabe auf mich wartet. Einen Augenblick noch verharre ich im Wahrnehmen der Natur mit all meinen Sinnen, bevor ich mich losreiße und zu meiner Liste der Erledigungen zurückkehre. Doch etwas kann ich mitnehmen – zumindest für eine gewisse Zeit - die Ruhe, die ich im Garten empfunden hatte.
Vielleicht kann ich Sie dazu einladen, ihre eigene bewusste Entdeckungsreise mit allen Sinnen durch die Natur zu starten.
Viel Freude damit!

 

20. August 2025                                                                                            Monika Steinbichler