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01.09.2019 · Glaube · Seelsorge

Ansehen! (Lk 14,1.7-14)

Im Evangelium rät uns Jesus zu vornehmen Zurückhaltung. Was zunächst wie eine Regel für gutes Benehmen klingt, mündet in die Aufforderung, sich bewusst den Menschen zuzuwenden, von denen ich nichts zu erwarten habe – und von denen ich wohl kein Selfie posten würde.

Gregor Jansen schreibt in der Zeitung der Erzdiözese Wien "Der SONNTAG" seine Gedanken zum Evangelium zum  22. Sonntag im Jahreskreis (1.9.2019)

 

 

Das Wort zur Schrift - meine Gedanken zum Evangelium

zum 22. Sonntag im Jahreskreis:

 

mit Impuls - Inspiriert vom Evangelium; Lukas 14,1.7-14

 

Jesus hält seinen Zuhörern und uns den Spiegel vor: Strebe ich nicht oft nach demAnsehen unserer Umgebung, will ich mich nicht bestmöglich darstellen und bin ich nicht auch geschmeichelt, wenn sich eine höher gestellte Persönlichkeit für mich interessiert?

Suchen wir nicht oft bewusst die Nähe von (scheinbar oder tatsächlich) „wichtigen“ Persönlichkeiten, Prominenten oder auch kirchlichen Würdenträgern?

 

Was früher die Bitte um ein Autogramm war, ist heute die Aufforderung zum „Selfie“: Ich fotografiere mich selbst mit einem Prominenten und stelle das Foto dann in einen social-media-Kanal im Internet. Nicht einmal vor dem Papst macht diese Selfie-Sucht Halt.

 

Was dabei auffällt: Die fotografierten Personen schauen sich nicht mehr an, sondern sie lächeln in die Kameralinse des Smartphones – irgendwie paradox: ich sehe die „angesehene“ Person gar nicht (mehr) an. Und durch die Veröffentlichung im Internet hoffe ich, dass ein wenig von der Prominenz auch auf mich abstrahlt.


Im Evangelium rät uns Jesus aber zur vornehmen Zurückhaltung. Was zunächst wie eine Regel für gutes Benehmen klingt, mündet in die Aufforderung, sich bewusst den Menschen zuzuwenden, von denen ich nichts zu erwarten habe – und von denen ich wohl kein Selfie posten würde.

 

Hier kommt mir das Wort des kritischen Katholiken Heinrich Böll in den Sinn: „Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache, und mehr noch als Raum gab es für sie: Liebe für die, die der heidnischen wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen.“


Ich frage mich: Ist das in meinem Leben und im Leben unserer Pfarren wirklich so? Ein Gradmesser dafür ist, ob offensichtlich Arme einen Platz bei uns haben – nicht nur in der Caritas-Sprechstunde, sondern auch im Gottesdienst und im Pfarrcafé. In meiner Pfarre sind immer wieder obdachlose Menschen in und rund um die Kirche anzutreffen. Verhalte ich mich ihnen gegenüber freundlich oder ablehnend? Schaue ich ihnen ins Gesicht? Gebe ich denen, die in den Augen der Gesellschaft als „nutzlos“ erscheinen, damit An-Sehen?


Immer wieder erlebe ich, dass sich Menschen im Gottesdienst schwertun, einer offensichtlich obdachlosen Person die Hand zum Friedensgruß zu reichen. Und manche fühlen sich schon durch die Anwesenheit dieses Menschen gestört. Sicher ist es manchmal eine Überwindung, vor allem, wenn er sich etwas unkonventionell verhält oder auch nicht ganz so gepflegt daherkommt. Oder er sehr rasch damit beginnt, mich um ein paar Euro „anzuschnorren“.

 

Ich gebe auch nicht immer etwas, aber ich versuche, ihm mit Respekt und Anstand zu begegnen. Die Bibel nennt das die Grundhaltung der „Demut“, die ein Gegensatz zum „Hochmut“ ist.

 

Diese Art, den Menschen in Würde zu begegnen, lässt sich einüben. Die Frage ist, ob ich mich dafür entscheide. 

 

 

Evangelium

nach Lukas 14, 1.7–14

 

Jesus kam an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen. Da beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, erzählte er ihnen ein Gleichnis.

 

Er sagte zu ihnen:
Wenn du von jemandem zu einer Hochzeit eingeladen bist, nimm nicht den Ehrenplatz ein! Denn es könnte ein anderer von ihm eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen.


Vielmehr, wenn du eingeladen bist, geh hin und nimm den untersten Platz ein, damit dein Gastgeber zu dir kommt und sagt: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen.


Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. 

 

Dann sagte er zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich wieder ein und dir ist es vergolten. 

 

Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

 

 

Impuls

Inspiriert vom Evangelium

 

Mit welchen Personen
möchte ich in der Öffentlichkeit gesehen werden – und mit wem nicht?

Begegne ich

Armen, Obdachlosen, Ausgegrenzten von oben herab oder respektvoll?

 

Sind unsere Kirchen und Pfarren einladend für Arme?  –  Gibt es „Raum und Liebe“ für sie?

 

 

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erstellt von: Der SONNTAG / Dr. Gregor Jansen
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Weitere Informationen:

Dr. Gregor Jansen
ist Dechant des Dekanats 8/9 und Moderator der Pfarre Breitenfeld

 


"Das Wort zur Schrift"

 

 

Gedanken zum Evangelium


 

Wir bieten hier den Pfarren die Doppelseite des SONNTAG mit den Schriftstellen und dem Evangeliumskommentar zum Ausdruck als *pdf an.

 


weitere Informationen zu

 

Der SONNTAG
die Zeitung der Erzdiözese Wien
Stephansplatz 4/VI/DG
1010 Wien
T +43 (1) 512 60 63
F +43 (1) 512 60 63-3970

E-Mail-Adresse: redaktion@dersonntag.at

 

 
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