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12.07.2017 · Glaube · Bibel

Herausforderungen in der Ökumene: Verständnis der Heiligen Schrift

 

Fragen zum Stellenwert der Bibel im Christentum

 

  • Für das Christentum sind die Bücher der hebräischen Bibel (TANACH) und der christlichen Bibel normativ. Die Bibel mit der Vielzahl ihrer Schriften zweier Testamente bildet den Maßstab.
  • Im Zentrum der biblischen Botschaft steht das Heilshandeln Gottes in Jesus Christus.
  • Wie gelangen die christlichen Kirchen zu einer geeigneten Übersetzung der Bibel?
  • Wie verhalten sich Heilige Schrift und die kirchliche Tradition zueinander?
     

Welche Bibel(-übersetzung) bzw. welche Bibelausgabe wird offiziell in Liturgie und Glaubensunterweisung verwendet?

 

Altorientalen

Ausgabe einer Bibel in koptischer Sprache.

Koptische Kirche: Griechisch, Koptisch.
–    Syrisch-orthodoxe Kirche:
Syrisch-aramäisch, manchmal Arabisch.
–    Armenier: Einheitsübersetzung alt.

 

Orthodoxe

Muttersprachliche Texte (Griechisch u. a.) in der Liturgie, deutschsprachige Übersetzungen im Unterricht.
Seit 2015 ist in Österreich eine orthodoxe Schulbibel (Bild oben) in Deutsch mit Teilen des Neuen Testaments in Verwendung (für Griechen, Serben, Russen, Rumänen, Bulgaren).

 

Katholiken

 

Einheitsübersetzung 2017

 

Da an der Übersetzung auch evangelische Theologen beteiligt waren, wurden die Psalmen und das Neue Testament sowohl von katholischer als auch von evangelischer Seite anerkannt. Bereits in Gebrauch ist die Neuausgabe der Einheitsübersetzung von 2017.

 

 

Protestanten

 

Lutherbibel 2017

 

Luther übersetzte beide Teile der christlichen Bibel aus der jeweiligen Originalsprache (Altes Testament aus dem Hebräischen bzw. Aramäischen; Neues Testament aus dem Griechischen). Sie wurde mehrfach revidiert.
Letzte Neuausgabe: Lutherbibel 2017.

 

Anglikaner

King-James-Bibel
Seit ihrer Erstveröffentlichung im Jahre 1611 ist sie die einflussreichste englischsprachige Bibelübersetzung. Sie wurde im Auftrag von König Jakob I. von England erstellt. Heute wird vor allem die im Jahre 1769 entstandene Ausgabe verwendet.

 

Auf welcher Grundlage werden die biblischen Bücher ausgewählt? Welche Bücher gehören zur off iziellen Zusammenstellung (Kanon)?

 

Altorientalen und Orthodoxe

Die meisten orthodoxen Kirchen haben die „deuterokanonischen“ alttestamentlichen Bücher in ihren Kanon aufgenommen, zusätzlich auch das 1. Buch Esra und das 3. Makkabäerbuch. In einigen orthodoxen Kirchen werden auch das Buch der Oden, das 4. Makkabäerbuch, das Gebet Manasses bzw. ein 4. Buch Esra (das nur in lateinischer und slawischer Übersetzung überliefert ist, während die griechische Version verlorenging) als kanonisch anerkannt.

 

Katholiken

Die römisch-katholische Kirche erkennt die Zusätze der Septuaginta (= die Übersetzung der „Siebzig“, Abk. LXX; sie ist die älteste durchgehende Übersetzung der hebräisch-aramäischen Bibel ins Griechische) zu Ester und Daniel, die Bücher Tobit, Judit, die ersten beiden Makkabäerbücher, Jesus Sirach, das Buch der Weisheit, Baruch und den Brief des Jeremia als deuterokanonische Schriften an, das 3. und 4. Makkabäerbuch sowie das 3. Buch Esras hingegen nicht.

 

Protestanten

Der Protestantismus hat nur die Bücher des TANACH in seinen alttestamentlichen Bibelkanon übernommen. In den lutherischen Kirchen gelten die deuterokanonisch genannten Zusätze und Bücher sowie das Gebet Manasses als Apokryphen, die in ihren Bibelausgaben oft als Anhang mit abgedruckt werden. In den reformierten Kirchen werden für das Alte Testament grundsätzlich nur die Bücher der hebräischen Bibel anerkannt und in ihren Bibelausgaben abgedruckt.

 

Anglikaner

Das erste Neue Testament in englischer Sprache brachte bereits Wyclif (1330–1384) im Jahre 1383, ein Jahr vor seinem Tod, heraus. Im Jahre 1382 wurden seine Schriften von einer Synode in Oxford als ketzerisch verurteilt.

 

 


Welche anderen Übersetzungen gibt es?

 

Altorientalen

Kopten: Schlachter Bibel 2000
und Septuaginta-Deutsch für das AT.

Syrer: Gute-Nachricht-Bibel.

 

Orthodoxe

Bibel- und Liturgiesprache der Orthodoxie ist die jeweilige Landessprache oder eine ältere Form derselben, wie etwa
Altgriechisch oder Kirchenslawisch.

 

Katholiken

–    The New Jerusalem Bibel – Standard
Edition by Henry Wansbrough (1985).
–    Neue Jerusalemer Bibel:
Einheitsübersetzung mit dem
Kommentar der Jerusalemer Bibel (1985).
–    Das Neue Testament v. Fridolin Stier (1989).

 

Protestanten

–    Elberfelder Bibel (ab 1855; 2006).
–    Zürcher Bibel (2007).
–    „Gute Nachricht Bibel“ (ab 1985).
–    Münchner Neues Testament (1989).
–    Schlachter Bibel (2000).
–    Bibel in gerechter Sprache (2007).
–    Die Volxbibel (62009).

 

 

Wie kann das Verhältnis von Hl. Schrift zur kirchlichen Tradition beschrieben werden?

 

Altorientalen und Orthodoxe

Die Bibel ist eine wichtige Quelle des Inhalts des christlichen Glaubens.
Sie ist Ausgangspunkt und Fundament jeder Theologie.
Gemeinsam mit der Lehre der Kirchenväter, den Entscheidungen der sieben Ökumenischen Konzilien und dem liturgischen Leben bildet die Bibel den Gehalt des Glaubenswissens und christlichen Handelns.

 

Katholiken

Das Zweite Vatikanische Konzil gibt der Heiligen Schrift den ersten Platz.
Das Konzil sieht die Tradition nicht als eine Ergänzung der Heiligen Schrift, sondern als ihre Auslegung durch die Jahrhunderte. In diesem Sinn stellt das Konzil fest, die Kirche schöpfe „ihre Gewissheit über alles Geoffenbarte nicht aus der Schrift allein“.

 

Protestanten

(allein durch die Schrift) gingen die Reformatoren zurück zu den biblischen Quellen der christlichen Botschaft.
Es werden jedoch auch die Traditionen der Dogmen anerkannt (vgl. Erklärungen zwischen Orthodoxen und Lutheranern). Das Sola-Scriptura-Prinzip richtete sich vor allem gegen menschliche Traditionen, die die authentische Lehre der Kirche verdunkeln könnten.

 

Anglikaner

Der an der Hl. Schrift orientierte Gläubige versteht sich als befreiter Mensch, der sich auch befreit weiß von jeder Bevormundung durch kirchliche und weltliche Autoritäten.


Das Wort Gottes zu erkennen heißt für Calvin, das Leben der Heiligen Schrift gemäß zu gestalten, also: im täglichen Leben die eigene Gier nach Reichtum und Macht im Zaum zu halten.

 

 

Was bildet die Basis aller Bibelübersetzungen?

 

Altorientalen

BHS (Biblia Hebraica)
Sie ist die vollständige wissenschaftliche Ausgabe des Codex Leningradensis, mit allen wichtigen Textvarianten und Korrekturvorschlägen im textkritischen Apparat.
Die BHS ist weltweit in Gebrauch und wird in allen Konfessionen überaus geschätzt.

 

Orthodoxe

Novum Testamentum Graece (Nestle-Aland)
Dabei handelt es sich um eine textkritische Ausgabe, die versucht, den ursprünglichen Textbestand des griechischen Neuen Testaments zu rekonstruieren.
Den gleichen Text mit anderen Anmerkungen bietet das Greek New Testament.

 

Katholiken

Septuaginta (LXX)
Dabei handelt es sich um eine textkritische Ausgabe, die versucht, den ursprünglichen Text der Septuaginta anhand des verfügbaren Handschriftenmaterials zu rekonstruieren. Die LXX enthält einige Bücher, die in modernen Bibelausgaben nicht zu finden sind.

 

Protestanten

Biblia Sacra Vulgata
Der wissenschaftlich maßgebliche Text der Vulgata ist heute die von Robert Weber und Roger Gryson herausgegebene „Biblia Sacra Vulgata- Editio quinta.“
Die Ausgabe enthält den aufwändig rekonstruierten lateinischen Bibeltext mit einem umfangreichen Anmerkungsapparat.

 

Anglikaner

Onlineausgaben
Alle diese Quellentexte sind auf der Seite www.bibelwissenschaft.de/online-bibeln zu finden.

Deutsche Ausgaben sind bequem über
www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln ereichbar.

erstellt von: Der SONNTAG / Redaktion und Grafik: Robert Pretterhofer, Heinz Finster
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Weitere Informationen:

Schwerpunkt Ökumene

 


Teil 1 der Serie:

katholisch  /  evangelisch: Was sie verbindet, was sie trennt

 

Teil 2 der Serie:

Verständnis der Heiligen Schrift

 

Teil 3 der Serie:

Feier der Sakramente

 

Teil 4 der Serie:

Maria

 

Teil 5 der Serie:

Gemeinschaft der Heiligen

 

Teil 6 der Serie:

Gemeinschaft der Kirche

 

Teil 7 der Serie:

Ämter und Dienste

 

Teil 8 der Serie:

Das Oberhaupt der Kirche

 

Teil 9 der Serie:

Eucharistische Gemeinschaft

 

Teil 10 - Ende der Serie

Wissenswertes

 

 


weitere Informationen zu

 

Der SONNTAG
die Zeitung der Erzdiözese Wien
Stephansplatz 4/VI/DG
1010 Wien
T +43 (1) 512 60 63
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E-Mail-Adresse: redaktion@dersonntag.at

 

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„Zum zehnten Geburtstag feierte die Pfarre Franz von Sales ihr lebendiges Zusammenwachsen und die Vielfalt ihrer drei Teilgemeinden in Wien.“

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Wien: Kirchen feierten große gemeinsame Ostervesper

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Ökumenischer Rat der Kirchen, Erzdiözese Wien und Stiftung Pro Oriente luden am Samstag zu ökumenischem Gottesdienst in Wiener Stephansdom. Administrator Grünwidl in Predigt: Gemeinsamer Ostertermin ist Zeichen der Hoffnung auf größere Einheit der Kirchen.

Ökumenisches Gebet für verfolgte Christen

Armenischer Bischof Petrosyan ruft bei ökumenischem Gebetsabend in Michaelerkirche zu mehr internationaler Hilfe für bedrängte Glaubensgeschwister auf. "Ökumene des Blutes" verbindet alle Christinnen und Christen.

NÖ-Landeshauptfrau lud Vertreter der Katholischen und Evangelischen Kirche zu Begegnung ins St. Pöltner Landhaus. Kardinal Schönborn: Gutes Verhältnis und Miteinander unter verschiedenen Religionen stärken.

Kreuz ist verbindendes Symbol und Ausdruck unserer Werte

NÖ-Landeshauptfrau lud Vertreter der Katholischen und Evangelischen Kirche zu Begegnung ins St. Pöltner Landhaus. Kardinal Schönborn: Gutes Verhältnis und Miteinander unter verschiedenen Religionen stärken.

Gottesdienst zum 20. Todestag von Kardinal König und zum 60-Jahr-Jubiläum der Stiftung 'Pro Oriente' im Wiener Stephansdom

Dankbarkeit für wachsende Einheit der Kirchen

Bei Gottesdienst zum 20. Todestag von Kardinal König und zum 60-Jahr-Jubiläum der Stiftung "Pro Oriente" im Wiener Stephansdom wurde bunte Vielfalt der Kirchen in Ost und West sichtbar. Bischof Scheuer: Kirchen müssen sich gemeinsam für Versöhnung, Frieden und das Gemeinwohl einsetzen.

Kardinal Schönborn: Ökumene lebt von echten Freundschaften

Kardinal Schönborn: Ökumene lebt von echten Freundschaften

Gottesdienst im Wiener Stephansdom am 13. März zum 20. Todestag von Kardinal König und zum 60-Jahr-Jubiläum von Pro Oriente.

Gezeichnete Friedenstaube mit Oliven Zweig

Ökumenisches Friedenssymposium am 8. November

Gemeinsame katholisch-orthodox-evangelische Veranstaltung zum Thema "Wege der Versöhnung. Unser Auftrag als Christen für einen gerechten Frieden".

Weltsynode: Ökumene-Side-Event mit Kardinälen Schönborn und Koch

Weltsynode: Ökumene-Side-Event mit Kardinälen Schönborn und Koch

Präsentation des Pro Oriente-Films "Listening to the East" und des gleichnamigen Buches, die die Vielfalt synodaler Erfahrungen und Traditionen im Leben der orthodoxen und orientalischen Kirchen aufzeigen.

Globus in Händen

20 Jahre ökumenisches "Sozialwort": Kirchen starten neue Initiative

Beim Projekt "Sozialwort 20+" sollen österreichweit in Gottesdiensten Gäste aus jeweils anderen Kirchen kurze aktuelle Impulse zu Themen des "Sozialworts" geben oder bisher noch fehlende aktuelle Themen aufgreifen.

Kirchen: Vertrauen in Hoffnungspotenzial des christlichen Glaubens

Kirchen: Vertrauen in Hoffnungspotenzial des christlichen Glaubens

Mitternachtsgebet des Ökumenischen Rates der Kirchen in Wiener Deutschordenskirche beschloss "Lange Nacht der Kirchen".

Stadt Wien zeichnet Religionspädagogin Christine Mann aus

Stadt Wien zeichnet Religionspädagogin Christine Mann aus

Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um Religionsdialog. Gästeliste mit prominenten Religionsvertretern war Spiegelbild für gutes Verhältnis der Glaubensgemeinschaften in Wien.

Papst Franziskus empfing koptisch-orthodoxen Patriarchen Tawadros II. im Vatikan.

Zwei-Päpste-Treffen im Vatikan mit gemeinsamen Gebet

Papst Franziskus empfing koptisch-orthodoxen Patriarchen Tawadros II. im Vatikan.

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