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23.07.2019 · Glaube · Seelsorge

Auf der Suche nach dem Glück: Immer in Bewegung bleiben

Bewegung in den Alltag zu integrieren, kann man auch immer wieder lernen. Wichtig ist, sich nicht selbst zu überfordern, sich realistische Ziele zu setzen. Spaß zu haben, sollte in jedem Fall im Vordergrund stehen.

Bewegung tut gut, keine Frage. Aber warum ist das so? Und macht uns Bewegung auch glücklich und zufrieden? Ein Gespräch mit Beatrix Auer, Leiterin der Seniorenpastoral der Erzdiözese Wien, im Rahmen unsere Sommerserie „Auf der Suche nach dem Glück“.
Und gleichzeitig ein Plädoyer dafür, immer in Bewegung zu bleiben.

Vor einigen Wochen hat eine Studie der WHO – die Welt Gesundheitsorganisation – einmal mehr meine Aufmerksamkeit erregt.

 

Die WHO gibt darin Empfehlungen, wie schon bei kleinen Kindern entscheidende Weichen im Kampf gegen späteres Übergewicht gestellt werden können. In diesem Zusammenhang sollen sich schon Ein- bis Zweijährige mindestens drei Stunden am Tag bewegen, höchstens eine Stunde im Kinderwagen oder Kinderstühlen sitzen und möglichst wenig Zeit vor Bildschirmen verbringen.

 

Wer sitzt – ganz egal ob im Auto, am Tisch oder vor dem Bildschirm eines Fernsehers oder Computers – der laufe Gefahr, krank zu werden, so die Experten der WHO.


Bewegung macht Freude

Tatsächlich ist es wohl so, dass es keine große Neuigkeit mehr ist, dass Bewegung der Gesundheit zuträglich ist. Schade finde ich allerdings, dass in der WHO-Studie nirgendwo das Wort Glück oder Zufriedenheit zu finden ist.

 

Kinder „sollten sich bewegen“ klingt für mich irgendwie nach einem Befehl. Dabei macht Kindern das Bewegen aber doch unheimlich viel Freude – beziehungsweise sollte es machen – und sie werden dabei auch ganz bestimmt glücklich und zufrieden.


Mein Sohn ist 11 und unterwegs zu sein, Fußball zu spielen, schwimmen zu gehen, wandern zu gehen, steht auf der Liste jener Dinge, die er gerne tut, ganz weit oben. Und das nicht, weil ihm irgendwer gesagt hätte, dass er das tun soll, sondern weil er es einfach super findet, sich zu bewegen.

 

Trotzdem: Drei Stunden Bewegung am Tag schaffen wir, schafft er, unterm Schuljahr ehrlich gesprochen nicht. Da ist einfach zu viel zu tun. Die vier Stunden Turnen pro Woche sind fein, aber die tägliche Turnstunde wäre bestimmt auch kein Schaden.


Besser draußen als am Smartphone

Die Sommerferien sind bei uns aber ganz ohne Frage eine „bewegte“ Zeit. Verstehen Sie mich nicht falsch, mein Sohn ist 11 und natürlich hat er Interesse an Handy, Tablet und Computer – und großes noch dazu – und natürlich will er seine Freizeit auch dafür verwenden.

 

Auch – aber nicht nur. Und ich wage zu behaupten, dass ihn die Ankündigung, schwimmen zu gehen, oder mit Freunden oder uns Eltern Fußball, Federball oder Volleyball zu spielen, zufriedener und glücklicher macht, als wenn wir ihm sagen würden: Du darfst jetzt 3 Stunden durchgehend am Handy spielen.

 

Eine gewagte These? Ich teste ihn und frage nach. Und mein Kind? Der grinst und sagt: „Natürlich ist das besser.“ „Warum?“ frage ich nach. Er überlegt: „Sich zu bewegen ist lustig – erst recht, wenn es draußen ist“, sagt er dann: „Und ich glaube, ich finde es fein, wenn ich mit jemandem etwas tue, den ich sehe und höre und nicht nur lese.“ Macht es dich glücklich und zufrieden, dich zu bewegen, frage ich auch noch. „Ja, das tut es“ – die Antwort kommt schnell und klingt mehr als ehrlich.

 

Aber nicht nur ihm macht Bewegung Spaß, auch bei mir selbst kann ich feststellen, dass mir Bewegung auf vielen Ebenen gut tut.


Ein Schwall an „Glückshormonen“

Aber warum ist das so? Warum tut uns Bewegung so gut? Um diese Frage zu klären, treffe ich Beatrix Auer. Sie leitet seit vielen Jahren die Seniorenpastoral in der Erzdiözese Wien und sieht und erlebt in ihrer Arbeit mit alten und älteren Menschen – vielleicht manchmal sogar mehr als an anderer Stelle – wie gut Bewegung tut, auch wenn sie noch so klein scheint. Und wie wichtig es für uns Menschen ist, so gut es geht, in Bewegung zu bleiben.


 „Grundsätzlich ist es ja so: Absolut jede Bewegung tut uns gut“, sagt Beatrix Auer: „Wenn wir uns bewegen, wird Serotonin ausgeschüttet, das neben vielen anderen Prozessen auch unsere Emotionen beeinflusst. Im Volksmund heißt das Serotonin ja auch ,Glückshormon‘ – das kommt bestimmt nicht von ungefähr.“

 

Bewusst Bewegung zu machen, kann uns manchmal eine Auszeit vom Alltag schaffen, uns aus dem Trott herausholen. Sie kann uns ein Erfolgserlebnis bringen, wenn wir etwas geschafft haben, vielleicht sogar etwas, was wir bisher nicht geschafft haben. Wenn wir uns mit anderen bewegen, kann es zum Gemeinschaftserlebnis werden.

 

„Nicht zuletzt“, so Beatrix Auer, „kann Bewegung auch etwas sehr Meditatives haben – egal ob alleine oder in der Gruppe. Und etwas sehr Spirituelles. Denken sie nur an Wallfahrten, an Pilgerreisen. Da bewegen wir uns und beten und man kommt auch schnell hinein in dieses Dankbar-dafür-Sein, was ich kann, was ich geschafft habe, was ich mir zugetraut habe. Und es hilft, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen.“


Und kann Bewegung ihrer Meinung nach dann auch glücklich und zufrieden machen? „Bestimmt – mit Einschränkungen“, sagt Beatrix Auer. Welche Einschränkungen meint sie? „Naja - sich zu ,bewegen‘ ist wichtig und unbestritten ja auch eine Gesundheitsvorsorge.

 

Aber sich zu bewegen, ist halt nicht der einzige Weg zum Glück und darf auch als solcher nicht bezeichnet, beziehungsweise ,verkauft‘, werden, sondern als einen von vielen.“

 

Denn unbestreitbare Tatsache ist, dass es viele Menschen gibt, denen Bewegung schwerfällt oder wo Bewegung kaum mehr möglich ist – oder eben auch anders als früher.


In den Tagesablauf integrieren

Als ganz wichtig erachtet Beatrix Auer in diesem Zusammenhang, schon in jungen Jahren so viel Bewegung wie möglich in den Tagesablauf zu integrieren. „Und ich rede da nicht von Leistungssport oder täglichen stundenlangen Trainingseinheiten. Ich rede davon, mal die Stiegen hinauf zu gehen, anstatt den Lift zu nehmen.

 

Gehen Sie so viele ihrer täglichen Wege wie möglich. Spielen sie aktiv mit Ihren Kindern oder Enkelkindern.“ Gerade Bewegung in den Alltag zu integrieren, kann man auch immer wieder lernen, betont Beatrix Auer. Wichtig erscheint es ihr dabei, sich nicht selbst zu überfordern, sich realistische Ziele zu setzen.  
Hochleistung nämlich mache uns bewegungsunlustig. „Spaß zu haben, sollte in jedem Fall im Vordergrund stehen.

 

Ich muss meine Erwartungen an mein Können anpassen“, konkretisiert Beatrix Auer. Und ich muss schmunzelnd daran denken, wie das so ist, wenn ich mit meinem Sohn im Garten Fußball spiele – da passt wohl eher mein Sohn seine Erwartungen an mein Können an.

 

Wobei: Der Spaß steht zweifelsohne im Vordergrund und ich muss schon sagen, dass er auch motivierend sein kann und sich fast wie das oben erwähnte Erfolgserlebnis anfühlt, wenn er alle paar Minuten ruft: „Das machst du super Mama. Du bist echt gut.“


Grenzen akzeptieren

Ganz klar sei es in jedem Fall, so Beatrix Auer, dass je älter man wird, desto mehr sollte man sich auch bewegen. „Eigentlich kann ich immer etwas tun, um in Bewegung zu bleiben, um mich zu bewegen“, davon ist Beatrix Auer überzeugt: „Irgendwann komme ich wahrscheinlich unweigerlich an meine Grenzen – körperlich oder auch zeitlich – und das zu akzeptieren gehört wahrscheinlich zu den schwierigsten Dingen überhaupt.“

 

Aber auf lange Sicht gesehen, bedeutet In-Bewegung-Bleiben auch die eigene Selbstständigkeit zu erhalten. „Und das macht ganz bestimmt glücklich und zufrieden.“  

erstellt von: Der SONNTAG / Andrea Harringer
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Weitere Informationen:

Serie Auf der Suche nach dem Glück

Teil 1: Warum ist es für uns Menschen so wichtig, glücklich zu sein und wie kann man das Glück finden?

 

Teil 2: Jeder Tag ein Abenteuer

 

Teil 3: Gesegnete Mahlzeit


 

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Spiritualität für Leib und Seele


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