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10.04.2025 · Heiliges Jahr · Österreich & Weltkirche

Zwischen Münzwurf und Menschenblick: über die "wahren Schätze der Kirche" von Rom

 

Hinschauen und (zumindest) ein aufmunterndes Wort - Mauritus Wilde OSB  zum Umgang mit den Armen in Rom und anderswo.

Rom – Die Ewige Stadt, Sehnsuchtsort für Pilger und Touristen, ist auch ein Schauplatz von verstörenden Kontrasten. Zwischen historischen Monumenten und tief beeindruckender Kunst begegnet man täglich einer großen Zahl von Armen und Obdachlosen. Eine Realität, die nicht selten Fluchtreflexe aber auch unangenehme Gewissenskonflikte auslöst. Gerade noch hatte man genug Geld für ein paar Kerzen und Devotionalien in der altehrwürdigen Basilika – jetzt weicht man mit einem starren Blick in die Ferne der unangenehmen Begegnung mit einem Bettler aus. Pater Mauritius Wilde OSB von der Abtei Sant'Anselmo auf dem römischen Aventin formuliert dazu auf Communo.de Nachdenkenswertes und stellt unsere allzu bequemen Rechtfertigungsstrategien in Frage.

 

Der Benediktinerpater erinnert an das berühmte Zitat des römischen Diakons Laurentius: "Die Armen sind der Schatz der Kirche." Eine Maxime, die Papst Franziskus seit seinem Amtsantritt immer wieder in den Fokus rückt. Allein seine Namenswahl sei eine Mahnung, sich den Marginalisierten zuzuwenden. Franziskus selbst lebt dieses Prinzip vor, indem er nicht nur in seinen Predigten unermüdlich auf die Not der Armen hinweist, sondern auch die vatikanischen Mittel für karitative Zwecke deutlich erhöht und konkrete Hilfsangebote für Obdachlose in unmittelbarer Nähe des Petersplatzes geschaffen hat – nicht immer zur Freude der Anrainer rund um den Petersplatz.

 

Diese päpstlichen Initiativen scheint nämlich die Zahl der Bedürftigen rund um den Vatikan eher vermehren. Die Kunde von der päpstlichen Nächstenliebe zieht jene an, die am Rande der Gesellschaft stehen. Sie kampieren unter den Kolonnaden, sitzen an belebten Straßen oder ziehen inmitten der Pilger umher – sichtbare Zeichen einer oft unsichtbaren Armut.

 

Papst Franziskus selbst gibt dabei praktische Orientierung: "Man soll auf jeden Fall etwas geben." Diese klare Anweisung zielt darauf ab, die Not der Bettelnden anzuerkennen, ungeachtet der vielfältigen Erscheinungsformen. Niemand bettelt aus Lust und Laune. Wer bettelt macht sich verletzlich und ist nicht selten Ziel von Verachtung und Gewalt. Pater Mauritius beschreibt treffend das Spektrum der Armut in Rom: von theatralisch inszenierter Bedürftigkeit über professionelle Bettlergruppen bis hin zu Menschen, denen die Härte des Straßenlebens ins Gesicht geschrieben steht und den vielen, die wirklich leiden. Doch für Franziskus gilt: Die Tatsache des Bettelns allein ist Indiz genug für eine Armut, der man sich nach dem Vorbild Jesu annehmen soll.

 

Ein weiterer, oft unbeachteter Aspekt der päpstlichen Empfehlung ist das "Ansehen" der Armen. Die instinktive Reaktion vieler ist das Wegschauen, die Furcht vor Vereinnahmung. Doch gerade dieser Blickkontakt, diese Anerkennung der menschlichen Würde, sei es, was die Bedürftigen am dringendsten bräuchten. Wilde verweist auf die praktische Konsequenz: In Rom sollte man stets ein kleines Budget an Münzen bereithalten. Und selbst wenn materielle Hilfe nicht möglich ist, erinnert er an die Weisheit des heiligen Benedikt, der dem Cellerar des Klosters rät, dem Bittenden wenigstens ein gutes Wort zu schenken, wenn er sonst nichts geben kann.

 

Im Laufe der Zeit, so Pater Mauritius, lerne man, die unterschiedlichen Facetten der Armut zu erkennen, wahre Not von erfundenen Geschichten zu unterscheiden. Er schildert eine persönliche Begegnung mit einer jungen Roma-Mutter, die vor familiärer Gewalt geflohen war und letztlich die "Freiheit der Straße" einem bürgerlichen Leben vorzog. Eine Erfahrung, die ihm verdeutlichte, dass neben äußeren Umständen auch individuelle Entscheidungen eine Rolle im Leben auf der Straße spielen – Entscheidungen, die es in all ihren Konsequenzen zu respektieren gilt.

 

Die Armen auf den Straßen Roms sind für Pater Mauritius mehr als nur ein soziales Problem. Sie sind eine ständige Mahnung an unsere eigene spirituelle Armut vor Gott. "Letztlich verdanken wir ihm alles, was wir haben. Wir stehen genauso mit leeren Händen vor dem Herrn wie sie." Die Begegnung mit ihnen, das Geben, wird so zu einer Erlaubnis, auch für uns selbst um göttliche Gnade zu bitten, ja, sie manchmal sogar zu "erbetteln". In dieser ungewöhnlichen Perspektive erweist sich die Anwesenheit der Armen inmitten des pulsierenden Lebens Roms tatsächlich als ein "Schatz" – ein Spiegel unserer eigenen Bedürftigkeit und eine ständige Aufforderung zur Menschlichkeit.

 

Im Kontext des Heiligen Jahres 2025, in dem Rom erneut zum Ziel unzähliger Pilger wird, erhält diese Reflexion eine besondere Bedeutung. Wenn Vergebung, Nachlass, Befreiung und Gerechtigkeit das Grundmotiv eines Hl. Jahres sind, kommt man gerade heuer nicht daran vorbei, sich der konkreten Armut zu stellen, übrigens nicht nur in Rom….

 

erstellt von: red/gs
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