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01.09.2016 · Lebensschutz · Familie

Bioethik: Schnelle „Lösungen“?

Biomedizin: Die Verfügbarkeit des Menschen am Lebensbeginn führt zu immer weitreicherenden Fragen. 

Stephanie Merckens über das politische Thema Bioethik und die Frage nach möglichen Allianzen im Bereich des Lebensschutzes. Und über die gegenwärtigen großen Konfliktfelder in der Bioethik.

 

Warum ist das Thema Bioethik immer auch ein politisches Thema?

 

Merckens: In der Bioethik geht es um die Frage, welche Grenzen wir Menschen dem naturwissenschaftlich Möglichen setzen.

 

Aus dieser Entscheidung heraus ergibt sich eine politische Agenda – denn die Grenzen müssen durch Gesetze gezogen werden, durch bewusstseinsbildende Maßnahmen nachvollziehbar gemacht und durch den Vollzug dieser Gesetze geschützt werden.

Schafft die Politik die Rahmenbedingungen, innerhalb derer das sensible Thema Bioethik mit all ihren Folgen auch berücksichtigt wird?

 

Merckens: Das gelingt viel zu wenig. In den seltensten Fällen ist eine transparente, ausgewogene Diskussion gewünscht, oft werden die Pros und Contras einer Thematik auf unterschiedliche ideologische Standpunkte reduziert.

 

Gerade bei der Bioethikkommission gibt es echten Reformbedarf: Es sollten mehr Ressourcen zur Verfügung gestellt und ein unabhängigeres Bestellverfahren  der Mitglieder vorgesehen werden.

 

Derzeit ist die Bioethikkommission als Beratungsgremium des Bundeskanzlers konzipiert, welches dieser sich daher auch nach seinem Gutdünken zusammenstellen kann.

 

Dafür erfolgt die Tätigkeit, die oft sehr tiefreichende Expertise und großen Einsatz verlangt bzw. verlangen würde, ehrenamtlich.

 

Man kann von den Mitgliedern nicht verlangen, dass sie diesen Einsatz neben ihren beruflich schon sehr großem Engagement noch zusätzlich einbringen können.

 

Hier wäre eine Aufwertung des Gremiums sowohl im Hinblick der Unabhängigkeit als auch der Ressourcen wichtig, um tatsächlich objektiv und umfassend über die Themen diskutieren zu können.


Wo sind derzeit die großen politischen Konfliktfelder in der Bioethik?

 

Merckens: Weiterhin bleiben die Themen Reproduktionsmedizin und Sterbehilfe sehr relevant.

 

Die künstliche Befruchtung und damit die Verfügbarkeit des Menschen am Lebensbeginn führt uns zu immer weitreichenderen Fragen: Veränderungen der Eizelle mit Teilen aus fremden Eizellen, 3-Eltern-Babys oder auch Mischungen mit tierischen Körperteilen, Veränderungen der Gene etc.

 

Am Lebensende stellt uns die medizinische Entwicklung vor große Fragen, etwa bei der Funktionserhaltung wichtiger Organe oder dem Zusammenspiel von Autonomie und Verantwortung.

 

Gleichzeitig wird immer offener diskutiert, wie viel die Erhaltung eines Menschenlebens kosten darf bzw. kann. Bei Ressourcenknappheit bekommt der Mitteleinsatz natürlich eine immens ethische Dimension.

Steht da die katholische Kirche im Bereich der Bioethik nicht oft allein im Regen oder gibt es Verbündete, Allianzen?


Merckens: Fragen der Bioethik haben nicht primär etwas mit der katholischen Kirche zu tun. Allgemein steigt das Bewusstsein, dass nicht alles dem Menschen gut tut, was technisch möglich ist.

 

Und die katholische Kirche kann hier dank ihrer von der öffentlichen Hand unabhängigen Ressourcen immer wieder als starke und kompetente Interessensvertreterin eines ganzheitlichen Menschenbildes auftreten.

 

In diesem Einsatz suchen und finden wir immer wieder Allianzen, etwa in der Frage der Leihmutterschaft oder auch bei der Sterbehilfe.

Welche Bezugspunkte braucht die Bioethik, um eine konsequente Deutung der ethischen Fragen zu gewährleisten, die angesichts möglicher Interpretationskonflikte unvermeidlich auftauchen?

 

Merckens: Da gibt es unterschiedliche Zugänge.

 

Für mich sind folgende Annahmen wegbegleitend:

  • Der Mensch lebt ab der Befruchtung bis zu seinem Tod.
  • Jeder Mensch ist nicht nur gleich an Würde, sondern auch an Wert.
  • Das Ziel rechtfertigt das Mittel nicht.
  • Die Freiheit des Menschen inkludiert seine Verantwortung für den anderen.
  • Dem Menschen ist sein Leben gegeben – er hat es sich nicht selbst gemacht.
  • Es geht daher um die Frage, wie das Leben gelebt werden kann und nicht ob.

Letzteres sollte sich unserem Zugriff entziehen, weil wir dafür nicht verantwortlich sind.

 

Sonst geht es uns so, wie es der ehemalige deutsche Bundespräsident Johannes Rau vorskizziert hat: „Wo das (Weiter-)Leben nur eine von zwei legalen Optionen ist, wird jeder rechenschaftspflichtig, der anderen die Last seines Weiterlebens aufbürdet.“ Und gerade das widerspricht der Menschenwürde.

Die Respektierung der Würde des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum Tod hat den absoluten Vorrang vor pragmatischen Nützlichkeitserwägungen und wirtschaftlichen Vorteilen. Wie kann das politisch argumentiert werden?


Merckens: Verantwortungsvolle Politik sollte sich bei aller Tragik des Einzelfalles immer mit den weiter reichenden Auswirkungen einer normativen Regelung auseinandersetzen.

 

Sowohl was das öffentliche Unrechtsbewusstsein, die Akzeptanz von Krankheit und Gebrechen oder auch die finanzielle Absicherung einer allgemein zugänglichen Gesundheitsversorgung betrifft.

 

Hier die Zusammenhänge anzunehmen fällt unter dem Druck des Einzelfalls oft schwer. Denn wer möchte nicht einem Paar zu einem möglichst gesunden Kind verhelfen oder einen leidenden Menschen von seinen Schmerzen erlösen?

 

Aber viele „Lösungsangebote“ arbeiten bloß mit der Selektion des Lebens und haben erst gar nicht  dessen individuelle Heilung zum Ziel.

 

Da reicht es nicht, anfangs nur wenige Ausnahmen zuzulassen. Wenn etwa die Selektion grundsätzlich als Lösung akzeptiert wurde, dann halten die Schranken nicht lange.

 

Es geht also nicht nur darum, das Ziel als ethisch erstrebenswert zu bewerten, sondern eben auch den Weg dorthin.

erstellt von: Der SONNTAG / Stefan Kronthaler
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Weitere Informationen

zur Person

Dr. Stephanie Merckens,
Referentin für Bioethik und Lebensschutz, Institut für Ehe und Familie.

 

Institut für Ehe und Familie (IEF)
Spiegelgasse 3/8
A - 1010 Wien
Österreich
Tel.: +431 515 52 / 3658 (Sekretariat)
Fax: +431 513 89 58
E-Mail: office@ief.at

www.ief.at

 

 

Infos zur Bioethik

Informationen zu Fragen der Bioethik aus christlicher Perspektive aus erster Hand finden Sie

 

  • bei der „Aktion Leben Österreich“ (www.aktionleben.at),

  • beim „IMABE“ (Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik zur Förderung des Dialogs von Medizin und Ethik auf Grundlage des christlichen Menschenbildes, ( www.imabe.org)
  • sowie beim „Institut für Ehe & Familie“ (www.ief.at).

 

Die 9-teilige Bioethikserie des "SONNTAG"

 

Eine verschärfte Situation

Prof. Günther Pöltner über den Beginn des menschlichen Lebens, grundlegende Kriterien der Bioethik und die Menschenwürde.

 

Antworten der Religionen

Univ.-Prof. Matthias Beck über die unterschiedlichen Positionen und auch die Gemeinsamkeiten der Religionen im Bereich der Bioethik.

 

Die Babys aus dem Glas

Mag. Susanne Kummer, Geschäftsführerin von IMABE spricht über Reproduktionsmedizin

 

Der verkaufte Bauch

Mag. Martina Kronthaler, von der aktion leben österreich, spricht über das Milliardengeschäft "Leihmutterschaft".

 

Bye bye Baby...

Der SONNTAG sprach mit der Psychologin MMag.a Dr.in Nadja Fritzer über das Thema Kinderwunsch.

 

Am Anfang des Lebens

Claudia Versluis, Leiterin des Zentrums NANAYA, über die Lebenswelt des Embryo.

 

Reden wir über die Kinder

Primarius Dr. Klaus Vavrik, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, Präsident der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit

 

Gehört mein Sterben mir?

Interview mit Univ.-Prof. Christoph Gisinger über Pflege und das richtige gute Sterben.


 

 

Schwerpunkt

Biorthik & Lebensschutz


 

 

Der Sonntag

Der SONNTAG
Die Zeitung der ED. Wien
Stephansplatz 4/VI/DG
1010 Wien
T +43 (1) 512 60 63
F +43 (1) 512 60 63-3970

E-Mail-Adresse: redaktion@dersonntag.at

 

Weitere Informationen zu "Der SONNTAG" die Zeitung der Erzdiözese Wien

 

"Der SONNTAG" Testabo

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Piles of the different garbage on a ground

Papst ruft zu Umweltgerechtigkeit auf: "Welt im Verfall"

Botschaft von Leo XIV. zum Gebetstag für die Bewahrung der Schöpfung veröffentlicht. Papst: "Die Schwächsten leiden als Erste unter den verheerenden Auswirkungen des Klimawandels, der Entwaldung und der Umweltverschmutzung".

10 Jahre Laudato Si

10 Jahre Laudato Si: Hoffnung, Kritik und neue Wege

Zehn Jahre nach der Veröffentlichung von Laudato Si ziehen Umweltaktivist:innen und kirchliche Initiativen Bilanz: Viel wurde bewegt, doch der große Wandel bleibt aus. Zwischen Hoffnung, Kritik und konkretem Engagement zeigt sich, wie aktuell die Botschaft der Enzyklika geblieben ist – und wie dringend ein Umdenken weiterhin ist.

7-Kirchen Jubiläums Radwallfahrt

7-Kirchen Jubiläums Radwallfahrt: „Christsein ist kein Standpunkt, sondern ein Unterwegssein“

Im Pfarrverband Fischatal Nord wurde der 7-Kirchen Radweg mit Park & Pray Plätzen eröffnet. Menschen aller Generationen radelten, beteten und waren gemeinsam unterwegs.

Kirchlicher Umweltpreis für Mobilität und Biodiversität 2025

Kirchlicher Umweltpreis für Mobilität und Biodiversität 2025

Eingereicht werden können Projekte und Projektideen in Kategorien "Mobilität" und "Biodiversität" bis 4. Oktober.

Pfarrkirche Enzersdorf

7-Kirchen Jubiläums Radwallfahrt am 17. Mai

Eröffnung der 7-Kirchen Rad-Rundfahrt mit »bike & pray« Plätzen im Pfarrverband Fischatal Nord.

Klimaschutz in Aktion: Hinterbrühl startet Projekte

Klimaschutz in Aktion: Hinterbrühl startet Projekte

Am 5. April 2025, fand im Pfarrsaal der Pfarre Hinterbrühl eine FairWandeln-Klimakonferenz mit etwa 40 Teilnehmern statt, darunter viele Firmlinge.

FairWandeln-Vernetzungstreffen - Haltung zeigen!

FairWandeln-Vernetzungstreffen - Haltung zeigen!

Beim FairWandeln-Vernetzungstreffen in Aspern tauschten sich sehr engagierte Menschen zum Thema „Haltung zeigen – Zivilgesellschaftliches Engagement üben“ aus und stellten unterschiedliche Initiativen vor.

Children holding 3D planet in hands against green spring background. Earth day holiday concept. Elements of this image furnished by NASA

9. April: Online Vernetzungstreffen - Ideen mit Zukunft

Neben einem Input von Weihbischof Bischofsvikar Stephan Turnovszky erwarten Sie 4 spannenden Kurzvorträge mit der Möglichkeit sich nachher in ein Thema zu vertiefen. Anmeldung erforderlich!

Breitenfeld hat gedämmt – ein Rückblick

Breitenfeld hat gedämmt – ein Rückblick

Im Laufe des Jahres 2022 stiegen aufgrund der internationalen Ereignisse die Preise für Strom und Gas massiv an. Umgehend wurde von der Pfarre Breitenfeld die „Arbeitsgruppe Energiesparen“ gegründet und eine Reihe an Maßnahmen vorgeschlagen und umgesetzt.

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