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25.08.2016 · Bischof · Ökumene

Kirche in bewegten Zeiten: Die Erinnerung an wertvolle Jahre

Kirche in bewegten Zeiten: Die Erinnerung an wertvolle Jahre

Franz Grabenwöger, von 1975 bis 1986, Sekretär von Kardinal König, erhielt 1984 den Titel „Monsignore“: Hier bei der Überreichung durch den Kardinal in der Andreaskapelle des Palais.

Msgr. Franz Grabenwöger war ab 1975 elf Jahre lang Sekretär von Kardinal König. Er lernte dessen „große Fragen und Anliegen“ ebenso kennen wie die Sorgen, Freuden und Kraftquellen.


Im SONNTAG schildert Franz Grabenwöger Erinnerungen an diese Zeit, in die er als junger Priester „vom Land“ zunächst mit gemischten Gefühlen hineinging.

 

 

Am Fronleichnamstag 1975 hatte ich ein Gespräch in Wien mit Kardinal König. Sekretär Anton Berger wollte sich verändern und hat mich, seinen Jahrgangskollegen, als Sekretär und Zeremoniär  vorgeschlagen.

 

Mit gemischten Gefühlen saß ich dem Erzbischof gegenüber. Ich hatte mir einige Fragen überlegt, warum ich mich außer Stande sähe, in dieses Amt einzusteigen: Ich hatte keine Ahnung von Liturgie, Sekretariatsarbeit und anderen damit verbundenen Tätigkeiten.

 

Der Herr Kardinal widerlegte mir eine Frage nach der anderen: Das kann man lernen, da gibt es Mitarbeiter usw. Als er mir von seiner Raxpartie am Tag vorher für den ORF erzählte (ich denke, es war zu seinem  70. Geburtstag), habe ich „ja“ gesagt.

 

Wechsel vom Land in die Stadt

Der Wechsel vom Land in die Stadt fiel mir schwer – die laute Wollzeile war mein Quartier nach den ruhigen ländlichen Posten (Kaplan in Oberaspang und Studienpräfekt in Sachsenbrunn). So begannen meine erlebnisreichen und wertvollen Jahre in der Nähe des Erzbischofs von Wien.

 

Interessant waren immer wieder die Kontakte mit dem „Volk“, der Erzdiözese und mit den „Großen“ aus Politik, Gesellschaft und Kirche. Etwa die Ostkontakte des Kardinals – Besuche in Prag, Esztergom und Split, die Reisen mit ihm ins Heilige Land mit dem Besuch des Katharinenklosters am Sinai, dem Gespräch mit dem Bürgermeister von Jerusalem, Teddy Kollek oder dem Oberrabbiner der Heiligen Stadt.

Spannendes Konklave 1978

In besonderer Erinnerung ist mir das Konklave zur Papstwahl 1978. Als Kardinal König von diesem wichtigen Romtermin wieder heimkam, entdeckten wir im umfangreichen Gepäck einen Messtext für das Konklave mit einer handschriftlichen „Stricherlliste“. Gott sei Dank war nicht erkenntlich, wo der Herr Kardinal mitgezählt hat.


Kardinal König hat immer wieder davon gesprochen, dass er unmittelbar vor der Wahl mit Kardinal Wyszynski ins Gespräch kam und einen „polnischen Kardinal“ als Kandidat vorschlug.

Worauf Wyszynski antwortete, er sei schon zu alt! König erwiderte: „Es gibt doch einen zweiten Kardinal von Polen.“


Ein besonderer Höhepunkt war der erste Papstbesuch in Österreich durch Johannes Paul II. im Anschluss an den Österreichischen Katholikentag 1983.

Innige Freundschaften

Was mich persönlich bewegt hat in dieser Zeit waren die Höflichkeit und die vorsichtigen Fragen: Haben Sie noch Zeit für diese oder jene Autofahrt oder für notwendige Dienste außerhalb der normalen Arbeitszeit?


Beeindruckend war für mich auch das angebotene Du-Wort in späteren Jahren. In seiner aktiven Zeit waren nicht einmal alle Bischöfe Österreichs untereinander per Du: Über dem Arbeitsplatz der Sekretärin hing ein Foto mit einigen Bischöfen, die nach Exerzitien bei P. Lombardi zum gegenseitigen Du-Wort verpflichtet worden waren.


Innige Freundschaften verband Kardinal König mit Karl Berg, dem Erzbischof von Salzburg und seinem langjährigen Koadjutor Franz Jachym. Von Kindheit an befreundet war er mit Mutter Elmara Schnabl, Generaloberin der Vöcklabrucker Schulschwestern, einem „Nachbarskind“aus seinem Heimatort Warth. Richard Barta, Erich Leitenberger sowie Anton Fellner vom ORF zählten ebenso zu seinem Freundeskreis wie Einzi und Robert Stolz, Prälat Leopold Ungar und Msgr. Hugo Unterberger. Ein gern gesehener Gast in der Wollzeile war zudem der „Lebensretter“ nach dem schweren Autounfall bei Varaždin 1960, Dr. Vahtaric.


Kraft für die tägliche Arbeit holte sich Kardinal König aus den Messfeiern in der Andreaskapelle mit anschließender Anbetung bzw. Stundengebet wechselweise in den ihm geläufigen Sprachen Latein, Französisch und Englisch und gelegentlich auch im Gebet in der Hauskapelle unmittelbar neben den Audienzräumen.

 

Der Kardinal betrieb gerne Sport, vor allem Schwimmen und Tischtennis, das er besonders liebte. Er machte fast wöchentlich eine Wandertour auf den Kahlenberg. Die Urlaubswochen verbrachte er in Vorarlberg und Mariazell.

 

Besuche ohne Anmeldung

Der Priestersprechtag am Donnerstag war die einfachste Möglichkeit, mit dem Oberhirten ohne Anmeldung zu sprechen. Stets begleitete den Kardinal die Sorge für die kranken Mitbrüder in den Spitälern, die zumindest einen Telefonanruf bekamen.


Mit Sorge sah er auch die steigende Zahl der Kirchenaustritte. Im Schematismus entnahm er immer wieder die Katholikenzahl dieser oder jener Pfarre. Darauf ging er zumindest öffentlich in der Sitzung des PGR (und ich nehme an, auch im persönlichen Gespräch mit dem Seelsorger) sehr besorgt ein und erbat Lösungsvorschläge.


Bemerkenswert war sein Umgang mit Laien bei den Pfarrbesuchen, angefangen von den oft mühsamen Gesprächen mit den Pfarrgemeinderäten in Abwesenheit des Pfarrers bis zu seiner Schlagfertigkeit bei ungewöhnlichen Anfragen. Um mit gutem Beispiel voranzugehen, hat der Kardinal eine vietnamesische Flüchtlingsfamilie bei sich aufgenommen (siehe Der Kardinal und „seine“ Vietnamesen).

 

Auf die heutige Flüchtlingssituation in Österreich angesprochen, kann ich mir gut vorstellen, dass er ähnlich wie Papst Franziskus sichtbare Zeichen setzen würde wie Lagerbesuche und Lob den Pfarren, die Familie aufnehmen, aussprechen würde.


Betroffen habe ich 2004 einige Zeit an der Totenbahre des Verstorbenen in St. Stephan gestanden und daheim in der Pfarre Krumbach eine Totenandacht gehalten mit persönlichen Erinnerungen meinerseits und durch Pfarrmitglieder, die mit dem Verstorbenen auf verschiedene Weise verbunden waren.


Das Bild vom Stephansdom mit seiner Widmung zum Dank für „gemeinsame Jahre im Stephansdom“ hängt bis heute in allen meinen nachfolgenden Wohnungen.

 

Kardinal König war für mich und viele andere Menschen der „Lebensmensch“.

erstellt von: Der SONNTAG
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Weitere Informationen

zur Person

 

Msgr. Franz Grabenwöger, 76, lebt als Pfarrer i. R. in Krumbach. Er war auch im Canisiuswerk in bedeutender Funktion sowie Rektor im Seminar Hollabrunn.

 

 

 

Serie

"Kirche in bewegten Zeiten": Die Erzdiözese Wien unter Kardinal König; 1956 bis 1985.


Folge 1:
Es begann, als es noch kein Fernsehen gab von: Der SONNTAG / Michael Prüller

Folge 2:
Der richtige Mann zur richtigen Zeit  von: Der SONNTAG / Annemarie Fenzl

Folge 3:
„Die gesamte Diözese reflektierte das Konzil“ Gespräch mit Emer. Univ. Prof. Josef Weismayer,

erstellt von: Der SONNTAG / Agathe Gansterer

 

Folge 4:

„Viele unterschätzen die Bedeutung des 68er Jahres“ - Interview mit Pastoraltheologe Paul M. Zulehner, erstellt von: Der SONNTAG / Agathe Gansterer

 

Folge 5:

"Ich bin der Bischof aller Katholiken" - Prof. Erich Leitenberger erzählt über die Neugestaltung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche.

 

 


 

weitere Artikel zum II. Vatikanischen Konzil auf Erzdioezese-Wien.at

50 Jahre 2. Vatikanisches Konzil

 

 


 

 

weitere Artikel zu  Kardinal Franz König

 

 

 



Der Sonntag

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Kardinal Schönborn: Ökumene lebt von echten Freundschaften

Kardinal Schönborn: Ökumene lebt von echten Freundschaften

Gottesdienst im Wiener Stephansdom am 13. März zum 20. Todestag von Kardinal König und zum 60-Jahr-Jubiläum von Pro Oriente.

Gezeichnete Friedenstaube mit Oliven Zweig

Ökumenisches Friedenssymposium am 8. November

Gemeinsame katholisch-orthodox-evangelische Veranstaltung zum Thema "Wege der Versöhnung. Unser Auftrag als Christen für einen gerechten Frieden".

Weltsynode: Ökumene-Side-Event mit Kardinälen Schönborn und Koch

Weltsynode: Ökumene-Side-Event mit Kardinälen Schönborn und Koch

Präsentation des Pro Oriente-Films "Listening to the East" und des gleichnamigen Buches, die die Vielfalt synodaler Erfahrungen und Traditionen im Leben der orthodoxen und orientalischen Kirchen aufzeigen.

Globus in Händen

20 Jahre ökumenisches "Sozialwort": Kirchen starten neue Initiative

Beim Projekt "Sozialwort 20+" sollen österreichweit in Gottesdiensten Gäste aus jeweils anderen Kirchen kurze aktuelle Impulse zu Themen des "Sozialworts" geben oder bisher noch fehlende aktuelle Themen aufgreifen.

Kirchen: Vertrauen in Hoffnungspotenzial des christlichen Glaubens

Kirchen: Vertrauen in Hoffnungspotenzial des christlichen Glaubens

Mitternachtsgebet des Ökumenischen Rates der Kirchen in Wiener Deutschordenskirche beschloss "Lange Nacht der Kirchen".

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