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07.04.2023 · Österreich & Weltkirche

Zwischen Dankbarkeit und Schmerz: Ukrainische Ostern in Österreich

 

Ostkirchen-Generalvikar Kolasa zur Situation der geflüchteten Ukrainer in Österreich, die Bemühungen der Kirche um diese Menschen und was er von der heimischen Neutralitätsdebatte hält. Ukrainer feiern teils an diesem Sonntag und teils am nächsten Sonntag das Osterfest.

Für die aus der Ukraine geflüchteten Menschen ist es bereits das zweite Osterfest, das sie in Österreich feiern können oder müssen - je nach Blickwinkel. Die Geflüchteten gehören verschiedenen Kirchen an: der Ukrainischen-Griechisch-katholischen, Ukrainisch-Orthodoxen oder Orthodoxen Kirche der Ukraine. Die orthodoxen Ukrainerinnen und Ukrainer feiern Ostern am 16. April, ebenso auch die meisten Gläubigen der Ukrainisch-katholischen Kirche. Bei letzteren gibt es aber auch einige Gemeinden in Österreich, die bereits an diesem Sonntag Ostern feiern. Was alle Geflüchteten eint: Ostern 2023 wird ein Fest zwischen Dankbarkeit und Schmerz, wie Ostkirchen-Generalvikar Yuriy Kolasa im Kathpress-Interview am Freitag sagte.

Auf der einen Seite seien viele Menschen sehr dankbar, dass sie Ostern in Frieden und Sicherheit feiern können, ohne Angst vor einem unerwarteten Raketenangriff oder Luftalarm. Auf der anderen Seite würden es für viele sehr schmerzvolle Tage, "weil sie stark daran erinnert werden, dass sie gezwungen waren, ihre Heimat und ihre Angehörige zu verlassen". Wie in Österreich seien auch in der Ukraine die Osterfeiern stark mit dem Zusammenkommen der Familie verbunden. Kolasa: "Für viele ukrainische Kinder wird es ein Fest ohne ihre Väter und Großeltern sein." Deshalb wollten viele trotz aller Gefahren in die Ukraine fahren, um das Osterfest mit ihren Verwandten in der Ukraine zu feiern.

Die Ukrainisch-katholische Kirche in Österreich bemühe sich, "den vielen vom Krieg vertriebenen Menschen, die in Österreich bleiben werden, ein Zuhause in unseren Gemeinden zu ermöglichen", so Kolasa: "Letztes Jahr waren viele verängstigt, verwirrt, verzweifelt, sie wussten nicht, was sie tun und wohin sie gehen sollten. Jetzt haben viele Menschen in unseren Kirchengemeinden bereits eine Gemeinschaft gefunden, zu der sie gehören, wo sie sich zu Hause fühlen."

Die Zahl der Gläubigen der Ukrainisch-katholischen Kirche ist laut Generalvikar Kolasa durch den Krieg von 8.000 auf 13.000 gestiegen: "Wir werden nun in zehn neuen Gemeinden Ostern feiern." Im vergangenen Jahr seien drei neue Priester und zwei neue Diakone aus der Ukraine nach Österreich gekommen, "die in diesem Jahr die Priesterweihe empfangen und in Österreich ihren Dienst leisten werden".

Die Ukrainisch-katholische Kirche stehe auch in ständigem Kontakt mit der Orthodoxen Kirche in Österreich. Viele orthodoxe Ukrainer haben etwa in der griechisch-orthodoxen Metropolis von Austria eine neue geistliche Heimat gefunden. "Wir versuchen, den pastoralen Bedürfnissen der ukrainischen Menschen zu entsprechen und die Seelsorge zu koordinieren", so Kolasa. Er stehe in persönlichem, gutem und regelmäßigem Kontakt mit dem orthodoxen Metropoliten Arsenios (Kardamakis): "Im Moment konzentrieren wir uns nicht so sehr auf konfessionelle Unterschiede, sondern wir tun alles, was möglich ist, um jenen, die in Not sind, zu helfen und sie zu begleiten."

Viele ukrainische Kriegsvertriebene seien bemüht, sich an das Leben in Österreich zu gewöhnen. "Viele besuchen Deutschkurse, suchen einen Arbeitsplatz oder haben bereits einen gefunden; die Kinder gehen zur Schule und machen Fortschritte in der deutschen Sprache", berichtete Kolasa. Einige beabsichtigten sicher zu bleiben, "vor allem jene, die aus den besetzten Gebieten geflohen sind oder aufgrund der massiven Zerstörungen nicht zurückkehren konnten". Aber viele hofften auf das Ende des Krieges und wollten nichts lieber als in ihre Heimat zurückkehren.

Auf die Solidarität Österreichs für die Geflüchteten angesprochen, sagte der Generalvikar: "Die Welle der Solidarität, die spontan in ganz Österreich in den ersten Monaten des Krieges entstanden ist, war enorm und hat uns alle tief berührt. Für diese lebendige und authentische menschliche Solidarität werden wir immer dankbar sein." Die Intensität der Solidarität habe inzwischen abgenommen, was aber zu erwarten gewesen sei.

In den von den russischen Besatzern inzwischen wieder befreiten Gebieten seien unzählige Häuser und die Infrastruktur völlig zerstört, Millionen von Menschen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen. Er bitte die Österreicherinnen und Österreicher deshalb, für die Not leidenden Menschen in der Ukraine weiter zu spenden, so Kolasa.


Kompromisslos für die Menschenwürde

 

Zur Frage, wie er bzw. die Ukrainer in Österreich jene politischen Kräfte in Österreich wahrnehmen, die angesichts der Teuerungen dazu aufrufen, die Solidarität mit der Ukraine aufzukündigen und sich auch auf Österreich Neutralität berufen, sagte der Generalvikar: "Für viele ukrainische Kriegsvertriebene hier in Österreich sind diese Diskussionen wegen der Sprache irrelevant, viele verstehen nicht, wer was sagt. Aber viele, die schon länger in Österreich sind, vor allem Studenten, finden diese politischen Diskussionen sehr enttäuschend." Außenminister Alexander Schallenberg habe seiner Meinung nach den richtigen Akzent in dieser Diskussion gesetzt, so Kolasa: Neutralität beziehe sich auf den militärischen Bereich, Österreich sei nicht "gesinnungsneutral". Kompromisslos in Solidarität mit der Ukraine zu stehen bedeute zugleich, kompromisslos für die Menschenwürde einzutreten, so der Generalvikar in Richtung Österreichs wie Europas.

Kolasa räumte freilich ein, dass er die Sorgen der Österreicherinnen und Österreicher ob der Teuerungen verstehe und ernst nehme. "Als Christen müssen wir das Elend und Leiden eines konkreten Menschen sehen und alles tun, was wir können, um dieses Elend und Leiden zu lindern". Das gelte für alle Menschen in Not, seien es Österreicher oder Ukrainer. Und der Ostkirchen-Generalvikar, der selbst aus der Ukraine stammt, fügt persönlich hinzu: "Oft werde ich von vielen österreichischen Freunden mit allen möglichen politischen Diskussionen und Lösungen konfrontiert. Aber offen gesagt ist es viel tröstlicher, wenn mich jemand einfach fragt, wie es meiner Familie in der Ukraine geht."

 

Botschaft der Auferstehung

Zur Frage, wie es für ihn und seine Priester möglich sei, angesichts des Krieges die Hoffnung auf die Auferstehung glaubhaft zu vermitteln, sagte Kolasa: "Gerade in Zeiten des Leids und der Verzweiflung verwandelt die Botschaft der Auferstehung das Leben der Menschen. Dies geschah zur Zeit Christi und geschieht auch heute."

Die Auferstehung Jesu Christi von den Toten habe eine gewaltige Kraft - "zu befreien, zu begeistern, Heiligkeit zu bewirken und standhafte Freude zu erwecken". Er bete inständig darum, "dass dieses Osterfest all den vom Krieg vertriebenen ukrainischen Menschen hier in Österreich sowie allen leidenden Menschen in der Ukraine Freude bringen möge"

Auf der Website des Ostkirchenordinariats gibt es eine Aufstellung mit allen Osterfeiern der Ukrainisch-katholischen Kirche an diesem und nächstem Wochenende.

 

Infos: www.katholischeostkirchen.at

erstellt von: red/kathpress
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